Wohnquartier „Guter Freund“: Auch Seniorentagespflege und Kita

Von: Stefan Herrmann
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Nahe den Aachen Arkaden soll das Wohnquartier „Guter Freund“ entstehen: Wer Träger der dort künftig beheimateten Kita Eisenbahnweg werden soll, sorgte nun für mächtig Zündstoff. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Noch liegt das rund 25.000 Quadratmeter große Areal am Eisenbahnweg/Ecke Freunder Weg für den außenstehenden Betrachter brach, auf dem ein Komplex mit 248 Wohnungen in die Höhe wachsen soll. Das Projekt hört auf den Namen „Guter Freund“ und soll auch eine Seniorentagespflege und eine Kita beherbergen.

Wer Träger dieser neuen Kindertagesstätte werden soll, hat nun zu einem heftigen Schlagabtausch im Kinder- und Jugendausschuss geführt. Vor allem ein Brief des Investors Landmarken AG, der an die Verwaltung und Politik rausgegangen ist, erhitzte dabei die Gemüter.

Denn in dem Schreiben spricht sich der Investor ausdrücklich für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der geplanten fünfgruppigen Kita Eisenbahnweg im Quartier „Guter Freund“ aus. Mehr noch: Er bietet sogar indirekt finanzielle Unterstützung an, sollte man sich für den favorisierten Träger entscheiden.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Sollten sich bei der Finanzierung der Kita je nach Wahl des Trägers geringe Differenzen für die Stadt ergeben, sind wir zuversichtlich, dass dafür eine Lösung gefunden werden kann.“

Für die Grünen hört mit dieser Form der Einflussnahme auf eine politische Entscheidung aber die gute Freundschaft auf, wie deren kinder- und jugendpolitische Sprecherin Hilde Scheidt im Ausschuss am Dienstagabend betonte und von einem „unseriösen Angebot“ sprach. Sie habe so einen Vorgang in ihrer Zeit als Politikerin in Aachen noch nicht erlebt. „Das hat einen ganz faden Beigeschmack“, sagte sie und warnte davor, diese „finanzielle Möhre“ zu schlucken.

Fakt ist: Gegen die Stimmen der Grünen hat der Ausschuss entschieden, der AWO die Trägerschaft für die Kita zu übertragen. Und das, obwohl die Verwaltung mit der „Educcare Lösungen für Familie und Beruf GmbH“ einen anderen Träger favorisiert hatte. Als dritter potenzieller Träger hatte die Lebenshilfe Aachen ein Angebot vorgelegt.

Eine Auswertung der Angebote ergab schließlich, dass die Stadt bei Educcare am günstigsten wegkäme – der entscheidende Grund, warum man von Verwaltungsseite für diese Lösung plädiere, wie Bildungsdezernentin Susanne Schwier am Dienstag erläuterte. Kämen bei Educcare jährliche Kosten in Höhe von voraussichtlich knapp 165.500 Euro auf die Stadt zu, wären es im AWO-Fall gut 8000 Euro mehr pro Jahr (rund 173.800 Euro).

Dass vorneweg die schwarz-rote Mehrheit, vor allem auf Bestreben der SPD, doch der AWO den Zuschlag gegeben hat, kritisierten die Grünen harsch und befürchten, dass öffentlich das Bild von Klüngelei und möglicherweise sogar der Verdacht der Korruption entstehe. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Investor so etwas erst gar nicht schreibt“, ließ Scheidt kein gutes Haar am Landmarken-Brief und dem Ausschussvotum.

Dass die SPD der Arbeiterwohlfahrt nahe steht, ist kein Geheimnis. Die jetzige AWO-Geschäftsführerin Gabriele Niemann-Cremer saß jahrelang für die Sozialdemokraten im Aachener Stadtrat. AWO-Vorsitzender ist Karl Schultheis, zugleich SPD-Landtagsabgeordneter und Ratsherr. Diese Verbindung habe aber laut Patrick Deloie, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD, keinerlei Rolle gespielt – ebenso wenig wie der Investor-Brief.

Vielmehr hätten die Sozialdemokraten nach intensiver Diskussion die größte „Kompetenz und Expertise“ bei der AWO gesehen, eine Kita in den sozialschwachen Bereichen Rothe Erde und Forst zu führen. Ein weiteres wichtiges Argument für die SPD: Die Seniorentagespflege im Quartier „Guter Freund“ wird voraussichtlich ebenfalls von der AWO übernommen. In dem Fall setzen Deloie und seine Parteikollegen auf eine „starke Generationenbrücke“ – also eine intensive Kooperation zwischen Kita und Senioreneinrichtung.

„Wenn das dann aus einer Hand geschieht, dann glauben wir, dass ein noch größerer und besserer Austausch stattfinden kann“, verteidigte Deloie das SPD-Votum. Dieser Argumentation schloss sich auch die CDU an. Zudem habe, betonte Deloie, die SPD-Entscheidung pro AWO „schon mehr oder weniger“ festgestanden, bevor der Investor-Brief eingetroffen sei.

Und die Stadt? Die will nun intern erst einmal unter Einbeziehung des Fachbereichs, des Rechts- und Rechnungsprüfungsamts den Brief des Investors genau unter die Lupe nehmen, bewerten und dann entscheiden, wie man damit weiter umgeht. Glücklich schien die Verwaltung in jedem Fall nicht mit dem politischen Mehrheitsbeschluss zu sein, dass unter diesen Umständen nun die AWO Träger der Kita Eisenbahnweg wird.

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