Wohnheim „Katzensprung“: Studentenbuden stehen reihenweise leer

Von: Robert Esser
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Noch stehen viele Appartements im Wohnkomplex „Katzensprung“ leer, dennoch ist eine Erweiterung um hunderte weitere Wohnungen bereits geplant. Foto: Andreas Herrmann
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Mert Vurcak aus Euskirchen im Begegnungsbereich des 22 Millionen Euro teuren Komplexes in Vaals. Foto: Andreas Herrmann
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Francesco Martinuzzi in einem von 250 jeweils 22 Quadratmeter großen Studentenappartements. Foto: Andreas Herrmann
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Will mehr Studierende für den Wohnort Vaals interessieren: Bürgermeister Reg van Loo. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Vaals. Sie sind Student und suchen eine Wohnung? Kein Problem. In Vaals – kaum 15 Minuten von Aachens Stadtzentrum und Hochschule entfernt – stehen reihenweise neue Studentenappartments leer. Sinnigerweise heißt das Studentenwohnheim „Katzensprung“, das vom Investor „Jules“ vergangenes Jahr innerhalb von acht Monaten in die wieder florierende Grenzstadt gepflanzt wurde.

Investiert wurden 22 Millionen Euro. Von 250 Appartements sind aber seit der Fertigstellung im Herbst 2016 gerade mal 144 bewohnt – das entspricht einer Belegungsquote von rund 60 Prozent. Knapp 70 Prozent der Bewohner kommen aus Deutschland. Zum Vergleich: Die Belegungsquote des Aachener Studierendenwerks mit insgesamt 1054 Appartements in der Kaiserstadt liegt bei 100 Prozent. 4100 Bewerber stehen auf der Warteliste für eine neue Bleibe. WG-Zimmer kosten in Aachen bis zu 395 Euro, vergleichbare Ein-Zimmer-Appartements zwischen 247 und 367 Euro.

Näher an Aachen rücken

„Wir hoffen, dass es sich schnell herumspricht, wie hervorragend man in Vaals als Student wohnen kann“, sagt Bürgermeister Reg van Loo. Er hat sich schon vor Jahren vorgenommen, Vaals näher an Aachen heranzurücken. Auch deshalb hat die niederländische Kommune im Eiltempo das Wohnheim „Katzensprung“ verwirklicht. Und darum gibt es nebenan auch noch Platz für drei weitere Wohnblöcke. „Wir stellen uns hier ein richtiges Studentenviertel mit bis zu 1500 jungen Menschen vor, die bei uns leben und in Aachen zur Hochschule gehen“, erklärt van Loo.

Was wird geboten? In dem modernen Wohnblock reihen sich die jeweils 22 Quadratmeter großen Appartements über mehrere Etagen entlang langer Flure. Das Design liegt im Trend. Frische Farben, viel Orange, dazu gibt es mehrere Begegnungsbereiche – große Gemeinschaftsräume für die Bewohner, darunter eine Bibliothek. Jedes Zimmer – auf Wunsch möbliert – besitzt eine eigene Küche mit Kühlschrank und Herd, ein eigenes Bad. Und alle verfügen über einen Highspeed-Internetanschluss.

Das kostet 363 Euro pro Monat, wobei der niederländische Staat einen Mietzuschuss von rund 150 Euro gewährt, wenn der Studierende aus einem EU-Land stammt und weniger als 24 000 Euro pro Jahr verdient, wie Robert Hoogenboom, der Marketingchef von „Jules“, erläutert. Bei der bürokratischen Beantragung steht „Jules“ den Mietkandidaten zudem zur Seite. Auch bei der Einschreibung, der Eröffnung eines holländischen Bankkontos etc.

Apropos: Mieter Mert Vurcak (19) aus Euskirchen wurde zum Beispiel beim Einschreibetermin im Aachener Super C auf „Jules“ aufmerksam. „Die hatten da einen Stand. Und mir wurde die Sorge genommen, dass ich als deutscher Student mit Wohnsitz in den Niederlanden kein Bafög beziehen kann“, erklärt der junge Maschinenbau-Student. „Das ist eine Befürchtung, die längst überholt ist – aber offenbar noch bei vielen existiert. Ein Gerücht!“, sagt Bürgermeister van Loo. „Früher gab es beim Bafög Probleme, heute nicht mehr. Das läuft alles völlig reibungslos“, betont er.

Semesterticket

Neben Mert wohnt Francesco Martinuzzi. Der 22-jährige Italiener gehört zu den ersten Bewohnern. „Ich komme aus Udine, habe mich schon zu Hause um eine Wohnung gekümmert. Hier passt einfach alles, mit dem Fahrrad brauche ich keine zehn Minuten bis zur Uni in Aachen“, rechnet er vor. Aber auch in Vaals gebe es in direktem Umfeld alles, was Studierende brauchen.

Einkaufsmöglichkeiten, Cafés, Bars, ein Fitnessstudio. Und mit dem obligatorischen Semesterticket können Studierende alle 15 Minuten per Bus von und nach Aachen fahren. „Ich höre immer wieder, wie hart es gerade für ausländische Studierende ist, in Aachen selbst eine bezahlbare Wohnung zu finden“, sagt der angehende Physiker. Aachen zählt knapp 255.000 Einwohner, ein Großteil der rund 55.000 Studierenden lebt in der Stadt.

Nachholbedarf

Warum also drängen nicht mehr Studierende aus Aachen nach Vaals? „Womöglich haben wir so schnell gebaut, dass unser Marketing zu spät ansetzte und wir da nun Nachholbedarf haben“, sagt van Loo. Vielleicht liegt es auch an immer noch vorhandenen Schranken im Kopf. Aus Vaals – 4,5 Kilometer entfernt – sei man jedoch schneller in der Aachener Innenstadt als aus Laurensberg oder Brand, sagt er. „Aachen ist für uns eine riesige Chance. Sonst gilt Süd-Limburg als Schrumpf-Region. Für uns gilt das nicht“, stellt der Vaalser Bürgermeister fest.

9700 Einwohner zählt er, darunter rund 500 Studierende. „Es waren in den 70er Jahren sicher dreimal so viele Studierende aus Aachen in Vaals – auch in vielen Wohngemeinschaften und Familien. An die Zahlen möchten wir nun Jahrzehnte später anknüpfen“, erklärt Bürgermeister van Loo.

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