Wohngemeinschaft der „Wabe“ für obdachlose Frauen eröffnet

Von: Sina Stieding
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Einweihung des ersten Haus für wohnungslose Frauen: Elisabeth Rummel, Bewohnerin Anja H., Brigitte Schiffers, Daniela Jansen, Kerstin Quadflieg, Susanne Schulte sowie die Bewohnerinnen Elisabeth N. und Medi B. pflanzten einen Begrüßungsbaum. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ohne Job keine Wohnung. Ohne Wohnung kein Job. Diese Problematik kennen die Bewohnerinnen der neuen Wohngemeinschaft des Hilfsvereins „Wabe“, die nun auf der Krefelder Straße ihre siebte und letzte Mitbewohnerin willkommen hieß.

Das dreistöckige Familienhaus beherbergt wohnungslose Frauen, die versuchen, den Weg zurück in die Unabhängigkeit zu finden. Gemeinsam mit der Schirmherrin, der SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen, pflanzten alle nun zur offiziellen Eröffnung einen Apfelbaum im Vorgarten des Hauses.

„Vielen Menschen ist das Problem der Wohnungslosigkeit bei Frauen gar nicht bewusst, weil man sie nicht sieht“, erklärte Jansen. „Wohnungslose Frauen kommen oft bei Freunden unter, aber auch diese erwarten irgendwann eine Gegenleistung“.

Auf der Straße selber sieht man oft Männer, aber selten Frauen, die obdachlos sind. Zwar kennt niemand die genaue Zahl der betroffenen Frauen, jedoch bietet die erste Wohngemeinschaft sieben die Chance, ihr Leben neu zu ordnen. Betreuerin Brigitte Schiffers von der „Wabe“, die mit den Teilnehmerinnen ein professionelles, aber zugleich spürbar inniges Verhältnis pflegt, hilft seit Jahren und freut sich besonders, dass die Wohngemeinschaft nun auch vom Landschaftsverband abgesegnet ist.

In der Wohngemeinschaft wird gemeinsam gekocht, gelacht und geweint. Mittwochs frühstücken Betreuer und Bewohner zusammen. Auch solche Ereignisse sollen den Frauen eine Tagesstruktur geben. Neben der professionellen Betreuung durch die „Wabe“ und „Hausmutter“ Elli Rummel helfen sich die Frauen vor allem gegenseitig. „Natürlich gibt es auch schon mal Zickenterror“, erzählt eine Bewohnerin, „aber wir sind alle Freundinnen und unterstützen einander“.

Trotz der guten Stimmung im Haus wollen alle Bewohnerinnen eines Tages wieder auf eigenen Beinen stehen. Einige von ihnen arbeiten momentan daran Krankheiten zu überwinden, Scheidungen durchzustehen oder einen Job zu finden. Das Ziel ist immer gleich: eine eigene Wohnung und einen eigener Haushalt.

Auf 200 Quadratmetern hat nun jede der sieben Frauen ein eigenes Zimmer. Es gibt eine tolle neue Küche und einen Garten. Trotzdem liegt der Mietpreis nicht über der vom Jobcenter angelegten Höchstgrenze und ermöglicht so einen problemlosen Bezug.

Einziges Aufnahmekriterium: der Wunsch, das Leben konstruktiv selbst in die Hand nehmen zu wollen. Schiffers betont, dass sie „mit den und nicht für die Frauen arbeitet“, und erfreut sich deshalb bei den Bewohnerinnen größter Beliebtheit.

Das System der Wohngemeinschaften ist in Aachen nicht neu, allerdings gibt es nun die erste für wohnungslose Frauen. Das „Full House“, wie die Bewohnerinnen es nennen, ist jedoch besetzt. Für die nahe Zukunft ist eine weitere Wohngemeinschaft für die gleiche Anzahl an Frauen geplant.

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