Aachen - Wohnen statt Wald in der „Südkurve“

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Wohnen statt Wald in der „Südkurve“

Von: Stephan Mohne
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Großbaustelle demnächst an der Reimser Straße? Das Gebiet rechts von der Straße sucht einen interessierten Investor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Südkurve“ – das klingt nach Fußballstadion. Doch „Südkurve“ bezeichnet in diesem Fall ein Projekt in der Siedlung Preuswald, bei dem neue Einfamilienhäuser und/oder Eigentumswohnungen gebaut werden sollen.

Der Name ist angelehnt an den Bogen, den die Reimser Straße an dieser Stelle macht. Diskutiert worden ist dies bereits vor rund anderthalb Jahren in Ausschüssen und Bezirksvertretung – einen Beschluss gab es nicht. Dann wurde es erst einmal still um die „Südkurve“. Bis vergangene Woche eine Ausschreibung im Internet auftauchte. Darin bietet die Stadt auf ihrer Homepage ein 1,2 Hektar (12.000 Quadratmeter) großes Grundstück an. Man beabsichtige „die bauliche Erweiterung der bestehenden Siedlung Preuswald“, heißt es zum Zweck der Aktion. Investoren sollen dafür bis zum 23. Mai Angebote abgeben. Das Ganze hat nur einen Haken: Besagte 1,2 Hektar sind keine Brache, sondern Waldfläche, die erst einmal abgeholzt werden muss, bevor die Bagger anrücken.

Sucht man nun in Ausschussunterlagen nach einem Hinweis auf diese ganz konkrete Umsetzung der damaligen Idee, so sucht man zumindest im öffentlichen Bereich vergebens. Da taucht der Begriff „Südkurve“ zuletzt vor weit mehr als einem Jahr auf, als grundsätzlich über Problemlösungen für den Preuswald diskutiert wurde. Eine Erweiterung war Bestandteil einer 2011 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, die nach einer Zukunftswerkstatt mit Bewohnern des Preuswalds in Auftrag gegeben worden war. Beschlossen hat die Politik den nun anstehenden Verkauf an einen potenten Bauherren XY dennoch. Allerdings hinter verschlossenen Türen bei einer Sondersitzung des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses Anfang April. Dieser Beschluss fiel nach AZ-Informationen einstimmig. Hinter den Überlegungen steht, dass neue Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen „frisches Blut“ und damit mehr Leben in die Siedlung bringen sollen.

Derjenige, der den Zuschlag erhält, hat allerdings noch einiges zu beachten und muss nach dem Kauf in einem „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ darlegen, was er dort so zu bauen gedenkt. Im Flächennutzungsplan ist das Gelände zudem als „Fläche für Forstwirtschaft“ ausgewiesen. Einer Änderung muss die Bezirksregierung Köln zustimmen. Ihr Plazet für die „Waldumwandlung“ muss zudem die Untere Forstbehörde in Hürtgenwald geben, heißt es in der Ausschreibung. Der Investor muss zudem 220.000 Euro dafür auf den Tisch legen, dass die Stadt die verlustig gegangenen Bäume irgendwoanders wieder aufforsten kann. Ein neuer Kanal muss ebenfalls her.

Entsetzt über das Vorhaben ist man unter anderem beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Wie dessen Geschäftsführer Manfred Aletsee sagt, habe es keinerlei Vorabinformation gegeben. Die Naturschutzverbände seien nicht beteiligt worden. Dabei handele es sich um einen Wald mit rund 60 Prozent Laubbaumanteil und um eine wichtige Pufferzone zum benachbarten Naturschutzgebiet Bildchen.

Für Volker Dohms wird „ein wichtiges Stück Natur für immer zerstört“. Der emeritierte Professor für Theoretische Physik wohnt selber im Preuswald und organisiert für den Nabu den Kampf gegen die Springkrautplage im Aachener Wald. Eine Aufwertung des Preuswalds sei sicher nötig. „Aber das kann man doch nicht auf Kosten der Allgemeinheit machen“, ärgert er sich. Vielmehr müsse der Preuswald erst einmal im Bestand auf Vordermann gebracht werden, anstatt nun Wälder abzuholzen: „Die Siedlung ist nicht dadurch zu retten, dass man ein Waldstück zubetoniert“, so Dohms. Man müsse „alle Anstrengungen unternehmen, um das zu stoppen“. Er habe bereits einen Brief an die Bürger-initiative Preuswald geschrieben.

In politischen Reihen heißt es, die Fläche sei bereits deutlich verkleinert worden – von rund 2,3 auf eben 1,2 Hektar. Das liegt allerdings daran, dass das Waldstück wegen zu feuchter Böden nicht in der ursprünglich angedachten Größenordnung bebaubar ist. Eine zweite einst angedachte und vormals von Orkan „Kyrill“ arg zerzauste Waldfläche im nördlichen Bereich nahe Maria im Tann ist derzeit nicht ausgeschrieben. Hier sind zumindest die Grünen gegen eine Bebauung.

Die „Preuswald-Aufwertung“ – so sich ein Käufer findet – wird indes einen der Stadt sicher sympathischen „Nebeneffekt“ haben. Die aktuelle Bodenrichtwertkarte weist für Preuswald-Süd einen Grundstückspreis von 270 Euro pro Quadratmeter aus. Das wären hochgerechnet auf 12.000 Quadratmeter über drei Millionen Euro.

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