Wohncontainer im Hochschulviertel: „Jagd“ ist beendet

Von: Marie Eckert
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Was muss getan werden, damit junge Menschen auch nach dem Studium in Aachen bleiben? Die Architekten Marlies Vermeulen und Remy Kroese haben nachgefragt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Marlies Vermeulen und Remy Kroese waren Teil eines ungewöhnlichen Projekts in Aachen und wohnten an einem ungewöhnlichen Ort. Das junge niederländische Architektenpaar lebte in den vergangenen zweieinhalb Monaten in einem Wohncontainer auf dem Republikplatz und trieb von dort aus eine Bürgerbeteiligung an, die etwas anders als gewohnt ist.

Allgemein ging es darum, das Verhältnis von Stadt, Universität, Bürgern und Studenten zu untersuchen. Beauftragt wurden die beiden von der Stadt – vor allem im Hinblick auf die geplante Erweiterung des Campus West und der Neugestaltung des Westbahnhofs.

„Dear Hunters“ heißt das Projekt, das nicht nur in Aachen, sondern auch in Maastricht, Lüttich und weiteren Städten von Vermeulen und Kroese realisiert wird. Wie Jäger haben sich die beiden an ihre Umgebung angepasst und die Zielgruppe, vor allem Studenten, beobachtet und miteinbezogen.

Und das sah so aus: Seit Ende April sind die Architekten mit Aachener Studenten mitgegangen und mitgeradelt – auf Spaziergänge, zur Uni, zum Mittagessen oder in die Kneipe. „Wir waren keine externen Beobachter, sondern Akteure wie all die anderen Studenten auch und haben uns von ihnen die Plätze zeigen lassen, die ihnen wichtig sind“, erklärte Vermeulen.

In ihrer Abschlusspräsentation war die zentrale Fragestellung: Wie nehmen die Studenten die Stadt wahr und nutzen sie und wie können wir daraus lernen und zukünftige Entwicklungen verbessern? Generell, so Vermeulen, ginge es darum, Probleme aufzudecken und Möglichkeiten zur Verbesserung anzubieten. Wie kann man zum Beispiel dafür sorgen, dass Bürgerbeteiligungen auch in Zukunft bei den Studenten ankommen und sie sich aktiv für die Stadt einsetzen und Aachen möglicherweise nicht nur als „Durchreiseort“ fürs Studium ansehen, sondern bleiben?

Zunächst einmal fertigten Vermeulen und Kroese insgesamt 131 Zeichnungen von ihren Ausflügen mit Studenten an, auf denen die markantesten Punkte markiert waren. Typischerweise führten sie die Architekten zur Pontstraße, zum Super C, zur Mensa, zum Dom und zum Rathaus. „Allerdings ist uns auch aufgefallen, dass die Studenten die grüne Umgebung Aachens außerhalb der Innenstadt als großen Vorteil ansehen“, betonte Vermeulen.

Zum Westpark, zu den Hängematten am Lousberg, nach Laurensberg und sogar zu einem Tagesausflug in die Eifel haben Studenten die beiden Architekten mitgenommen. Basierend auf ihren Erlebnissen und auf Aussagen der Studenten leiteten sie daraufhin einige Thesen ab. Beispielsweise, dass Studenten sich sehr wohl in der Stadt und mit deren Geschichte auskennen, sie sich nicht als Bürger Aachens akzeptiert fühlen, sondern eben „nur“ Studenten der RWTH sind. Daraus stellte sich das Architektenpaar die Frage: Für wen ist die Stadt Aachen eigentlich – für die Verwaltung, Bürger, Studenten oder vielleicht für alle?

„Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt, dass die Studenten sich nicht als Bürger akzeptiert fühlen“, stellte Kroese heraus. „Wir haben sehr viel Positives über die Stadt gehört, die Studenten mögen Aachen, aber fühlen sie sich auch zu Hause?“ An dieser Stelle müsse man ansetzen und überlegen, wie man die jungen Leute ansprechen und mehr einbringen könne.

Vermeulen sieht das Problem vor allem bei administrativen Hürden: „Es muss für alle so leicht wie möglich sein, etwas zu organisieren oder eine gute Idee umzusetzen.“ Und um es mit den Worten der Architektin zu sagen: „The challenge is now to the city“, also: „Nun ist die Stadt gefordert.“

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