Aachen - Wohin steuert das Flaggschiff Kultur?

Wohin steuert das Flaggschiff Kultur?

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Was – und vor allem wie viel – ist die kulturelle Vielfalt in Aachen wert? Beim Forum unserer Zeitung am 28. November spüren Kunstschaffende aller Sp(iel)arten, Politiker und AZ-Leser dieser Frage gemeinsam nach. Collage: Horst Thomas

Aachen. An der Schwelle zur Kunst reichen sich Frust und Freude die Hände. Auch und gerade in der stolzen Kaiser- und Europastadt ist das so, seit gefühlten Ewigkeiten. Deshalb bittet die AZ am 28. November Kulturschaffende, Politiker und Organisatoren der freien und institutionalisierten Szene zur Diskussion. Preisfrage: Wie lässt sich die kreative Vielfalt der Stadt angesichts massiver Sparzwänge erhalten und noch verbessern?

Schon morgen Mittag, 12 Uhr, kann man das leidige Dilemma jüngster Debatten wieder exemplarisch erleben. Im Ludwig Forum wird die erste umfassende Retrospektive zum Werk der US-Künstlerin Nancy Graves eröffnet. Also nichts wie rein in die alte Schirmfabrik – das trostlose Ambiente im Vorhof sollte die Gästeschar nämlich so flott wie möglich hinter sich lassen.

Außen pfui, innen hui – der brandaktuelle Streit um die Neugestaltung des Forum-Entrees ist kennzeichnend für die komplizierten Befindlichkeiten, Konflikte und Sachzwänge in Sachen kommunale Kultur(förderung). Dass es dabei auch und vor allem um Geld geht, liegt auf der Hand.

Neue Schwerpunkte gefragt?

Nancy Graves‘ berühmte Kamel-Skulpturen, die im Forum seit Jahr und Tag auch vom legendären Lebenswerk eines gewissen Sammler-Ehepaars Ludwig künden, kennt freilich so ziemlich jeder. Ihre stumme Botschaft könnte, wer sich traut, auch wie folgt interpretieren: Kunst trägt (fast) alles, aber sie ist eine haarige Angelegenheit.

Sie kann ungeahnte Durststrecken überstehen – wie die freien Initiativen, die heute keinen Cent mehr Förderung erhalten als vor zehn Jahren. Irgendwann freilich müssen die Tröge gefüllt werden. So dürfte die Debatte über den Stellenwert der weichen Standortfaktoren im Endspurt Richtung Karlsjahr 2014 mit neuer Vehemenz geführt werden.

Weil das gut und richtig ist, will die AZ noch ein wenig mehr Öl ins Feuer der Diskussion gießen. Mit der Bitte um konstruktive Antworten, versteht sich. Müssen unabhängige Initiativen mehr Mittel erhalten, wenn sie ihrem Stellenwert in der regionalen Rezeption weiter gerecht werden wollen?

Muss die öffentliche Hand angesichts knapper Kassen neue Schwerpunkte zugunsten einzelner Sparten setzen – wie der ehemalige Dezernent Wolfgang Rombey es gefordert hat? Ist die Kulturszene als wichtiges Flaggschiff im Spannungsfeld von wirtschaftlichem Aufbruch (Stichwort Campus) und historischem Anspruch (Stichwort Karl) zur massiven Schlagseite zugunsten „etablierter“ Einrichtungen verdammt? Gerade einmal rund 300.000 Euro stellt die Stadt derzeit für rund 40 freie Initiativen bereit – weniger als ein Prozent des Gesamtetats für Kultur.

Was lernen die Verantwortlichen aus Fehlern der Vergangenheit – muss die Museumslandschaft neu gebündelt werden, ist ein Kraftakt in Sachen Konzerthalle doch noch möglich? Wie kann das Theater auf Erfolgskurs bleiben, wenn, zum Beispiel, der Traum vom kommunalen Kino in Erfüllung gehen soll? Was kann und muss der/die neue Kulturdezernent/in in diesem Sinne bewirken?

Was findet er/sie vor? Jedenfalls eine lebendige Stadt, die es bleiben will – und viele Menschen, die dazu mit ihren Ideen beitragen wollen. Zumindest dies sei mit Blick aufs AZ-Forum am 28. November schon jetzt versprochen.

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