Wochenmarkt: Stadt kramt die Plätze um

Von: Robert Esser
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Ausnahme: Donnerstags sollen – gegebenenfalls – fünf Händler weniger auf den Markt. Foto: Steindl

Aachen. Von faulen Kompromissen hält ein Obsthändler natürlich nichts. Fruchtbare Zusammenarbeit, sagt Bernd Krämer, die müsse wachsen. Dabei beackert der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Aachener Wochenmarktbeschicker gerade ein besonders schwieriges Feld.

Bis Montag, 14. September, läuft die Bewerbungsfrist für Händler, die in den kommenden drei Jahren auf dem Markt vor dem Rathaus ihre Waren verkaufen wollen. Die Herausforderung: Für die Wochenmärkte an Dienstagen und Donnerstagen will die Stadt ab 1. Oktober 25 Standplätze neu vergeben – bislang fanden donnerstags aber 30 Händler Platz. Das sorgt für Unruhe.

Fünf Händler sollen nur eine sogenannte „Sekundärzuweisung“ erhalten. Hintergrund: Wegen Veranstaltungen in und vor dem Rathaus musste die Marktkapazität in der Vergangenheit häufig verkleinert werden. Verkaufsflächen wurden beschnitten – zum Beispiel weil Bühnen für Wochenend-Events aufgebaut wurden. „Dies hatte bislang zur Folge, dass der gesamte Wochenmarkt dann in Richtung Elisenbrunnen umzog“, teilt die Stadt mit. Diese Umzüge will sie künftig möglichst vermeiden.

Im Grunde stehen also alle auf derselben Seite: „Wir haben großes Interesse daran, den Wochenmarkt am Dienstag und Donnerstag regelmäßig als attraktiven Anziehungspunkt direkt und zentral vor dem Rathaus anzubieten“, stellt Oberbürgermeister Marcel Philipp klar.

„Es geht um Existenzen“

Bloß: Welche fünf Händler sollen – gegebenenfalls – in den sauren Apfel beißen und in solchen Fällen außen vor bleiben? „So ein Ausschlussprinzip stiftet Unfrieden“, sagt Krämer auf Anfrage der Aachener Zeitung. „Das würde die Marktgemeinschaft auseinanderreißen.“ 50 Firmen sind auf den insgesamt zwölf Wochenmärkten – inklusive Walheim, Brand, Frankenberger Viertel etc. – jede Woche unterwegs. Wobei die Marktbeschicker kaum Einfluss auf die Händlerauswahl haben.

Die Stadt vergibt die Standplätze für die drei Warengruppen „Lebensmittel“, „Blumen und Pflanzen“ sowie „Imbiss/Bistro“ nach den Kriterien „Zuverlässigkeit der Bewerber“ und „Qualität der Ware“. „Bei gleicher Eignung würde zunächst das Los über die Vergabe der 25 Standplätze entscheiden“, erklärt die Stadt. Und: „Nach diesem Verfahren würden bei entsprechend gleicher Eignung danach auch die fünf zusätzlichen Standplätze für den Donnerstagmarkt vergeben.“ Diese würden dann bei Platzmangel vom Markt gekegelt. „Da geht es um Existenzen, das kann man so nicht machen“, betont Krämer.

In einem persönlichen Gespräch mit dem OB sei die Problematik gerade erst besprochen worden. Philipp hat großes Interesse an dem Wochenmarkt vor dem Rathaus. „Wenn wir auf den Jahreskalender blicken, ist es vielleicht eine Handvoll an Terminen, bei denen tatsächlich die Regelung greift, wonach fünf Stände wegen Veranstaltungen weichen müssten“, sagt der OB. „Eigentlich sind an fast allen Markttagen auch alle 30 Stände weiterhin zugelassen.“ Zu Ausnahmezeiten, in denen der Markt zum Elisenbrunnen umzieht, seien ja ohnedies alle Händler betroffen – zum Beispiel in der Weihnachtsmarktzeit.

Philipp wünscht sich – im Sinne der Kunden, der zentralen Innenstadtlage und auch im Sinne der Händler – einen hochattraktiven Wochenmarkt. Und er sorgt sich ein wenig um die Qualität, entdeckt auch, dass immer wieder – so etwa am gestrigen Dienstag wie auch in den letzten Wochen – einige Standplätze frei bleiben. „Wir sollten die Chance nutzen, gemeinsam den Wochenmarkt vor dem Rathaus wieder zu einem Magneten zu machen.“ Faule Kompromisse mag Philipp nämlich ebenso wenig.

Natürlich weiß Krämer aus über 40-jähriger Erfahrung um die Bedeutung des Markt-Standorts. Die fliegenden Händler ziehen Kunden, die gleichzeitig den stationären Einzelhandel im Umfeld ankurbeln. Für benachbarte Restaurants und Cafés gilt das genauso. Deshalb will Krämer auch die von der Politik angestoßene Idee eines „Feierabendmarktes“ nur im Schulterschluss mit der ansässigen Gastronomie verfolgen. „Gegeneinander läuft gar nichts“, sagt Krämer. Das heißt: Gastronomen müssten einen Feierabendmarkt als Belebung der Altstadt befürworten – und nicht als Beschneidung ihrer Außengastronomie ablehnen. Im Gespräch ist der Feierabendmarkt donnerstags von 17 bis 21 Uhr. „In Köln ist das ein riesiger Erfolg. Ich glaube, dass Aachen von so einem Treffpunkt – etwas weniger traditioneller Wochenmarkt, etwas mehr Kulinarik – profitiert“, so der IG-Chef.

Im Mittelpunkt aller Überlegungen müsse die Aufwertung des Marktplatzes stehen. „Da wäre der ÖPNV-Anschluss mit einer Bushaltestelle auf dem Markt unser wichtigstes Anliegen“, sagt Krämer. Was sicher Früchte tragen würde.

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