Wo Menschen mal ganz unspektakulär zueinander finden

Von: Ines Kubat
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„Wir alle – gemeinsam leben am Westpark“: A.M. Can (Künstlerin, 2.von links), Sibylle Keupen (Bleiberger Fabrik, 3. von links), Rebecca Dufke (Wir alle - Gemeinsam leben am Westpark, 2. von rechts) haben mit den Anwohnern das Gemeinsame praktiziert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Beim tiefen Rauschen der großen Laubbäume, zwischen schnellen Joggern, gemütlichen Spaziergängern, und den bolzenden Jungs auf der Wiese – der zweite Kreativtag im Westpark.

Und das mit nur ein paar Tischen und Bänken zum Malen und Essen: Keine große Bühne, keine riesigen Ankündigungsplakate und keine besondere Show versprachen die Veranstalter, die Initiative „Wir alle – gemeinsam leben am Westpark“.

Berührungspunkte zu schaffen, ist eins der großen Ziele der Initiative, die sich seit einem Jahr um Inklusion im Stadtteil West bemüht. Entstanden ist das Projekt unter Förderung der Aktion Mensch Initiative aus dem Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte in Aachen. Die Bleiberger Fabrik und Aachen Fenster haben sich dann als Kooperations-Vereine bald angeschlossen.

Idealer Anziehungspunkt

Gemeinsam habe „Wir alle“ im Rahmen der Ideenfindung das Quartier des Aachener Westens „künstlich kreiert“, da es keine natürlichen Grenzen gäbe, so Rebecca Dufke, Projektleiterin der Initiative. Mittelpunkt sei ganz bewusst der Westpark durch seine zentrale Lage innerhalb vieler Institutionen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Aber auch weil er mit seinen großen Grünflächen vor allem im Sommer ein Anziehungspunkt für viele Menschen ist, eigne er sich ideal als Ort der Begegnung für die Initiative. Und die erfreue sich immer mehr Bekanntheit, bestätigt Dufke.

Das liegt zum einen daran, dass „Wir alle“ von Workshops, über eine Malwerkstatt bis hin zu Sport- und Kulturangeboten immer häufiger Aachener mit und ohne Handicap im Alltag zusammenbringe.

Zum anderen ist die Initiative bemüht, mit möglichst vielen Menschen Ideen zur Verbesserung des gemeinsamen Lebens in Aachen West zu sammeln. Diese Verbesserung zielt darauf ab, einfache Wege zu finden, Menschen mit Behinderung, die am normalen Leben teilhaben wollen, aus der Isolation zu befreien und andererseits direkte Berührungspunkte mit Bürgern ohne Behinderung zu schaffen.

Und genau solch ein direkter Berührungspunkt war der Kreativtag. Denn jeder Besucher hatte die Möglichkeit, mit der Textilkünstlerin A.M. Can von der Bleiberger Fabrik sein kreatives Talent zu erproben: Und so flatterten schon bald zahlreiche bunt bemalte Flaggen an den Stämmen der großen Bäume.

Ob künstlerische Motive und Muster, oder Verbesserungsvorschläge für das Viertel – so ist das Überbleibsel des Nachmittags sicherlich noch länger ein Blickfang für die Parkbesucher. Mit dieser kleinen Aktion wollten sie sprichwörtlich „Flagge zeigen“, schmunzelt Sibylle Keupen von der Bleiberger Fabrik.

Nachhaltige Wirkung

Eine nachhaltige Wirkung der Initiative erhofft sich auch Annika Kaune, die sich bei „Wir alle“ ebenfalls engagiert: „Wir sind zwar gehandicapt, aber wir kriegen auch was zu Stande“, sagt sie stolz und wünscht sich gleichzeitig, dass mehr gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Behinderung entstehe. „Denn ich möchte auch was erleben“, so Kaune. Sie wünsche sich vor allem, dass Menschen ohne Behinderung die Scheu verlieren und sich trauen, sie anzusprechen und damit einmal nicht sie selbst den ersten Schritt machen müsste.

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