Aachen - Wo kaum einer wählt, räumen die Rechten Stimmen ab

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Wo kaum einer wählt, räumen die Rechten Stimmen ab

Von: Robert Esser
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Aachen. 14 kleine Kreuzchen fehlten dem gescheiterten OB-Kandidaten Björn Jansen zum Schluss. Dann hätte er zumindest seinen Wahlbezirk St. Jakob gewonnen und wäre über dieses Direktmandat – und nicht über die SPD-Reserveliste – in den Stadtrat eingezogen.

Wenn schon nicht Oberbürgermeister, dann doch zumindest gestärkter Ratsherr. Doch 1121 Wähler entschieden sich für CDU-Neuling und Partei-Schatzmeister Dieter Claßen (28,51 Prozent); Jansen holte 1108 Stimmen (28,18 Prozent).

Auch anderswo hatten die CDU-Kandidaten nur ganz knapp die Nase vorne: Auf Uschi Brammertz entfielen in Rothe Erde nur drei Stimmen mehr (571) als auf den SPD-Kandidaten Lothar Lippert (568). Im Panneschopp errang CDU-Ratsherr Friedrich Beckers (470) das Direktmandat. SPD-Newcomerin Sevgi Sakar ging mit nur 18 Stimmen weniger leer aus. Umgekehrter Fall: Ein Plus von 9 Stimmen reichte SPD-Politiker Norbert Plum (530) zum Sieg vor Sebastian Exner (521/CDU). Von 32 Wahlbezirken gingen 28 an die CDU, vier an die SPD. In Frankenberg landete die (ehemalige) CDU-Fraktionschefin Maike Schlick mit 22,32 Prozent hinter SPD-Chef Karl Schultheis (29,62 Prozent) und dem Grünen Jochen Luczak (24,17 Prozent) sogar nur auf dem dritten Rang. Sie scheidet aus dem Stadtrat aus, während ihr parteiinterner Kontrahent Harald Baal drin bleibt (siehe oben).

Dass die rechtsextreme Partei Pro NRW 1147 Stimmen (1,13 Prozent) erzielte und mit Wolfgang Palm erstmals einen Platz im Aachener Stadtrat besetzt, liegt auch an der dramatisch niedrigen Wahlbeteiligung. Beispiel Hüttenstraße im Aachener Osten: Nur 20,7 Prozent der Wahlberechtigten fanden den Weg zur Urne – stadtweiter Minusrekord. Pro NRW holte dort 4,3 Prozent. Oder die Untere Heckstraße: Bei 32 Prozent Wahlbeteiligung kletterte Pro NRW auf 4,7 Prozent. In Brand (2,64 Prozent) und Eilendorf (2,24) schnitten die Rechten besonders stark ab.

Die Alternative für Deutschland (AfD) profitierte noch stärker. 2572 Stimmen (2,54 Prozent) verschaffen den Europa-Kritikern zwei Ratssitze. Am Eisenbahnweg (Wahlbeteiligung 24,2 Prozent) kamen sie auf sensationelle 17,19 Prozent der wenigen abgegebenen Stimmen. In Nütheim-Schleckheim machten gut 8 Prozent der Wähler ihre Kreuzchen bei der AfD.

Genau dort verlor die CDU gleichzeitig gut 9 Prozent ihrer Wähler, in Lichtenbusch 11,3 Prozent. Ihre schlechtesten Resultate fuhren die Christdemokraten in der Mittleren Bismarckstraße (17,46 Prozent) und der Hein-Janssen-Straße (17,85) ein. Absolute Mehrheiten für die CDU sicherten die Briefwähler in Steinebrück (55,2 Prozent) und Vaalserquartier/Orsbach (51,9 Prozent) sowie die Unionsanhänger am 1.-Rote-Haag-Weg, in Diepenbenden und an der Laurentiusstraße. Unterm Strich wählten am Sonntag 36 872 Menschen CDU (36,34 Prozent) – das waren gerade mal 389 Stimmen (1,4 Prozent) weniger als bei der Kommunalwahl 2009.

194 455 Aachener über 16 Jahre waren 2014 wahlberechtigt, 6337 mehr als vor fünf Jahren. Somit sank die Wahlbeteiligung insgesamt von 53,47 auf 52,73 Prozent – obwohl 102 544, und damit gut 2200 Menschen mehr als 2009, den Urnengang antraten. Statistisch kurios: Die SPD zählte zwar 26 382 Wähler – 272 Kreuze mehr als vor fünf Jahren –, verlor aber prozentual 0,44 Punkte (26 Prozent). Klare Niederlage indes bei den Liberalen: Die FDP überzeugte nur 4523 Anhänger – 2882 weniger als 2009, minus 2,5 Prozentpunkte.

Die Grünen mussten in Hochburgen herbe Verluste einstecken: minus 10,65 Prozent in der Charlottenstraße, minus 8,27 in der Bismarckstraße, minus 9 bei der Briefwahl Frankenberg. Dort hatte es in der vergangenen Ratsperiode unter anderem Kritik am Anwohnerparken gegeben. Trotzdem: In der Frankenberger Straße schafften die Grünen mit 30,05 Prozent ihr bestes Resultat, gefolgt vom Steppenberg (29,78). Letztlich wählten gut 2000 Wähler weniger als 2009 grün: 16 778 Kreuzchen ergaben 16,77 Prozent.

Die Linke mobilisierte 6170 Wähler (6,08 Prozent), 2097 Menschen mehr als 2009, viele davon im Ostviertel. Fast genauso viele gewannen die Piraten: Sie konnten ihr Wahlergebnis mehr als verdoppeln. 3501 Wähler reichten für 3,45 Prozent und dank Ausgleichsmandaten statt vormals nur einem nunmehr für drei Ratssitze. In der Nizzaallee und Teilen der Roermonder Straße wählten über zehn Prozent die Piraten – klassische Studentenwohnviertel. Übrigens: Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnet Richterich: 62,3 Prozent.

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