Wo Fördergeld in Gärten und Höfe fließt

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Schönheitskur für triste Hinterhöfe, Gärten und Fassaden. Foto: Harald Krömer
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Christiane Schwarz (von links), Sabine von den Steinen („altbau plus“), Baudezernent Werner Wingenfeld und Hausbesitzer Dr. Joachim Habers stellten ein neues Förderprogramm für das Projekt „Soziale Stadt Aachen-Nord“ vor. Insgesamt können Hausbesitzer und Mieter dabei 100.000 Euro abrufen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein großer Teil des Innenhofs des Hauses Jülicher Straße 77 ist mit Fliesen versiegelt, darauf ein schmierig-rutschiger Film aus Moos und Dreck. Um ihre Fahrräder trocken und diebstahlsicher abzustellen, müssen die Bewohner über diesen Hof, ein schmale Treppe hoch, um zu einem Schuppen zu kommen.

Im höher gelegenen Teil des Hofes sprießen zahllose Schneeglöckchen aus einem verwilderten Beet. Ein halb verfallenes Gartenhäuschen bekommt auch noch ein bisschen Platz. Die 60 Quadratmeter Freifläche haben durchaus ihren Charme, könnten eine Aufwertung aber durchaus gebrauchen.

Das findet auch Hausbesitzer Dr. Joachim Habers: „Im Sommer spielt sich hier viel unseres nachbarschaftlichen Zusammenlebens ab.“ Er hat seinem Vater das Elternhaus 2013 abgekauft. Neben Habers und seiner Lebensgefährtin sowie seinem Vater leben hier auch noch neun Mieter, überwiegend Studierende. Da kommt ihm ein neues Förderprogramm der „Sozialen Stadt Aachen-Nord“ gerade recht. 100.000 Euro geben Bund, Land und Stadt, um Innenhöfe, Gärten und Fassaden in dem Gebiet zwischen Berliner Ring und Hansemannplatz zu verschönern. Voraussetzung ist mindestens eine der drei Ausrichtungen: Verbesserung von nachbarschaftlicher Gemeinschaft, nach außen sichtbare Attraktivitätssteigerung und ökologische Verbesserung. Wohnumfeldverbesserung heißt das im Amtsjargon.

Bei Habers sieht Sabine von den Steinen – sie ist bei „altbau plus“ vor allem für energieeffiziente Sanierung, aber auch für die Beratung für Wohnumfeldverbesserung in Aachen-Nord und Bewilligung der Fördergelder zuständig – gleich zwei der drei möglichen Ausrichtungen gegeben. „Ein Fahrradstellplatz und Sitzgelegenheiten betreffen die Gemeinschaft, ein Aufbrechen der Fliesen oder eine Begrünung der Mauer zum Nachbarn ist von ökologischem Mehrwert.“ Durch eine Entsiegelung könnte Habers vor allem auch sein Problem bei Starkregen in den Griff bekommen. Dann ist nämlich gern mal Land unter in den unteren Etagen des 110 Jahre alten Wohnhauses.

Es gibt also viele Gründe, sich dem Innenhof zu widmen. Von den Steinen kann sich ohnehin ganz viele Ideen vorstellen, die förderungswürdig sind – natürlich nicht nur bei Habers: „In bestimmten Fällen können wir auch künstlerische Fassadengestaltungen unterstützen. Dachbegrünungen sind denkbar und alles, was eine Nachbarschaft enger zusammenwachsen lässt wie Sitzgruppen und Beetgestaltung.“ Angesprochen sind dabei Eigentümer genauso wie Mieter, die ebenfalls mit Einverständnis des Vermieters Anträge stellen können. Auch bei der Stadt begrüßt man das Programm: „Auch mit kleinen Maßnahmen lassen sich die Gestaltqualität und der Nutzwert verbessern. Wir wollen die verborgenen Schätze heben“, sagt Baudezernent Werner Wingenfeld.

Die Regeln sind dabei allerdings fast genauso kompliziert, wie die Gestaltungsideen kreativ sein können. Deshalb rät von den Steinen zu einem direkten Kontakt (siehe Kasten) mit ihr, um die Möglichkeiten auszuloten. Grundsätzlich gilt aber: Die Umsetzung der Maßnahme darf erst nach Antragsbewilligung beginnen und hat eine Bindung von zehn Jahren, 50 Prozent der Kosten sind über die Fördermittel abzudecken, die Fördersumme ist gestaffelt nach der Anzahl der abgedeckten Ausrichtungen und nach Flächengröße, die sich allerdings aus Boden, Wänden und Dachflächen zusammenrechnen darf. Maximal sind 7000 Euro drin.

Und wer kommt, mahlt zuerst. „Wir können so lange bewilligen, wie Fördergeld da ist“, erläutert von den Steinen. Da sprießen die Ideen von Habers schon fast so wie die Schneeglöckchen in seinem Innenhof.

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