Aachen - Wo droht Hausbesitzern der Kanal-TÜV?

Wo droht Hausbesitzern der Kanal-TÜV?

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wer guckt in die Röhre? Nachdem die rot-grüne Landesregierung den umstrittenen Kanal-TÜV für Nordrhein-Westfalen abgesegnet hat, drohen möglicherweise tausenden Aachener Hauseigentümern kostspielige Abwasserrohrprüfungen.

Der Grund: Über die Wasserschutzgebiete hinaus darf die Kommune künftig per Satzung weitere Schutzgebiete ausweisen. Und hier ist die Kur- und Bäderstadt Aachen in einer besonderen Situation. Über 30 Thermalquellen treten aus zwei tief im Boden verborgenen Kalksteinzügen an die Oberfläche.

Ein Quellzug erstreckt sich quer durch die Aachener Innenstadt. Er ist 500 Meter lang und 50 Meter breit. Ein zweiter Quellzug liegt unter Burtscheid und misst 2200 Meter Länge. Die in Sachen Thermalwasser besonders schützenswerten Bereiche an der Oberfläche grenzen Fachleute dann allerdings erheblich großzügiger ein.

Bislang vier Schutzgebiete

Bislang zählen diese Thermalwasserbereiche nicht zu den vier Aachener Wasserschutzgebieten. Ausgewiesen sind bislang: Reichswald (am Rande Haarens), Eicher Stollen (Oberforstbach/Hitfeld), Brandenburg (bei Lichtenbusch) und Schmithof. Hier müssen private Abwasserrohre von Häusern, die vor 1965 gebaut wurden, auf jeden Fall bis 2015 geprüft werden – neuere Gebäude bis zum Jahr 2020.

Die Stadt könnte nun zusätzliche Zonen ausweisen. „Uns liegt der Gesetzestext noch nicht vor. Wir werden einige Tage benötigen, bis wir die neue Gesetzeslage und mögliche Konsequenzen einschätzen können“, sagt Rita Klösges vom Presseamt auf AZ-Anfrage. Aber sie fügt ausdrücklich hinzu: „Generell gilt, dass die Aachener Thermalquellen einen besonderen Stellenwert haben. Die Verwaltung verfolgt das Ziel, die Thermalquellenzüge den Wasserschutzgebieten gleichzustellen.“

Eine entsprechende Satzungsänderung müsste allerdings erst vom Stadtrat beschlossen werden. In der Praxis würde der Schutz der Thermalquellen-Areale wohl niemals auf die strengen Reglementierungen in den Kernzonen der Wasserschutzgebiete hinauslaufen. Durchaus denkbar ist allerdings, dass Hauseigentümer in der Innenstadt und in Burtscheid, wo die Gebäude über den Quellzügen stehen, zum Kanal-TÜV verpflichtet würden. Diese Dichtigkeitsprüfung per Video-Kamera oder Überdrucktechnik soll pro Hausanschluss zwischen 300 und 600 Euro kosten.

Mit erheblich höheren Rechnungen rechnet der Geschäftsführer des Hauseigentümerverbandes „Haus & Grund“ in Aachen, Tobias Hundeshagen. „In innerstädtischen Bereichen sind diese Kanal-Prüfungen erfahrungsgemäß erheblich teurer“, erklärt er. Hundeshagen schätzt die Analysekosten pro Gebäude auf bis zu 1500 Euro – ohne etwaige Reparaturen undichter Rohre.

Insgesamt gibt es rund 75.000 Häuser in Aachen. Wie viele davon in möglichen neuen Schutzbereichen liegen, ist unbekannt. Hundeshagen will nun erstmal mit der Stadt ins Gespräch kommen, um mögliche Konsequenzen für Aachener Hauseigentümer auszuloten. Er betont: „Bislang hat sich die Stadt im Streit um den Kanal-TÜV sehr besonnen und bürgerfreundlich verhalten.“ So seien die Prüfungen bis zur endgültigen Klärung der Rechts- und Gesetzeslage ausgesetzt worden. „Mir ist bislang auch nicht bekannt, dass die Stadt diesbezüglich eine Verschärfung ihrer Satzung und Sonderregelungen für Quellengebiete anstrebt“, erläutert er.

Schon in der kommenden Woche will man sich an einen Tisch setzen. Sollte man zusätzliche Schutzgebiete ausweisen wollen, dürfte es erhebliche Gegenwehr der Immobilienbesitzer geben. Sie dürfen die Prüfkosten nicht auf ihre Mieter abwälzen. „Haus & Grund“ erwägt eine Klage gegen den umstrittenen Kanal-TÜV.

Entschieden hat die Kommune noch nichts. Die Stadtverwaltung will ihre Vorgehensweise erst intern abstimmen und Anfang März bekanntgeben. Dann wird beantwortet, wer in die Röhre guckt.

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