Aachen - Wo Clown auf Indianer trifft

Wo Clown auf Indianer trifft

Von: Mischa Wyboris
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Mehr als eine Märchenstunde: Brigitte Franzen, Torsten Thönis, Serap Güven und Regina Sommer (von links) erwarten beim 13. Internationalen Erzählfestival vier sagenhafte Tage. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Serap Güven kann viel erzählen, und das nicht nur, wenn der Tag lang ist. Die gebürtige Türkin ist in Deutschland aufgewachsen und lebt seit Jahren in Brüssel. Sie hat nicht nur viel zu sagen, sie hält auch viel von Sagen. „Unsere große Konkurrenz ist das Fernsehen”, sagt Güven. „Uns” - damit meint sie die „Zunft” der Erzähler, zu der sie gehört.

„Wir bekommen zu viele fertige Bilder vorgesetzt”, sagt die ausgebildete Schauspielerin und erklärt sich so, warum die Erzählkunst in Europa einen Aufschwung erlebe. Dazu passt das zum 13. Mal in Aachen stattfindende Internationale Erzählfestival, das vom 5. bis 8. November mit 14 Geschichtenkünstlern an fünf Orten aufwartet.

Genau genommen sind es noch ein paar Erzählstätten mehr: Noch vor der „Langen Nacht der Geschichten” im Ludwig-Forum am 6. November finden sich an den ersten beiden Tagen des Spektakels elf erlesene Erzähler in sieben Schulen im Aachener Kreis wieder.

In der „Schule des Hörens” gibt es keine Requisiten, keine Bühnenbilder, keinen speziellen Ort - nur die Geschichte, den Erzähler, den Zuhörer. „Fast 2000 Kinder werden das erleben, denn die Schulen haben umgedacht. Vor einiger Zeit waren noch viele überzeugt, dass die Schüler nicht mit Englisch und Französisch klarkommen”, sagt Regina Sommer, Initiatorin des Festivals.

Wenn die Profi-Erzähler ihre Geschichten aus der englischen, französischen, niederländischen oder türkischen Tradition zu Gehör bringen, „ist das wie Musik: Es geht gar nicht darum, alles zu verstehen”, sagt Güven. Auch nicht für das erwachsene Publikum, das unter den Künstlern zwei Barden, einen Clown und 4000 Jahre alte Erzählungen eines indianischen Geschichtenhüters erwartet.

Bei Deutschlands ältestem Festival - veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen - seiner Art habe „Erzählen auch viel mit bildender Kunst zu tun”, sagt Brigitte Franzen, Leiterin des Ludwig-Forums.

Kein fertig präsentiertes Produkt also; der Zuhörer macht sich sein eigenes Bild im Rahmen dieses „Pflänzchens der Renaissance”, wie Werbemanager Torsten Thönis die Veranstaltung unter dem Titel „Begegnungen” bezeichnet.

Ganz ohne vorgefertigte Bilder geht es aber offenbar auch im Leben eines Erzählers nicht. Ihren Fernseher benutze sie nie, erklärt Güven. Klar, das Fernsehen ist schließlich die große Konkurrenz. „Aber”, fügt sie hinzu, „mein Gatte ist Kameramann.”

14 Künstler aus zehn Nationen, darunter Clowns, Barden und Indianer, erzählen vom 5. bis 8. November Geschichten aus ihrer Heimat. Die fünf Erzählstätten sind das Ludwig-Forum, die City-Kirche St. Nikolaus, das Couven-Museum, die Barockfabrik und Gut Obermühle.

Der Kartenvorverkauf startet am 12. Oktober im AZ-Ticketshop in der Mayerschen Buchhandlung, Buchkremerstraße 1-7, 5101175. Infos zu Eintrittspreisen und Erzählzeiten im Internet.

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