Wo Bäume für die Stadt zu schnell wachsen

Von: Oliver Schmetz
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Klarer Fall von Wahrnehmungsstörung oder bloß eine Kommunikationspanne? „Die Äste sind noch einen Meter vom Haus entfernt“, teilt die Stadt der AZ zu dieser Situation in der Eilendorfer Lindenstraße mit, wo Anwohner Michael Nölle seit einem Jahr erfolglos um einen Rückschnitt der Linden kämpft – weil ihm die Äste fast ins Schlafzimmerfenster hineinwachsen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Manchmal hat es den Anschein, dass man in der Stadtverwaltung Dinge anders wahrnimmt als der ganz normale Bürger. Zum Beispiel was das Wachsen von Bäumen angeht. In diesem Fall stehen diese in der Lindenstraße in Eilendorf, und es handelt sich um – Linden. Das alleine wäre noch kein Problem, würden die drei Exemplare den Anwohnern nicht mittlerweile fast in ihre Häuser hineinwachsen.

Ein Rückschnitt wäre nicht schlecht, doch alle Versuche, den Stadtbetrieb dazu zu bewegen, blieben bislang erfolglos – was den betroffenen Anwohner Michael Nölle auf die Palme bringt: „Seit fünf Jahren wurde hier nicht mehr geschnitten“, beschwert er sich gegenüber unserer Zeitung, „bald habe ich den Baum in meinem Schlafzimmer.“

Alles halb so wild, heißt es dazu auf Anfrage unserer Zeitung zunächst einmal seitens der Stadt. Die Äste seien noch einen Meter vom Haus entfernt, weshalb kein Anspruch auf einen Rückschnitt bestehe, teilt Rita Klösges vom städtischen Presseamt nach Rücksprache mit dem Stadtbetrieb mit. Der Hinweis darauf, dass dies schlicht Unsinn ist – wie nebenstehendes Bild leicht belegt –, veranlasst Klösges allerdings zur erneuten Nachfrage und zur Korrektur. Diese Sicht der Dinge sei wohl schon „etwas älter“ und stamme wahrscheinlich aus dem Frühjahr – womit die Stadt den besagten Linden immer noch ein ausgesprochen rasantes Wachstum unterstellt.

Die Wahrnehmung der betroffenen Anwohner war nämlich auch da schon eine ganz andere. Denn nach einer Reihe erfolgloser Versuche, den Stadtbetrieb telefonisch zu mobilisieren, habe man bereits im Oktober vorigen Jahres schriftlich beim Stadtbetrieb um einen Baumschnitt gebeten, erzählt Nölle: „Damals reichten die Äste schon deutlich über die Dachrinne hinweg.“

Bloß: Auf eine Antwort musste man lange warten. Erst im März dieses Jahres kam ein knappes Schreiben, und in dem wurde auch nur mitgeteilt, dass das Ganze noch dauern würde. Weil es sich „in diesem Fall um ein grundsätzliches / planerisches Anliegen handelt“ – zur Erinnerung: Es geht um das Schneiden von Bäumen –, habe man den Fachbereich Umwelt hinzugezogen. Und man bitte um Verständnis, dass die Klärung der Angelegenheit „einige Zeit in Anspruch nehmen“ werde, teilte der Stadtbetrieb mit.

Anfang September war dann aber auch der letzte Rest an Verständnis aufgebraucht. „Wir werden einfach nur ignoriert“, beklagt sich Nölle, „und bei telefonischen Nachfragen immer nur vertröstet.“ Dass man keinen Anspruch auf einen Rückschnitt habe, weil die Äste noch weit von den Häusern entfernt seien, sei den Anwohnern beispielsweise nie mitgeteilt worden, sagt Nölle. „Und das stimmte ja auch nicht.“

Immerhin bedauert man mittlerweile bei der Stadt, wie man bisher mit den Anwohnern umgesprungen ist. „Dafür möchten wir uns entschuldigen“, sagt Klösges, „auch die Kommunikation untereinander hat leider nicht so gut funktioniert.“ Die Kollegen vom Stadtbetrieb und von der Grünplanung wollten nun mit den Betroffenen das Gespräch suchen und eine Lösung finden. Wer weiß: Vielleicht findet man dabei sogar zu einer ähnlichen Wahrnehmung, und die Bäume werden am Ende sogar geschnitten.

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