Wissenschaft soll Mieten in Aachen transparenter machen

Von: Stefan Herrmann
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Begehrte Wohnungen im Frankenberger Viertel: Wie viel Miete darf ein Eigentümer verlangen? Bisher wird in Aachen dafür ein einfacher Mietspiegel Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Spieglein, Spieglein, an der Wand, wie viel Miete ist gerechtfertigt für eine Wohnung im Aachener Land? Wie hoch darf eine Mieterhöhung ausfallen? Mieter wie Vermieter, die auf diese Fragen Antworten suchen, wurden bisher im Mietspiegel für die Stadt Aachen fündig.

Doch seit Anfang 2017 hat Aachen keinen offiziell gültigen Mietspiegel mehr. Noch. Der alte ist zum Jahresende ausgelaufen. Doch Mieterschutzverein auf der einen und der Eigentümerverband „Haus & Grund“ auf der anderen Seite wollen gemeinsam mit der Stadt in Kürze eine aktualisierte Fassung vorlegen.

Zugleich laufen im Hintergrund aber längst Planungen, künftig in Aachen nicht mehr auf den bisher sogenannten einfachen Mietspiegel zu setzen, sondern in Zukunft einen „qualifizierten Mietspiegel“ aufzulegen.

Letzterer soll vor allem zwei Sachen bringen: eine höhere Transparenz und Belastbarkeit der Daten und damit auch eine garantierte Rechtssicherheit. CDU und SPD haben nun den Antrag gestellt, dass die Voraussetzungen und Möglichkeiten eines qualifizierten Mietspiegels in Aachen geprüft werden sollen. Behandelt wird der Antrag in der Sitzung des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses (Dienstag, 14. Februar, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor, Lagerhausstraße).

Der einfache Mietspiegel dient bislang als Orientierungshilfe bei der Vereinbarung von Miethöhen. Er bietet eine Übersicht über tatsächlich gezahlte Mieten für Wohnungen vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage. Hierfür wurden durch eine Umfrage zuletzt knapp 12 000 Mietdaten zusammengetragen. Verwendet werden Werte aus den jeweils zurückliegenden vier Jahren. Das soll gewährleisten, dass eine möglichst aktuelle Wiedergabe des Wohnungsmarkts gelingt. Seit Mitte der 70er Jahre setzt man in der Stadt auf diese einfache Mietspiegel-Erhebung.

Das bisherige Verfahren sei zwar „mit den gesetzlichen Anforderungen grundsätzlich kompatibel“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Gleichwohl sei der einfache Mietspiegel „unter Experten in seinen ausgewiesenen Werten strittig und führt aufgrund dessen zu gerichtlichen Auseinandersetzungen.“

Um dies möglichst zu verhindern und für mehr Klarheit auf dem mitunter undurchsichtigen Wohnungsmarkt zu sorgen, soll nun also der qualifizierte Mietspiegel her. Wichtigste Änderung: Er muss nach „anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen“ erstellt werden. Wird ein unabhängiges Institut mit entsprechendem Know-how beauftragt, eine solche Tabelle zu erstellen, die dann repräsentative Werte ausspuckt, fallen laut Stadt 150.000 bis 200.000 Euro an.

„Wir wollen all das unterstützen, um den Mietwohnungsmarkt in Aachen vernünftig darstellen zu können“, sagt Tobias Hundeshagen. Der Geschäftsführer von „Haus & Grund“ in Aachen vertraut darauf, sollte ein entsprechender politischer Beschluss fallen, dass anschließend ein professionelles Unternehmen gefunden wird, das die „tatsächlichen Gegebenheiten“ vor Ort ermittelt.

Die Bereitschaft, sich an den Kosten für einen qualifizierten Mietspiegel zu beteiligen, sei in jedem Fall da. Ebenso sieht es beim Mieterschutzverein Aachen aus, wie dessen Geschäftsführer Hans Knops gegenüber der AZ bestätigt. Die Erstellung des qualifizierten Mietspiegels kostet wie erwähnt bis zu 200.000 Euro. Und er muss zudem alle vier Jahre komplett neu erstellt werden. Nach zwei Jahren findet eine Anpassung statt. Für diese Fortschreibung kalkuliert man bei der Stadt mit etwa 30.000 Euro.

Geld, das im aktuellen Haushalt nicht eingeplant ist. Und selbst wenn die Politik den qualifizierten Mietspiegel beschließt, dürften locker ein bis zwei Jahre vergehen, bis er aufgestellt ist. Mieter wie Vermieter sollten sich also darauf einstellen, erst einmal weiter einen Blick in den einfachen Mietspiegel werfen zu müssen.

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