Wird im Millionen-Monopoly nun gebaut?

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Riesige Brache in bester Innen
Riesige Brache in bester Innenstadtlage: Zwischen unterer Adalbertstraße, Kaiserplatz, Beeckstraße und Adalbertsberg wartet das 240-Millionen-Projekt Kaiserplatz-Galerie immer noch auf seine Realisierung. Jetzt scheint endlich Licht am Ende des Foto: Manfred Kistermann

Aachen. Die Kaiserplatz-Galerie feiert ihr Zehnjähriges - oder sagen wir besser: die Idee für das Einkaufszentrum zwischen unterer Adalbertstraße, Kaiserplatz, Beeckstraße und Adalbertsberg. Denn es ist rund zehn Jahre her, dass erste Gedankenspiele aufkamen, einen solchen Bau auf dem Ex-Taeter-Gelände hochzuziehen.

Just zum Zehnjährigen fällt definitiv - und letztmals - die Entscheidung: Endet das Projekt in der Pleite, oder kommt der erhoffte Aufbruch?

Die Stadt hat der „Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße” (PEA) ein Ultimatum gestellt - das ist nicht das erste. Im März müssen Verträge mit einem Finanzier vorgelegt werden, sonst soll der Bebauungsplan für das etwa 17.000 Quadratmeter große Areal geändert werden. Das käme dem Aus für die mit knapp 250 Millionen Euro größte Einzelinvestition in Aachen nach dem Klinikum gleich. Es bliebe eine Trümmerlandschaft, wie man sie zuletzt im Zweiten Weltkrieg gesehen hat.

Doch nach AZ-Informationen wird es dazu nicht kommen. Ein neuer und sehr namhafter Investor ist gefunden. Derzeit schweigt PEA-Geschäftsführer Herbert Pontzen noch, aber beim AZ-Forum zur Kaiserplatz-Galerie will er mit Vertretern der Stadt Details dazu bekanntgeben. Damit sieht es so aus, als würde die folgende Chronologie der Ereignisse ein gutes Ende finden:

2002: Erste Gedankenspiele kommen auf, als die damaligen Grundstückseigner sich Gedanken machen, was man mit dem großen Freigelände hinter der unteren Adalbertstraße machen könnte. In der Einkaufsstraße sind da schon einige alteingesessene Geschäfte verschwunden, Investitionen wären nötig. Doch zunächst geht es kaum voran.

2004: Der Aachener Architekt Hans Kahlen macht sich konkrete Gedanken, dort ein riesiges Einkaufszentrum zu entwickeln. Seither gilt er als „Vater des Projekts”, der es aber nicht alleine stemmen kann. Zumal ihm zwar der „Gloria-Palast” als Schlüsselgrundstück gehört, viele andere Immobilien dort aber nicht.

2005: Die Architekten haben einen Glaspalast konzipiert. Auf einem 17 000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Shopping-Center namens „Kaiserplatz-Galerie” mit einer Einkaufsfläche von etwa 25.000 Quadratmetern entstehen. Es soll, so die damalige Schätzung, etwa 160 Millionen Euro kosten. Um die immensen Kosten - alleine schon für den Kauf der Häuser und Grundstücke - zu stemmen, werden Investoren ins Boot geholt. Es sind die niederländischen Immobilienkaufleute Pim Kaufman und Johan van den Bruele, die auch gute Kontakte zu potenten Banken aus dem Nachbarland haben. Kaufman und van den Bruele sind bis heute im Boot und haben dem Vernehmen nach zig Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Abseits der Öffentlichkeit startet nun ein unvergleichliches Monopoly, aber nicht als Spiel, sondern im richtigen Leben. Es beginnt der Kauf der Häuser. Insgesamt hat die PEA nach AZ-Informationen 54 Immobilien erworben, in denen es fast 260 Mietparteien gab - und heute noch einige wenige gibt.

2006: Die Planung für die Kaiserplatz-Galerie steht, der Bebauungsplan auch. Von Kahlen wird erstmals ein Eröffnungstermin irgendwann im Jahr 2009 genannt.

2007: Erstmals rücken auch Bagger an. Denn im Juni wird das „Gloria”-Kino abgerissen und macht den Zugang zum großen Innenbereich frei, in dem bald mit dem Abriss der Häuser begonnen werden soll. Doch zunächst kommt es anders. Der Hamburger Branchenriese ECE, der mehr als 100 große Einkaufszentren betreibt, kommt ins Boot. Allerdings nicht als Investor. ECE soll die Kaiserplatz-Galerie vermarkten und vermieten und später das Center-Management übernehmen.

2008: Der Abschluss der Planungen zum Adalbertsberg hin wird nicht gerade als gelungen angesehen. Also wird das Vorhaben erweitert. Die Rede ist nun von Investitionen von 240 Millionen Euro. Die Gesellschaft kauft auch Gebäude auf der anderen Seite des Adalbertsbergs - und schließlich auch ein Stück der Straße. Und das Monopoly geht weiter. Erstmals ist von Verzögerungen beim Baubeginn die Rede, mit einer Fertigstellung wird laut Kahlen nun erst 2010 gerechnet.

PEA-Verantwortlicher Herbert Pontzen hat in den Jahren danach mehrfach bekundet, dass solche Aussagen Kahlens viel zu optimistisch gewesen seien. Denn damals, im Jahr 2008, stehen noch wichtige politische Weichenstellungen an. Zudem sind noch gar keine Bauanträge eingereicht. Mitte 2008 gründet sich eine Bürgerinitiative, die gegen die Ausmaße des Projekts mobil macht. Vor allem das große Parkhaus und die Überbauung des Adalbertsbergs stehen in der Kritik. Zunächst will die Initiative die Galerie nur „anders”, heute will sie sie gar nicht mehr. Während auch die Politik langsam unruhig wird, bekundet Hans Kahlen Ende 2008, man habe nun „alle Klippen umschifft” - und verkündet einen Eröffnungstermin im Jahr 2012.

2009: Zu Jahresbeginn stellt die Stadt ein Ultimatum. Bis Mitte Februar, wenn im Rat der neue vorhabenbezogene Bebauungsplan verabschiedet werden soll, müsse der Beleg für den Kauf bestimmter Schlüsselgrundstücke - darunter das „Philipp Leisten”-Areal - erbracht werden. Auch ist ein „Durchführungsvertrag” aufgelegt worden: Zum Beispiel muss die PEA sechs Millionen Euro an Bürgschaften beibringen und für 1,6 Millionen Euro Schallschutzfenster bezahlen.

In einer denkwürdigen Ratssitzung im Februar legt OB Jürgen Linden nach Prüfung der Verwaltung die Finanzierung des Projekts offen, nennt Namen von Banken und genaue Zahlen. Der Stadtrat stimmt für den Bebauungsplan. Die PEA hat ein Jahr Zeit, den Bauantrag einzureichen. Noch im Laufe des Jahres, als die Welt bereits von Bankenkrisen erschüttert wird, verliert das Projekt mit der „Real I.S.” einen potenziellen Geldgeber. 23 Millionen wollte die Tochter der Bayrischen Landesbank eigentlich beisteuern. Auch die niederländischen Banken haben Probleme.

2010: Während die PEA mit der „Entmietung” ihrer Gebäude beschäftigt ist, dabei immer wieder auf Widerstände trifft und auch noch mit allen Anliegern „Nachbarschaftsvereinbarungen” für die Bauzeit verhandeln muss, liegt der Stadt noch kein Bauantrag vor. Am 12. März kommt er dann in letzter Minute - es sind knapp 50 Aktenordner. Einige Tage später wird der Antrag im Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert. Die Fertigstellung der Galerie wird nun auf Frühjahr 2013 taxiert.

Die Abrissarbeiten gehen derweil weiter allenfalls schleppend voran. Der Eindruck, dass das Projekt nicht von der Stelle kommt, beunruhigt die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zusehends. Und er nervt die Geschäftsleute in der unteren Adalbertstraße, deren Umfeld immer mehr verkommt. Die Leerstände nehmen zu, die Trümmerlandschaft schreckt Passanten ab, die verbliebenen Händler kämpfen in einem sterbenden Stück Straße ums Überleben - ein Prozess, der sich im folgenden Jahr verschärft.

2011: Weil die Banken nicht mehr wie geplant mitmachen, gibt es Verhandlungen mit neuen Investoren. Die niederländische Firma „Forum Invest” soll ins Boot kommen. Damit sie alles genau prüfen kann, wird mit ihr eine sechsmonatige „Exklusivitätsvereinbarung” geschlossen. Kurz vor Ablauf dieser Frist im August - „Forum Invest” hatte der Stadt schon neue Pläne präsentiert - platzt der Deal. Die sechs Monate sind verloren. Im Millionen-Monopoly geht es wieder zurück bis auf Los - zumindest was den Geldgeber angeht.

2012: Doch nach erneuten Verhandlungen ist der nun gefunden. Pleite oder Aufbruch? Zurzeit sieht es nicht so aus, dass die Stadt das Spiel beendet. Eher geht es wohl so weiter wie im Monopoly, wenn man alle Straßen und das nötige Geld zusammen hat. Denn dann kann man bauen.

Experten diskutieren beim Forum der AZ

Alle aktuellen Details rund um das Projekt Kaiserplatz-Galerie werden beim Forum der Aachener Zeitung am Donnerstag erörtert.

Die Veranstaltung ist ausgebucht, Anmeldungen können deshalb leider nicht mehr entgegengenommen werden.

Der Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft, Herbert Pontzen, wird im Gespräch mit den AZ-Moderatoren Albrecht Peltzer und Robert Esser zum Sachstand Stellung nehmen.

Weitere Gesprächspartner an diesem Abend sind die Planungsdezernentin der Stadt Aachen, Gisela Nacken, sowie Vertreter der Ratsparteien und des Bundes deutscher Architekten und des Architektenbeirates.

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