Aachen - Wird Friedenspreis „gewaltsam“ verliehen?

Wird Friedenspreis „gewaltsam“ verliehen?

Von: Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In Sachen Friedenspreis 2013 geht es alles andere als friedlich zu. Wie berichtet, hat die Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf die Annahme des Friedenspreises abgelehnt, der Verein Friedenspreis aber lässt nicht locker und besteht auf der Verleihung am 1. September.

Wenn die Auseinandersetzung so weitergeht, könnte dies der erste Friedenspreis in der Geschichte der Stadt werden, der gewaltsam verliehen wird.

Die Schule war seinerzeit für preiswürdig erklärt worden, weil sie im Jahre 2010 laut Friedenspreis erklärt habe, einen Kooperationsbeschluss zwischen der Landesregierung und der Bundeswehr nicht umsetzen zu wollen. Schule ohne Bundeswehr, das fanden die Aachener Friedensjuroren prima, der Preis 2013 sollte unter anderem nach Düsseldorf gehen! Alles Quatsch, kommentierte Schulleiterin Alexandra Haußmann. Den Preis wolle in der Landeshauptstadt niemand. Am Dienstag fuhr der Verein dann noch einmal schweres Geschütz gegen Haußmann auf. Aus Sicht des Friedenspreises handele es sich bei der Ablehnung um eine „Einzelmeinung der Direktorin“. Nach „glaubwürdigen Aussagen von damals an der Schulkonferenz beteiligten Eltern und Schülervertretern“ sei der Beschluss gegen die Kooperation mit der Bundeswehr einstimmig gefasst worden.

Außerdem habe es 2010 eine Veranstaltung an der Schule gegeben, zu der die Bundeswehr eingeladen, auf Betreiben der Schülervertretung (SV) aber wieder ausgeladen worden sei. Trotz allen Ärgers hält der Verein Friedenspreis „die aktuell entstandene Debatte“ für „sehr erfreulich“. Selten habe man eine so gute Gelegenheit gehabt, „eine öffentliche und kontroverse Diskussion über Hintergründe und Begründung der Preisträgerwahl in dieser Ausführlichkeit zu führen“.

Das allerdings sieht man in Düsseldorf ganz anders. „Bizarr“, „grotesk“, „ärgerlich“ sei die Auseinandersetzung, so Schulleiterin Haußmann. Für sie steht fest: Die Schule will den Friedenspreis nicht, weil seine Begründung nichts mit der Realität zu tun habe. Der Beschluss der Schule in 2010 – auf Initiative der SV gefällt – sei „nicht rechtskräftig“ und auch nicht im Sinne der Interpretation des Friedenspreises gefällt.

Einen Ausschluss der Bundeswehr aus der Schule habe es nie gegeben, man halte dieses Verfahren auch nicht für ein „Mittel der Friedenserziehung“. Einen „Dialog mit der Bundeswehr“ schließe man nicht aus. Wichtig sei auch: Gegen den neuen Kooperationsbeschluss der Landesregierung mit der Bundeswehr gebe es keinerlei Statements der Schule. Haußmann: „Am wichtigsten ist: Wir wollen den Preis ganz einfach nicht und lassen uns nicht für politische Statements missbrauchen.“ Bereits eine Woche vor Bekanntgabe der Friedenspreisträger habe sie dies dem Aachener Friedenspreis auch telefonisch mitgeteilt.

Das wiederum habe in Aachen niemanden interessiert. Daher betonte Haußmann am Dienstag noch einmal, dass die sechsköpfige Schulleitung den Preis „entschieden und einstimmig“ ablehne, die Schülervertretung auch – sowie die „ganz überwiegende Mehrheit“ der Elternpflegschaftsvorsitzenden sowie Lehrerinnen und Lehrer. 

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