Wird die Stadt im Sommer abgehängt?

Von: Oliver Schmetz
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Abgehängt? In den Sommerferien haben es Bahnreisende zwischen Aachen und Köln schwer. Weil die Bahn die Strecke zwischen Stolberg und Düren wegen Gleisarbeiten sperrt, müssen Fahrgäste Umleitungen, Umsteigen auf Busse und Verspätungen in Kauf nehmen. Foto: Michael Jaspers
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Droht da ein Schildbürgerstreich? Genau dann, wenn Busse Bahnfahrgäste vom Hauptbahnhof über die Autobahn nach Düren bringen sollen, will die Stadt den Europaplatz in eine Baustelle verwandeln.

Aachen. Mancher Aachener Politiker fürchtet sich schon vor den großen Ferien. „Da wird die Stadt im Sommer ganz schön abgehängt“, blickt Peter Blum düster auf die schönsten Wochen des Jahres. „Mir graust es schon vor dieser Zeit.“ Wer dem FDP-Ratsherrn, dem eigentlich ein recht sonniges Gemüt nachgesagt wird, derart die Laune verhagelt, ist die Deutsche Bahn.

Denn der Schienenriese will just in den kompletten Sommerferien seine marode Infrastruktur zwischen Aachen und Köln sanieren. Deswegen bleiben die Streckenabschnitte zwischen Stolberg und Düren und zwischen Aachen-Rothe Erde und Aachen-Hauptbahnhof gut sechs Wochen lang komplett gesperrt – was für die Fahrgäste Umwege, lästiges Umsteigen in Ersatzbusse und vor allem enorme Zeitverluste zur Folge hat. In den schlechtesten Fällen kann sich die Reisezeit zwischen Aachen und Köln dabei sogar verdoppeln.

Vollsperrung nicht zu verhindern

Und was für die Fahrgäste schlecht ist, ist auch für Aachen schlecht – schließlich gibt es in den Sommerferien auf der Schiene zwar weniger Berufspendler, aber dafür deutlich mehr Urlauber. „Das wird den Tourismus beeinträchtigen“, vermutet Blum. „Vermutlich werden wir die Übernachtungszahlen des Vorjahres nicht erreichen.“

Dass der Liberale mit seinen Sorgen nicht alleine steht, beweist ein Ratsantrag von CDU und SPD. Die Koalitionsfraktionen hatten die Verwaltung beauftragt, gemeinsam mit der Bahn zu prüfen, ob die Vollsperrung im Sommer, von der man negative Auswirkungen auch auf den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Aachen befürchte, möglicherweise „entbehrlich“ sei. Ist sie aber nicht. „Das ist nicht zu verhindern“, teilte Uwe Müller, Abteilungsleiter im städtischen Verkehrsmanagement, jetzt im Mobilitätsausschuss der Politik mit. Der Verkehrsexperte der Verwaltung berichtete außerdem vom Ersatzkonzept, dass die Bahn der Stadt in dieser Woche in einem ersten Abstimmungsgespräch präsentiert hat. Darin ist als eine von mehreren Reisevarianten auch der Einsatz von Schnellbussen zwischen dem Aachener und dem Dürener Hauptbahnhof vorgesehen, von wo aus die Reise dann wieder auf der Schiene nach Köln weitergeht.

In Aachen wirft dies allerdings auch die Frage nach einer provisorischen Haltestelle auf, weil an den Haltepunkten vor dem Hauptbahnhof für die Schnellbusse laut Verwaltung nicht genug Platz ist. „Wir prüfen verschiedene Varianten, favorisiert ist zurzeit ein Areal an der Hackländerstraße“, sagte Müller. Probleme birgt indes auch der Kurs, den die Schnellbusse durch Aachen nehmen wollen – nämlich schnurstracks über den Europaplatz auf die Autobahn und ab nach Düren. Das werde nicht gehen, erklärte Müller der Politik, weil die Stadt just ebenfalls in den Sommerferien vorhabe, den Europaplatz in eine große Straßenbaustelle zu verwandeln – was dem Verwaltungsmann heftige Schelte seitens der Politik eintrug, die den nächsten städtischen Schildbürgerstreich im Baustellenmanagement befürchtete. „So etwas können wir uns nicht erlauben“, kritisierte Gaby Breuer (CDU), „schließlich ist diese Baustelle in dem ganzen Prozess das Einzige, was wir beeinflussen können.“

Dezent wurde auch nachgefragt, ob die Bahn denn wenigstens diesmal ortskundige Busfahrer einsetzen wolle, damit es nicht wieder solch ein Chaos wie im Januar gibt, als wegen Arbeiten an einer Brücke mehrere Tage lang die Bahnstrecke zwischen Aachen und Kohlscheid gesperrt war. Damals standen die angekündigten Ersatzbusse zunächst gar nicht zur Verfügung. Und als sie dann doch noch kamen, mussten Fahrgäste den Fahrern den Weg weisen. „Das war peinlich und unnötig“, räumte Müller ein, „und darauf haben wir die Bahn im Abstimmungsgespräch auch eindringlich hingewiesen.“

Genügend Busse am Start?

Das Gleiche gelte auch für die benötigte Busflotte. Die Bahn berechne derzeit den Bedarf, sagte Müller. „Und ich denke, dass eher mehr Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden, als tatsächlich benötigt werden.“ Ob das aber auch alles so klappt oder ob Aachen im Sommer am Ende doch abgehängt wird, weiß heute niemand – auch nicht in der Aachener Verwaltung. Müller: „Es ist allen bewusst, dass das eine sehr schwierige Situation werden wird.“

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