Wird der Tivoli ein Kindergarten?

Von: Stephan Mohne
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Tivoli
Der Aachener Tivoli. Foto: dpa

Aachen. Ein Nachwuchsleistungszentrum wollte die Alemannia immer haben. Und eine ganz besondere Art der „Nachwuchswerbung“ könnte es bald obendrein im Tivoli geben. Wenn es nämlich nach der SPD geht, dann soll der 50-Millionen-Euro-Fußballtempel zum Kindergarten werden.

Das hört sich nach einem Aprilscherz an, doch es ist ein völlig ernst gemeinter Vorschlag, der am Dienstag bereits dem Oberbürgermeister als offizieller Ratsantrag auf den Tisch flatterte.

Die Verwaltung soll sich an die Prüfung machen, schreiben Fraktionschef Heiner Höfken, Jugendpolitiker Martin Künzer und Ratsherr Karl Schultheis. Von Letzterem stammt die Idee. Hintergrund ist der eklatante Mangel an Plätzen für Kinder unter drei Jahren, die bekanntlich ab dem kommenden Kindergartenjahr einen Rechtsanspruch auf einen solchen Platz haben. Der Bedarf an U3-Betreuung zum Stichtag ist indes deutlich höher, als man sich das einst ausrechnete. Generell war man von einer nötigen Versorgungsquote von 35 Prozent ausgegangen, mittlerweile rechnet man schon mit 50 Prozent. Nicht überraschend, dass es Wartelisten gibt.

In Aachen geht man derzeit von einem Fehlbedarf von 330 Plätzen aus, wobei in dieser Zahl auch die Kinder im Alter von unter einem Jahr enthalten sind, die jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz haben. Aber auch ohne sie wäre die Lücke noch groß. Der SPD schwebt nun vor, „in zurzeit nicht genutzten Räumlichkeiten des Tivoli-Stadions zur Abdeckung des Bedarfs an U3-Plätzen vorübergehend zusätzliche Gruppen“ einzurichten, so dies möglich wäre. Denn: „Zumindest mittelfristig muss damit gerechnet werden, dass ein Teil der Räumlichkeiten des Tivoli nicht für den Fußballsport genutzt werden.“ So könnte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sich des Vorwurfs erwehren, dass man die städtischen Rettungs-Millionen besser in wichtigere Dinge – wie eben den U3-Ausbau – gesteckt hätte. Zum „Engagement der Stadt Aachen für Alemannia“ stehe die SPD, sieht es jedoch „als gutes Zeichen, wenn es gelänge, die große Herausforderung der Förderung von Kindern und Familien mit diesem Engagement zu verknüpfen“. In der Verwaltung hieß es am Freitag auf Anfrage, der Antrag sei eingegangen und werde geprüft.

Ebenfalls von Dienstag stammt ein Ratsantrag aller Fraktionen, der sich mit dem Thema U3 beschäftigt und der das Ergebnis eines runden Tischs am 22. Mai ist. Demnach soll die Verwaltung Vorschläge machen, wie man die Versorgungsquote von 50 Prozent erreichen kann. Sofort sollen zum „Abbau der Warteliste“ folgende Maßnahmen umgesetzt werden: Die Gruppen sollen zehn Prozent mehr Kinder aufnehmen, was rechtlich möglich ist. Ob die Gruppen vorübergehend noch größer werden können, soll mit dem Landschaftsverband geklärt werden. Zudem sollen 50 zusätzliche Plätze in der Tagespflege eingerichtet werden. Eine zusätzliche U3-Gruppe (zehn Kinder) soll es in der Schagenstraße geben, 40 Kinder sollen in zusätzlichen Gruppen in der ehemaligen Grundschule am Kronenberg Platz finden. Zudem soll es eine Hotline zur Beratung von Eltern geben, die dringend einen U3-Platz für ihren Nachwuchs suchen.

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