„Wir streiken weiter!“: Rund 1000 Demonstranten trommeln auf dem Markt

Von: Stephan Mohne
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Trommeln, tröten und trillern für die Gewerkschaftsforderungen: Rund 1000 Verdi-Mitglieder aus dem Sozial- und Erziehungsdienst kamen gestern zur Kundgebung auf den Markt. Sie waren sich einig: „Wir streiken weiter!“ Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der fiese kalte Wind bläst den Streikenden ins Gesicht. Und dann schüttet es an diesem Mittwochnachmittag zeitweise auch noch wie aus Eimern. Doch die rund 1000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter pfeifen darauf. Sie trillern, tröten und trommeln sich warm – in ohrenbetäubender Lautstärke. Es ist natürlich der aktuelle Streik um Höhergruppierungen – und mithin mehr Geld –, der sie einmal mehr auf die Aachener Straßen treibt.

Streikwoche zwei, und es werden weitere folgen. Denn während die Verdi-Leute aus dem Aachener Bezirk auf dem Markt die Stimmung lautstark hochhalten, verkündet Verdi-Chef Frank Bsirske bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Fulda, dass an ein Ende dieses Ausstands nicht zu denken ist. Und so tönt es auch unter tosendem Beifall von der Bühne vor dem Rathaus: „Wir streiken weiter!“ Was für Eltern und Kinder bedeutet, dass sie sich noch eine Weile im betreuungslosen Zustand in Sachen Kitas befinden werden.

Doch ausgerechnet die Eltern sind es an diesem Tag auch, die auf dem Markt mitmischen. Einige Delegationen sind gekommen und bekunden ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Erzieherinnen und deren Forderungen. Sie haben auch Plakate gemalt. „Erziehung ist mehr wert“, steht zum Beispiel darauf.

Wie Frank Bsirske sagt auch die Basis: Dieser Streik dauert zumindest so lange, bis die Arbeitgeber endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Und da sieht Verdi-Sekretär Mathias Dopatka, der diesen Streik in Aachen maßgeblich organisiert, durchaus einen Lichtblick. Nämlich ausgerechnet durch Aussagen eines Arbeitgebervertreters aus Aachen. Es war Dieter Rehfeld, der im Gespräch mit unserer Zeitung betont hatte, dass die kommunalen Arbeitgeber durchaus bereit sind, ein solches Angebot vorzulegen, wenn Verdi im Gegenzug an den Verhandlungstisch kommt und bestenfalls in der Zeit der Verhandlungen den Streik ruhen lässt. Rehfeld ist auf Arbeitgeberseite nicht irgendwer.

Der frühere Aachener Personaldezernent und heutige Chef der städtischen Tochter „regio IT“ sitzt als einer von elf Arbeitgebervertretern in der bundesweiten Verhandlungskommission. „Wir nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die Arbeitgeber offenbar endlich bereit sind, ein Angebot zu formulieren“, sagt Dopatka und fügt hinzu: „Wir sind gespannt!“ Rehfeld hatte allerdings auch klargemacht, dass die beiden streitenden Seiten „sehr weit auseinander“ seien. So wollen die Arbeitgeber keinesfalls das, was die Arbeitnehmer auf jeden Fall wollen: Eine deutliche Höhergruppierung aller Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Die Arbeitgeber stimmen zwar einer besseren Bewertung zu, allerdings auf den Einzelfall je nach Aufgaben bezogen – und das auch nicht für alle Berufsfelder, die Verdi hier vertritt. Der Konflikt wird also noch weiter für Schlagzeilen sorgen. Eine haben die Streikenden schon mal plakativ auf ein Spruchband gepinselt: „Das Schweigen der Lämmer ist vorbei!“

Unterdessen nähern sich mehr als 70 Lokalpolitiker dem Rathaus. Nicht wegen des Streiks. Vielmehr steht an diesem Mittwoch eine Sitzung des Stadtrats auf dem Plan. Verdi hat sie eingeladen, sich ebenfalls auf der Bühne ans Mikro zu stellen. Und auch Oberbürgermeister Marcel Philipp wollen sie sehen und hören. Schließlich lag er zuletzt im ziemlich emotionalen Clinch mit Gewerkschaftsmann Dopatka. Doch es sind am Ende Michael Servos von der SPD, Ulla Griepentrog von den Grünen und Ellen Begolli von der Linksfraktion, die sprechen. Es sei an der Zeit, die Sozial- und Erziehungsberufe neu zu bewerten, sagt beispielsweise Griepentrog solidarisch. Und auch Servos und Begolli sprechen den Streikenden Mut zu. Vertreter der anderen Fraktionen – so etwa der CDU – bleiben dem Mikro lieber fern. Was für Verwaltungsvertreter wie den OB oder Personaldezernent Lothar Barth ebenfalls gilt.

Am Rande wird kolportiert, die andere Gewerkschaft, die Komba, werde am Dienstag die Arbeit wieder aufnehmen. Was deren stellvertretender Landesvorsitzender Hubert Meyers aus Aachen aber gleich ins Märchenreich verbannt: „Wir werden diesen berechtigten Streik natürlich ebenfalls fortsetzen.“ Dann sind sich ja alle einig.

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