Windräder: Gegner hoffen auf Vertagung

Von: Stephan Mohne
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Windenergie in Aachen: Mittwoch soll der Stadtrat endgültig den Weg für neue Anlagen freimachen. Die Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ kämpft unterdessen weiter gegen die Pläne. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn die Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ an die Mammutwindräder denken, die in dem Gebiet an der Grenze zu Roetgen nahe der Himmelsleiter rotieren sollen, dann dreht sich ihnen der Magen um. Und deswegen wollen sie weiter gegen die Pläne kämpfen.

Am Mittwoch allerdings soll der Stadtrat den Weg zur Änderung des Flächennutzungsplans im Sinne der Windkraftanlagen endgültig freimachen. Er soll noch einen „Beitrittsbeschluss“ fassen, der die von der Bezirksregierung geforderten Modifikationen der ursprünglichen Unterlagen berücksichtigt. Ein schmaler Streifen an der Roetgener Gemeindegrenze muss gekappt werden, weil dort der Mindestabstand zur Bebauung falsch berechnet wurde.

Drei Stunden im Wald

Die Bürgerinitiative hofft jedoch, dass der Rat diesen Beschluss vertagt. Denn: Für den darauf folgenden Mittwoch hat sich Besuch von der Landesregierung angesagt. Experten der Landesplanung, die der Staatskanzlei zugeordnet ist, sowie des Umweltministeriums wollen sich im Münsterwald selbst ein Bild machen. Ebenfalls eingeladen zu der dreistündigen Begehung sind städtische Vertreter – und eben die Bürgerinitiative, für die Rainer Ständer sagt: „Wenn der Stadtrat Fakten schafft, würde diese Begehung ja nur noch wenig Sinn machen.“

Die Gegner der bis zu 200 Meter hohen Anlagen sind zudem überzeugt, neue Argumente gefunden zu haben. Zum Beispiel sei immer die Rede davon gewesen, dass die Stawag als städtische Tochter Bauherrin der Anlagen sein soll. Tatsächlich würden diese jedoch von der Firma „Stawag Solar“ errichtet. Da stehe zwar Stawag drauf, mehrheitlich sei aber nicht Stawag drin. Die Stadtwerke sind in der GmbH mit 40 Prozent nur Minderheitsgesellschafter.

Zehn Prozent hält der Herzogenrather Kommunalversorger Enwor, 50 Prozent jedoch gehören dem privaten Entwickler von Ökostromprojekten „Juwi“ aus Rheinland-Pfalz – eine Größe der Branche mit 1800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro. Das steigert das Vertrauen der Bürgerinitiative keineswegs. Denn jüngst hat die Erfurter Staatsanwaltschaft gegen ein „Juwi“-Vorstandsmitglied ebenso wie gegen den früheren thüringischen Innenminister Anklage erhoben – wegen Korruptionsvorwürfen ausgerechnet im Zusammenhang mit der Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windräder.

Das Joint Venture der Stawag mit dem Mehrheitspartner müsse zumindest einmal hinterfragt werden. Die Stawag sagte dazu am Dienstag auf Anfrage, dass man hinsichtlich des Kooperationspartners davon ausgehe, „dass das Unternehmen die Vorwürfe aufklären kann“.

Ein zweiter Bereich, bei dem die Gegner dringend Nachholbedarf sehen, ist der Naturschutz. So hätten sie mitten in besagter Fläche einen Horst gefunden, der dem Schwarzstorch oder dem Rotmilan zuzuordnen sei. Den hätten die Gutachter seinerzeit offenkundig „übersehen“. Doch dies hätte Einfluss auf die Bewertung der Anlagen in Sachen Naturschutz haben müssen.

Ebenso wie neue Studien in Bezug auf das Fledermaussterben im Bereich von Windkraftanlagen. So sei jüngst eine Analyse von 42 deutschen Windparks der Leibnitz-Universität Hannover durch die Medien gegangen. Demnach fielen pro Jahr im Schnitt zwölf der streng geschützten Tiere jeder Anlage zum Opfer. Herbert Klinkenberg von der Bürgerinitiative glaubt, dass die Zahl in Waldgebieten sogar deutlich höher sei. Da Fledermäuse pro Jahr aber nur ein Jungtier zur Welt brächten, werde die Population im Münsterwald bald ausgerottet sein.

„Wirtschaftliches Risiko“

Drittens glaubt die Initiative, dass die Windräder ein wirtschaftliches Fiasko für die Stawag werden könnten, wenn nach der Bundestagswahl die angekündigten Pläne umgesetzt würden, dass Windstromerzeuger die Energie demnächst selber vermarkten müssten. Bei einem Strompreis an der Strombörse von derzeit drei Cent pro Kilowattstunde könne dies ein riesiges Verlustgeschäft werden. Auf diesem Auge ist die Stawag nicht blind. Man verfolge „sehr aufmerksam die politische, rechtliche und wirtschaftliche Entwicklung der Energiewirtschaft“, hieß es am Dienstag.

Allgemein nehme man „den gesellschaftlichen Auftrag der Energiewende sehr ernst“ und strebe daher „einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien auch in der Region“ an. Die Bürger sieht die Stawag auf ihrer Seite. Laut einer eigenen Meinungsumfrage fänden 85 Prozent der befragten Aachener den weiteren Ausbau vor Ort wichtig oder eher wichtig; 78,5 Prozent hätten den Ausbau der Windenergie in Aachen als positiv oder eher positiv bewertet.

Die Hoffnung der Bürgerinitiative, dass der Stadtrat Mittwoch das Thema verschiebt, werden sich aber wohl nicht erfüllen. Dort gibt es eine breite Mehrheit für die Pläne. Nur FDP und FWG sprechen sich dagegen aus. Dann bleibt den Gegnern nur die Hoffnung auf eine mögliche Klage der Gemeinde Roetgen gegen die Absichten der Nachbarstadt.

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