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Windkraft im Münsterwald: Ein Eklat gleich zum Auftakt

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Werden die Windanlagen im Münsterwald gebaut – oder doch nicht? Gestern prallten im Inda-Gymnasium im Rahmen des Genehmigungsverfahrens noch einmal die Argumente dafür und dagegen aufeinander. Insgesamt fast 100 Einwände wurden gegen den Bau erhoben. Foto: Michael Jaspers

Kornelimünster. Der zeitweise kräftige Wind am Dienstagnachmittag hätte die sieben Windkraftanlagen im Münsterwald nahe der Himmelsleiter sicher munter rotieren lassen. Wenn sie denn schon stünden. Doch ob sie überhaupt gebaut werden, steht immer noch nicht fest.

Denn aktuell läuft das im Bundesimmissionsschutzgesetz vorgeschriebene Genehmigungsverfahren. Und da stand am Dienstag eine weitere Etappe auf der Tagesordnung. Zum Erörterungstermin war ins Inda-Gymnasium in Kornelimünster geladen. Erörtert werden sollten die Eingaben von Bürgern und Umweltverbänden bezüglich der Anlagen mit dem Antragsteller, der rheinland-pfälzischen „juwi AG“.

Sie ist Mehrheitseigner der „Stawag Solar GmbH“, die die Anlagen be-treiben will und deren Minderheitspartner die Stawag ist. Insgesamt hatte es fast 100 Einwände gegen den Bau gegeben – 92 von Privatpersonen und vier von „Trägern öffentlicher Belange“, zu denen die anerkannten Umweltverbände gehören. Eine Menge Holz zum Erörtern also. Elke Lammers, städtische Rechtsamtsleiterin, wies also schon bei der Begrüßung am Morgen darauf hin, dass das Ganze auch zwei Tage dauern könnte.

Tatsächlich krachte es schon, als man noch gar nicht so richtig in die Tagesordnung eingestiegen war. Als nämlich ein Vertreter von „juwi“ – das Unternehmen hatte eine ganze Armada von Mitarbeitern aufgefahren – bekundete, man habe hinsichtlich bestimmter Tierarten 2014 neue Expertisen geordert, die nun vorlägen, gingen umgehend die Umweltverbände auf die Barrikaden. Denn diese Ergebnisse waren weder Teil der im Beteiligungsverfahren ausgelegten Gutachten, noch hat sie bisher jemand zu Gesicht bekommen. Seitens „juwi“ wurde erklärt, man stelle die Unterlagen, die man selber erst kurz vor dem Erörterungstermin erhalten habe, selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Claus Mayr vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Reiner Hülsheger von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) bezeichneten das als Unding. Man könne sich nicht in ein paar Minuten eine Übersicht über eine derart komplexe Materie verschaffen, so Reiner Hülsheger. Wenn es eine Frist für Einwände gebe, müsse die auch für die Antragsteller gelten. Hülsheger forderte, die Veranstaltung zu beenden. Dem folgte Elke Lammers jedoch nicht und bekundete, die neuen Erkenntnisse könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt noch erörtert werden. Wasser auf die Mühlen der Gegner, die ohnehin die Verwaltung für befangen halten – weil sie Genehmigungs- und Planungsbehörde in einem ist. Auch das wies Lammers jedoch von sich. Claus Mayr stellte auch nochmals in den Raum, dass der geänderte Flächennutzungsplan noch nicht rechtskräftig sei, weil es dagegen eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht gebe. Ein Landwirt aus Horbach hatte sie angestrengt, weil eine ihm gehörende Fläche laut Stadt anders als jene Flächen im Münsterwald nicht für eine Windkraftanlage infrage komme.

Die Umweltverbände und Bürger haben indes Einwände in vielerlei Hinsicht erhoben. Die meisten betreffen das „Schutzgut Mensch“, gefolgt von Flora und Fauna. Mayr unterstrich die Auffassung des Nabu, dass bei der artenschutzrechtlichen Untersuchung massive Fehler gemacht worden seien – etwa bei Tierarten wie Rotmilan und Wildkatze. Andere Einwände zielen auf die Wirtschaftlichkeit der Anlagen ab, die nach Auffassung einiger nicht gegeben ist. Da die städtische Tochter Stawag in das 50-Millionen-Projekt involviert ist, würden die Verluste später von allen getragen werden. Die Argumente reichen bis zur generellen Ablehnung der Energiewende – ein Punkt, bei dem sich dann jedoch auch die Gegner der Münsterwald-Anlagen untereinander nicht grün sind, wie an diesem Tag stellenweise lautstark deutlich wurde.

Für „juwi“ erläuterte indes Martin Vollnhals nochmals, was sein Unternehmen eigentlich will: sieben Anlagen mit einer Höhe von 196 Metern und einer Leistung von je 3,3 Megawatt. Insgesamt betreibe man bereits 840 Anlagen, 210 davon in Waldgebieten. Ob sie gebaut werden dürfen, wird das weitere Verfahren zeigen. Elke Lammers stellte fest: „Auch der heutige Termin ist nur ein Teil des Weges.“

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