Windanlage „Anima“ wieder auf Touren

Von: Andreas Cichowski
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Windanlage „Anima“: Nach 20 Jahren werden die wichtigsten Komponenten ausgetauscht. Foto: Cichowski
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Windanlage „Anima“: Nach 20 Jahren werden die wichtigsten Komponenten ausgetauscht. Foto: Cichowski

Aachen. Für lange Zeit war sie die größte Windkraftanlage, die auf einem Hochschulgelände in Europa in Betrieb genommen wurde und eine der ersten Anlagen überhaupt in der Region Aachen. „Anima“, die Seele, wie das Windrad am heutigen Campus Melaten liebevoll von ihren Betreibern genannt wurde.

An ihr drehen sich die Rotoren „Wolfgang“, „Georg“ und „Wilhelm“, und das seit 20 Jahren bis die Anlage am 9. Mai zunächst abgeschaltet werden musste.

Sensoren hatten Alarm geschlagen, ein gravierender Riss im Achszapfen der Anlage, welcher Rotor, Generator und Maschinenhaus miteinander verbindet, wurde festgestellt. Glücklicherweise wenige Tage vor Ablauf des EPK-Vertrags, denn der Schaden gehe in den sechsstelligen Bereich. „Wenn wir die Reparatur aus eigener Tasche bezahlen müssten, hätte sich das nicht rentiert“, erklärt Haustechniker der AMO-GmbH, Thomas Welter. „So müssen wir nur ein Fünftel der Kosten tragen“ – immerhin 55.000 Euro.

Die erste Windkraftanlage im Raum Aachen wurde am 13. Januar 1993 mit einer Nennleistung von 250 kW an der Autobahnraststätte „Aachener Land“ aufgestellt. Die Planungen für eine erste große Windanlage in Aachen begannen auf Initiative des Wind e.V. Aachen bereits im Frühjahr 1990. Das „Fleißige Lieschen“ rotiert im Zuge dessen seit 1993 am Schlangenweg zwischen Schneeberg und Orsbach mit einer Leistung von 80 Kilowatt.

Am 7. Juni 1995 folgte dann die Fertigstellung der Windkraftanlage der AMO GmbH nahe der Feuerwache Nord. „Dies geschah nur gegen den zähen Widerstand diverser städtischer Ämter. Die Einspeisevergütung nach dem 1992 beschlossenen Aachener Modell wurde der Stawag erst nach langen Verhandlungen abgewonnen“, berichtet Professor Heinrich Kurz, Geschäftsführer der AMO GmbH.

„Anima“ sei die erste Anlage, für die offiziell eine kostengerechte Einspeisevergütung gemäß dem „Aachener Modell“ gebilligt wurde. Finanziert wurde sie aus Strukturhilfemitteln der EU zur langfristigen Förderung von Forschung und innovativen Konzepten. Seither produzierte sie jährlich mehr als 600 000 Kilowattstunden Strom, das entspricht einem Gesamtertrag von insgesamt über 14 Millionen Kilowattstunden in 20 Jahren und somit eine technische Verfügbarkeit von 97 Prozent.

Die 48 Meter hohe Anlage vom Typ Enercon 40 erzeugt eine Spitzenleistung von 500 Kilowatt, die bei Windgeschwindigkeiten über etwa zwölf Metern pro Sekunde erreicht werden und einer Drehzahl von bis zu 36 Umdrehungen pro Minute. Der besondere Vorteil der getriebelosen Bauart von „Anima“ ist, dass das Windrad auch bei ungünstigen Windverhältnissen effizient arbeitet.

Damit das auch zukünftig so bleibt, entschloss man sich, die wichtigsten Komponenten der Anlage durch generalüberholte Teile zu ersetzen. Der hierzu benötigte Kran stand schon seit einer Woche bereit, jedoch machte der sonst so erwünschte Wind die Arbeiten unmöglich, denn trotz einer stolzen Masse von 22,5 Tonnen, die Flügel, Nabe und Generator zusammen auf die Waage bringen, ist der Rotor mit seinen drei 20 Meter langen Flügeln bestimmungsgemäß sehr windanfällig. Zu dritt arbeiten die Monteure auf engstem Raum in schwindelerregender Höhe. Eine Leiter im Inneren des Turms gibt es nicht. Immer wieder musste die Reparatur in der vergangenen Woche wegen starken Windes oder Gewittern unterbrochen werden, bei Regen wurde weitergearbeitet.

Letztendlich gelang es den Leuten von Enercon doch, den Stern samt Generator abzunehmen und mit größter Sorgfalt auf dem Boden abzulegen. Ab sofort steht die Anlage wieder im gewohnten Anblick und kann bald wieder sauberen Strom produzieren. Wie lange? „Noch einmal 20 Jahre wären natürlich wünschenswert“, sagt Welter. Fünf weitere Jahre seien sicher, danach müsse die RWTH erst den Vertrag für den Standort verlängern.

Betreiber der Anlage ist die gemeinnützige AMO GmbH, die die gewonnene Energie in das öffentliche Stromnetz der Stadt Aachen einspeist. „Mit den so erwirtschafteten Gewinnen wird ein Anteil der laufenden Betriebskosten für das Forschungslabor Amica bestritten, in dem bereits seit 1997 angewandte Forschung auf dem Gebiet Nanotechnologie vor allem für regenerative Energiegewinnung erfolgreich betrieben wird“, so AmjadiKurz. „Denn AMO begann schon früh nach Alternativen zu konventionellen Energiekonzepten für Amica zu suchen.“

Im Schnitt werden etwa 50 Prozent der Energie, die in den Forschungslaboren von Amica für die Klimatisierung des Reinraums und die energieintensive Herstellung von elektronischen Bauelementen verbraucht werden, von der Windkraftanlage „Anima“ produziert.

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