Aachen - Wildwuchs auf Aachens Friedhöfen

Wildwuchs auf Aachens Friedhöfen

Von: Amien Idries
Letzte Aktualisierung:
grab_bu
Zugewachsen: Dieser Grabstein auf dem Waldfriedhof ist kaum noch zu erkennen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wuchernde Brennnesseln, wilde Brombeersträucher und ausladende Farne. Die Natur bahnt sich ihren Weg. Was auf naturnahen Wildwiesen durchaus erwünscht ist, stellt das städtische Friedhofsamt vor Probleme.

Etwa 100.000 Wahlgrabstätten gibt es auf den städtischen Friedhöfen. 70.000 davon sind belegt, von denen wiederum rund 300 in Sachen Hege und Pflege sich selbst überlassen sind. „Das ist zwar ein verschwindend geringer Anteil, aber die verwilderten Gräber fallen besonders auf”, sagt Miriam Schieren, Sachbearbeiterin im Aachener Friedhofsamt. Und sie beeinflussen die anliegenden Gräber. „Da kommt es vor, dass von den Angehörigen der Nachbargräber der Urwuchs auf einen Pflanzenquader zurechtgestutzt werden muss”, beschreibt Schieren die Situation.

Deshalb werden in regelmäßigen Abständen sogenannte Grabzustandskontrollen durchgeführt. Und es wird notiert, welche Gräber besonders wild aussehen. Dann beginnt für das Friedhofsamt eine lange Prozedur, deren Ziel es ist, die Verantwortlichen für die Grabstelle ausfindig zu machen. „Wir schauen zunächst in unserem Verwaltungsprogramm, ob dort ein Ansprechpartner angegeben ist”, sagt Abteilungsleiter Karl Küpper. Wenn dies nicht fruchtet, erhalten die jeweiligen Grabsteine einen gelben Aufkleber mit der Bitte, sich zu melden.

„Erst wenn auch das erfolglos verläuft, gehen wir an die Öffentlichkeit”, sagt Küpper. Bereits im Jahr 2009 hatte das Friedhofsamt eine Liste der betroffenen Gräber über die Presse veröffentlicht und Angehörige aufgefordert, Kontakt aufzunehmen. Der Rücklauf war mäßig, sodass nun eine weitere Aufforderung publiziert wurde. Bis zum 10. August bleibt den Angehörigen Zeit, sich um die verwahrlosten Gräber zu kümmern.

„Es gibt viele Ursachen dafür, dass die Gräber vernachlässigt werden”, erläutert Schieren. Es gebe kinderlose Ehepaare, die eine der Wahlgrabstätten aussuchen und dann sterben. „Dann gibt es niemanden mehr, der sich darum kümmert”, sagt Küpper. Aber er habe auch schon erlebt, dass Angehörige nichts von der Existenz der Grabstelle wüssten. Eine böse Absicht stecke nicht dahinter.

Bei den Gräbern, für die sich bis zum Stichtag niemand zuständig fühlt, wird das Nutzungsrecht entzogen. Dieses läuft unter normalen Umständen 40 Jahre und kann danach verlängert werden. Danach wird der Grabstein entfernt und für eine gewisse Zeit aufbewahrt. Als letzte Maßnahme wird die Bepflanzung entfernt und neuer Rasen gesät. „Entgegen mancher Gerüchte wird das Grab aber nicht ausgehoben”, betont Schieren, um dieser Mythenbildung entgegenzuwirken. Auch auf die Ruhezeit, die vom Gesundheitsamt vorgeschrieben sei, habe die Maßnahme keinen Einfluss.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert