Aachen - Wild-West am Büchel: Türsteher bestanden auf Bezahlung

Wild-West am Büchel: Türsteher bestanden auf Bezahlung

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Mit ausgestreckter Hand soll Marsel Q. (39) die Pistole gehalten und auf sein Opfer gezielt haben. Der in der Nacht zum 3. September 2011 frühmorgens vor dem Club Regatta im Schulter- und Bauchbereich angeschossene Partyveranstalter Marat Z. (37) beschrieb am Montag als Zeuge, was ihm vor dem Club direkt gegenüber des Parkhauses Büchel widerfahren war.

Im Lokal selbst, so der von zwei Schüssen Getroffene vor der Aachener Schwurgerichtskammer, seien die beiden Freunde begleitet von einer Frau aus der Antonius­straße ruhig und unauffällig gewesen, hätten nur „getrunken, getanzt, eben gefeiert“, erinnerte sich das Opfer. Dann aber beim letzten Akt, dem Bezahlen, ging der Stress an der Türe los, der einige Zeit später beinahe mit dem Tod geendet hätte. Weil der wegen versuchten Totschlags angeklagte Q. statt drei der beim Betreten des Lokals ausgegebenen Verzehrkarten mit einem Mindestbetrag von sechs Euro nur eine einzige vorlegte und nur diese bezahlen wollte, bekam er zunächst Ärger an der Kasse.

Die Kassiererin am Montag vor Gericht: „Ich sagte beiden, ihr müsst noch zwei Karten bezahlen, das macht zwölf Euro.“ Da habe sich „der Kleine“, wie der aus Albanien stammende Angeklagte genannt wurde, anscheinend in seiner Ehre verletzt gefühlt und habe begonnen, „richtig Stress zu machen“. Die Kassiererin beschrieb, wie sie den Fall an den Türsteher und den daneben stehenden Veranstalter weitergab. Die kannten kein Pardon, auch die Ansage des protestierenden Kunden, das geschehe alles nur, weil er Albaner sei, zog bei der russisch stämmigen Türsteher-Crew überhaupt nicht. Ebenfalls fruchtete die Drohung, er werde wiederkommen, überhaupt nicht – niemand nahm das richtig ernst.

Inzwischen hatte bereits der Freund die zwölf Euro bezahlt, um des lieben Friedens Willens. Denn in der Tat, das merkte Verteidiger Norbert Hack wiederholt in Richtung der Zeugen an, hätten die drei im Laufe des Abends schließlich ein Vielfaches vom Mindestverzehr konsumiert, es war von einigen Flaschen Schnaps die Rede. Doch niemand verteilte den Verzehr auf alle drei Karten; und so sah es am Ende nach Abzocke aus, wie Anwalt Hack vermutete.

Doch ist ein Leben wirklich nur zwölf Euro wert? Anscheinend war das so. Zunächst brachten beide die Begleiterin in die Antoniusstraße und kehrten dann zurück zur Regatta-Türe. Da gingen gerade die letzten, darunter Marat Z.. Der Albaner habe auf der anderen Straßenseite gepfiffen und gefragt, „bist du der Chef?“ Marat Z. antwortete „na und“ – „ja und“ hatten andere gehört. Das war das Zeichen, der Angeklagte hob den Arm, richtete die kleine Pistole auf ihn und drückte mehrfach ab. Nach zwei Schüssen machte es nur noch „klick“. Da habe Q. schnellstens nachladen wollen, beschrieb das Opfer die Wild-West-Szene mitten in Aachens Innenstadt. Das klappte nicht und beide flüchteten durchs Parkhaus, jüngere Gäste verfolgten sie vergebens.

Am Freitag geht es vor dem Schwurgericht nochmals um die Waffe. Sie wurde beschrieben als eine kleine, vierläufige Derringer. Die gefundenen Hülsen allerdings passen zu einer Browning, also muss jetzt ein Waffenexperte her.

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