Wie zwei junge Aachener Wahlkampf machen

Von: Oliver Schmetz
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Wirbt vor der Wahl für Rudolf Henke: der 20-jährige Student Markus Schmidt-Ott. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Frau betrachtet den Infostand in der Adalbertstraße ziemlich irritiert. Was sie da machen, fragt sie die jungen Leute, die Deutschlandpläne, SPD-Kulis und Ulla-Äpfel verteilen. Steffi Stemmer lächelt freundlich, so als wäre es das Normalste von der Welt, nicht zu wissen, wann Bundestagswahl ist, und sagt: „Am Sonntag sind doch wieder Wahlen.”

Die Frau bedankt sich. „Ach so”, sagt sie, „tatsächlich?”

Debatten mit Nichtwählern

Natürlich findet die 17-jährige Gymnasiastin solch ein Nichtwissen schlimm. Aber drei Straßenwahlkämpfe in Folge haben sie gelehrt: „Das kommt vor.” Und es gibt Schlimmeres: „Es erschreckt mich mehr, wenn Leute bewusst nicht wählen gehen”, sagt Stemmer. „Mit denen diskutiere ich auf jeden Fall.”

Dieser Satz könnte auch von Markus Schmidt-Ott stammen, auch wenn der 20-jährige Student und die 17-jährige Schülerin politisch nicht viel gemeinsam haben. Während sie für Ulla Schmidt wirbt, verteilt er Flyer des CDU-Bundestagskandidaten Rudolf Henke - und hat bisweilen auch mit notorischen Nichtwählern zu kämpfen. „Ich versuche dann zu erklären, dass eine Demokratie von den Wählern lebt”, erzählt Schmidt-Ott. Doch das hat Grenzen: „Ich diskutiere gerne mit Interessierten, aber bei einer absoluten Anti-Haltung macht das keinen Sinn.” Was auch die junge SPD-Wahlkämpferin unterschreiben könnte - aus Erfahrung.

Am Sonntagabend - wenn die, die wählen gehen, entschieden haben - werden die ersten Worte auf den großen Berliner Bühnen auch Stemmer und Schmidt-Ott gelten. Egal ob Sieg oder Niederlage, egal ob CDU oder SPD, dem „Parteivolk” wird gedankt. Warme Worte gibt es dann für die „vielen Helfer da draußen im Lande”.

Bis dahin stehen die beiden meist im Schatten ihrer Kandidaten und für diese oft genug im Regen. Sie sammeln Stimmen auf der Straße und sorgen für Stimmung in den Sälen. Und manchmal, wenn auch sehr selten, kassieren sie für ihr Engagement auf der Straße sogar blöde Sprüche.

Warum sie das tun oder sich das antun? Wo doch nur ein Viertel ihrer gleichaltrigen Mitschüler, wie Gymnasiastin Stemmer schätzt, das politische Tagesgeschehen verfolgt? Und sich maximal eine Handvoll tatsächlich engagiert? „Ein Wahlkampf ist doch eine tolle Gelegenheit, sich einzubringen”, hält Schmidt-Ott dem entgegen. „Und wenn man sich engagiert, kann man viel mehr bewegen, als man denkt.”

Auf dem Weg zur Polit-Karriere?

Das hat er schon als Schülersprecher festgestellt und auch seit seinem Eintritt in die Junge Union einiges bewegt. Schmidt-Ott ist jetzt JU-Vorsitzender und leitet Henkes Wahlkampfteam. Er macht Polit-Schulungen in Berlin, hat gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rheingold-Express kennengelernt. Kandidiert er das nächste Mal schon für den Stadtrat? Der junge Mann lacht. „Das sind doch noch fünf Jahre”, sagt er. Ein Dementi klingt anders.

Zum Beispiel so wie bei Steffi Stemmer: „Ich werde sicher nicht direkt eine Parteikarriere einschlagen”, sagt die Schülerin, die erst vor zehn Monaten bei SPD und Jusos anfing und nun auch schon das Wahlkampfteam mit organisiert. „Ich finde nämlich, Politiker sollten in jedem Fall auch etwas anderes gemacht haben.”

Aber ob nun mit oder ohne politischen Karriereplan: Das Wahlkämpfen macht beiden richtig Spaß - weil die positive Resonanz deutlich überwiegt. Und weil es diese Momente gibt, über die man sich freut, die haften bleiben. Bei Markus Schmidt-Ott zum Beispiel dieser Mann, der sich von ihm haarklein die soziale Marktwirtschaft erklären lassen wollte. Und bei Steffi Stemmer diese Bürgerin, die nach einem Hausbesuch meinte: „Ich finde es toll, dass sie vorbeigekommen sind.” Es sei dieses Gefühl, etwas machen und erreichen zu können, was sie antreibe, erzählt die Schülerin.

Erreichen werden beide bis Sonntag jedenfalls eines: Ein paar Leute mehr werden wissen, dass Bundestagswahl ist. Und vielleicht sogar wählen gehen.
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