Wie sich Iraker Christen ein neues Leben aufbauen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Im Irak zuvor bedroht und verfolgt, in Aachen mit neuer Perspektive: (v.l.) Linda Esho mit Youssef Karaki (Pate der Save-me-Kampagne), Faeza Esho und Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Faeza Esho hat gebacken. Und ohne Tee lässt sie nicht einmal den Fotografen zum nächsten Termin. Faeza genießt es sichtlich, wieder einmal Gäste bewirten zu können. In ihr Haus in Bagdad kamen – bevor sie selbst das Land verlassen hat – allerdings zuletzt mehr Verletzte als Gäste. Als Krankenschwester hat sie die Erstversorgung von Anschlagsopfern übernommen. In ihrer Wohnung am Kronenberg erinnert daran nichts – der Irak ist weit weg. Zum Glück.

Faeza Esho, ihr Sohn Freddy, ihre Schwester Linda und deren fünfköpfige Familie haben in Aachen ein neues Zuhause gefunden. Sie sind Flüchtlinge, die vom UNHCR – der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen –als besonders schutzbedürftig ermittelt wurden (siehe Info-Box). Ihre neue Heimat ist Deutschland. Hier fühlen sie sich endlich wieder sicher.

Ständige Explosionen und Anschläge – die Nachrichtenbilder aus dem Irak berühren heute fast keinen mehr. Für Linda und Faeza waren es aber nicht nur Bilder. Schon lange ist keiner mehr der Eshos in der Kirche gewesen – zu gefährlich. Freddy wurde auf dem Schulweg verletzt. „Zum Glück nur leicht“, sagt Faeza. Lindas Mann wurde von „ausländischen Terroristen“ auf der Straße angehalten. Er solle die Gegend innerhalb von zwei Tagen verlassen, sonst bliebe es nicht bei Schlägen, wurde ihm gesagt, während er zusammengeschlagen wurde. „Er hatte Glück, dass er nicht gleich erschossen wurde“, meint Linda.

In aller Eile habe die Familie mit vier Kindern zwischen damals sechs und 16 Jahren schließlich ein paar Sachen zusammengepackt und sei zunächst in den Nordirak zu Verwandten gefahren. Doch als Christen waren sie dort auch nicht sicher. So sind sie weiter über die Grenze in die Türkei.

Faeza war da schon im Rahmen einer Ad-hoc-Aufnahme mit Freddy nach Deutschland gekommen.

Der UNHCR hat die ganze Familie Esho als besonders schutzbedürftig eingestuft. Zum einen weil sie der christlichen Minderheit im Irak angehören, zum anderen weil sie persönlich bedroht wurden. „Nur ein bis zwei Prozent aller Flüchtlinge bekommen diesen Status“, weiß Ingeborg Heck-Böckler. Sie ist die Landesbeauftragte NRW für politische Flüchtlinge von Amnesty International und betreut zusammen mit dem Katholikenrat in Aachen die „Save me“-Kampagne. Dort können sich Aachener als Paten für so genannte Resettlement-Flüchtlinge melden, um ihnen hier den Aufbau eines neuen Lebens zu erleichtern.

Familie Esho ist da auf einem guten Weg: Linda geht jeden Tag in die Kirche in ihrem neuen Wohnort Kornelimünster. Faeza bevorzugt den Dom. Für die Schwestern ist es eine seelische Erleichterung, beten zu können ohne Angst vor Bomben oder Schüssen.

Alle Kinder gehen zur Schule. Auch der jüngste Spross, Waseem, kommt langsam zur Ruhe. Noch ist nicht ganz klar, warum der Achtjährige nicht spricht. Sind es die Ohren oder hat ihm doch etwas Traumatisches die Sprache verschlagen? „Er wird gut versorgt. Das ist das wichtigste“, sagt Mutter Linda. Hohe Ansprüche ans Glück haben die Schwestern nicht: „Wir sind erleichtert, dass wir endlich wieder in Sicherheit leben können und unsere Kinder eine gute Zukunft haben. Wir stehen an zweiter Stelle“, antwortet Linda auf die Frage, was sie sich für ihr Leben in Deutschland erträumt.

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