Aachen - Wie Kaiser Karl auch die Kinoleinwand eroberte

Wie Kaiser Karl auch die Kinoleinwand eroberte

Von: Matthias Hinrichs
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Dreharbeiten für das Doku-Drama über Karl den Großen im Weltkulturerbe: Im Oktogon kam sogar eine Helikopterkamera zum Einsatz. Doch der Flug-Roboter stürzte plötzlich ab. der Bereich um den Barbarossaleuchter war zum Glück vorher zur „Flugverbotszone“ erklärt worden.

Aachen. Der erste richtige Absturz kam lange bevor der große Herrscher und sein Gefolge die Alpenhöhen Richtung Rom überqueren sollten – jedenfalls, wenn man die Chronologie der Filmemacher zugrunde legt. Ausgerechnet am Rosenmontag – und mitten im (fast) völlig menschenleeren Aachener Dom.

Christoph Weber erinnert sich auch mehr als ein Jahr danach mit leisem Schaudern. Heute freilich kann er über sein erstes Abenteuer in Sachen „Karl der Große“ auch ein wenig schmunzeln. Seit ein paar Wochen ist Karl, um es mal salopp zu sagen, komplett im Kasten. Als Weltpremiere wird das große Doku-Drama rund um den berühmtesten Ahnen der Aachener Anfang kommender Woche im Cineplex präsentiert, bevor es am 20. April beziehungsweise am 1. Mai bei Arte und in der ARD über die Mattscheibe flimmert.

„Ich glaube, es waren sogar die allerersten Szenen, die wir überhaupt für ,Karl der Große‘ gemacht haben“, erzählt Drehbuchautor Weber. Machen wollten, um genauer zu sein. Am höchsten rheinischen Feiertag nämlich hatte das Team der Kölner Firma Taglicht Media, das die aufwendige Geschichte aus der Geschichte im Auftrag des WDR und des österreichischen Senders Servus TV produziert hat, dem ehrwürdigen Münster eine exklusive Visite abstatten dürfen.

„Wir haben einen Kamerahubschrauber eingesetzt, um einzigartige Bilder aus der Kuppel des Oktogons einzufangen“, erinnert sich Weber, der auch für die technische Umsetzung des halbdokumentarischen Leinwandwerks an der Seite von Chefproduzent Bernd Wilting zuständig war. „Selbstverständlich war der Bereich rund um den unersetzbaren Barbarossaleuchter dabei Flugverbotszone“, berichtet Weber. „Und das war auch gut so!“ Denn als die meisten Aufnahmen längst „im Kasten“ waren, schmierte der achtarmige Rotor unversehens ab – die heikle Thermik in schwindelnder Höhe spielte nicht so perfekt mit, wie Regisseurin Gabriele Wengler und Chefproduzent Bernd Wilting sich das vorgestellt hatten. Die spektakulären Perspektiven schafften es nicht bis zum Schneidetisch – die Bilder erwiesen sich wegen der tückischen Turbulenzen unterm prachtvollen Dach des Doms als allzu verwackelt.

Künstlerpech. Reichlich entschädigt wurden die Kölner rund um die alte Kaiserpfalz trotzdem. In der Domschatzkammer durften sie einem Ereignis beiwohnen, von dem mancher waschechte Öcher bis heute träumt. Die Karlsbüste wurde geöffnet, damit die Kameras einen Blick auf den legendären Schädelknochen des Frankenherrschers werfen konnten. Einige Gebeine aus dem Karlsschrein hatten die Filmemacher bereits vorher von ausgewiesenen Experten analysieren lassen, um die tatsächliche Körpergröße Karls zu ermitteln – unter ihnen Professor Dr. Bernhard Blümich vom RWTH-Institut für Techische und Makromolulekare Chemie und Dr. Frank Rühli von der Uni Zürich.

Mittlerweile ist damit hinlänglich belegt, dass Karl seine Zeitgenossen um einen guten Kopf überragte – rein physisch. „Zuerst wollten wir einen möglichst prominenten Star als Hauptdarsteller“, erzählt Weber. „Allerdings wollten wir ihn nicht, wie weiland Humphrey Bogart, auf ein Höckerchen stellen.“ Und inzwischen sei man froh, weniger „vorbelastete“ Akteure für die gespielten Szenen gewonnen zu haben, sagt auch WDR-Redakteurin Beate Schlanstein, die das 2,6-Millionen-Projekt über drei Jahre maßgeblich betreut hat. „Als ich das Konterfei des Hamburger Schauspielers Alexander Wüst das erste Mal vor Augen hatte, war ich sofort begeistert“, sagt sie. „Ich dachte: Das ist das Gesicht, wie man es von der Karlsbüste her kennt.“ Wüst (39) verfügt zudem übers Gardemaß von 195 Zentimetern Körpergröße; er sei nicht nur ein vielseitiger Darsteller, der auch die dunklen, brutalen Seiten des Machtmenschen und Frauenhelden Karl ideal verkörpern könne, sondern auch im Wortsinne mehr als sattelfest, schwärmt die Redakteurin.

„Karl“ war nicht im Dom

Zumindest im Gewand des Stadtpatrons hat der Mime den Aachener Dom allerdings nie betreten. Die gespielten Szenen des Dokudramas – sie machen etwa 80 Prozent der rund zweieinhalbstündigen Langversion aus – wurden im vergangenen Sommer vor allem auf der Seiseralm in Südtirol und auf den österreichischen Burgen Rappottenstein und Liechtenstein gedreht. Macht nix. Dafür wissen die Aachener den echten Karl auf immerdar im Herzen ihrer Stadt. Ganz ohne Absturzgefahr.

 

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