Wie Integration verbessert werden kann

Von: Martina Stöhr
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Wie kann man Integration verbessern? In einem speziellen Seminar haben sich Frauen mit Migrationshintergrund Gedanken gemacht und ihre Ideen im Integrationsausschuss vorgetragen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sie kamen als Migrantinnen nach Aachen und wollen hier Fuß fassen. Deshalb machten sich 16 Frauen aus Ländern wie Syrien, Albanien oder Marokko im vergangenen Jahr in einem speziellen Seminar Gedanken darüber, was Integrationspolitik in Deutschland besser machen kann.

Kostenlose Sprachkurse auch auf hohem Niveau, die doppelte Staatsbürgerschaft und die unbürokratische Anerkennung von internationalen Zeugnissen und Titeln sind die Punkte, die ihnen besonders wichtig sind. „In Deutschland muss niemand verhungern“, sagt Esmeralda Sykja aus Albanien. „Aber es reicht uns nicht, nur zu essen und zu schlafen. Ich bin jung, ich bin gesund, ich will arbeiten“, meint sie weiter. Gemeinsam mit sieben weiteren Frauen besuchte sie am Mittwoch den Integrationsausschuss im Rathaus, um ihre Handlungsempfehlungen an die Politik weiterzugeben.

Die SPD-Ratsfrau Ye-One Rhie ist begeistert von dem, was sich da entwickelt hat. Sie hat seinerzeit das Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit dem Gleichstellungsbüro, der Werkstatt der Kulturen und der Quartiersmanagerin für Aachen-Ost und Rothe Erde der Stadt Aachen initiiert. 16 Aachenerinnen mit Migrationshintergrund nahmen daran teil und brachten ihre Vorstellung von einer gelungenen Integration ein.

Dabei zeigte sich laut Rhie sehr schnell, dass die meisten Frauen eine ganz spezielle Haltung zur Politik haben. „Frauen und Politik, das gehört bei uns nicht zusammen“, meint beispielsweise Esmeralda Sykja. Und in Syrien sei es sogar gefährlich, über Politik zu sprechen. Das sei ein Tabuthema, ergänzen die, die aus Syrien kommen. Dass in Deutschland die freie Meinungsäußerung nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist, daran müssen sich viele Frauen erst gewöhnen.

In einem offenen Brief an die Politiker haben sie nun ihre Wünsche formuliert. Dabei haben sie die Bereiche Arbeit, Leben, Chancen und Politik berücksichtigt. „Im Grunde wollen sie das, was wir uns auch wünschen“, meint Roswitha Damen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen. Denn in erster Linie geht es ihnen darum, die Hemmnisse zu beseitigen, die eine Integration erschweren. Formulare in einfacher Sprache beispielsweise könnten dabei helfen, die bürokratischen Hürden besser zu bewältigen.

Überhaupt ist Bürokratie ein ganz großes Thema: Esmeralda Sykja musste nach eigenen Angaben eine Ewigkeit auf eine Fortsetzung ihres Sprachkurses warten. Ebenso wie sie wissen alle anderen auch, dass die Sprache der Schlüssel zum Erfolg ist. Was aber tun, wenn ein Sprachkurs auf C1-Niveau über 1000 Euro kostet, aber unbedingt notwendig ist, um ein Studium an der RWTH aufzunehmen? „Kein Migrant hat so viel Geld“, meinen die Frauen und fordern kostenlose Sprachkurse auch auf hohem Niveau.

Viele von ihnen sind hoch qualifiziert, müssen in Deutschland aber dennoch bei Null anfangen. „Jetzt bin ich nur noch eine kleine Schülerin“, sagt die 65-jährige Siham Salim mit Blick auf den Sprachkurs, den sie gerade besucht. In Damaskus war sie über 25 Jahre Schulleiterin einer Grundschule. Jetzt ist sie Rentnerin, würde aber dennoch gerne arbeiten und helfen.

Trotz aller Kritik betonen alle immer wieder, wie gut es ihnen in Deutschland geht. Sie sind in Sicherheit und es ist zu spüren, dass sie das zu schätzen wissen. Im Kontakt mit den Aachenern würden sie sich eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen wünschen. „Es kann nicht immer nur heißen: ‚Ihr müsst dieses und jenes tun, um euch zu integrieren‘“, meint Ye-One Rhie. Schön wäre eben auch, wenn die Aachener sich im Gegenzug interessiert an der Kultur der Migranten zeigen würden.

Auftritt im Integrationsausschuss

Bei ihrem Auftritt im Integrationsrat haben die Frauen eine Liste ihrer Ideen vorgestellt. „Mit einigen Inhalten werden wir uns in naher Zukunft auseinandersetzen“, sagt Integrationsratsvorsitzende Paola Blume. Außerdem wurde den engagierten Frauen nahegelegt entsprechende Anträge für die Unterstützung ihrer vielversprechenden Projekte an den Integrationsrat zu stellen.

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