Aachen - Wie die Stadt Jecken von der neuen Bühne schmiss

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Wie die Stadt Jecken von der neuen Bühne schmiss

Von: Robert Esser
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Erst leer, dann voll: Dank „Sicherheitsbegehung“ mit OB Marcel Philipp konnte der Karnevalsauftakt noch über die Bühne gehen. Foto: Michael Jaspers, Robert Esser
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Erst leer, dann voll: Dank „Sicherheitsbegehung“ mit OB Marcel Philipp konnte der Karnevalsauftakt noch über die Bühne gehen. Foto: Michael Jaspers, Robert Esser
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Erst leer, dann voll: Dank „Sicherheitsbegehung“ mit OB Marcel Philipp konnte der Karnevalsauftakt noch über die Bühne gehen. Foto: Michael Jaspers, Robert Esser

Aachen. Mit Pauken und Trompeten untergegangen wäre der Karnevalsauftakt – fast. Denn kurz vor 11.11 Uhr hatten Bedienstete der städtischen Bauordnung mal eben die nagelneue (und dem Amt wohl zu spät gemeldete) Bühne am Kugelbrunnen gesperrt; wegen Sicherheitsmängeln der Dachverankerung in absoluter Windstille. Kein Witz.

Wo jahrelang ein abgewrackter Anhänger unbehelligt als Wackelbühne bevölkert worden war, zogen nämlich plötzlich allerneueste Baurichtlinien. Alaaf!

So fand das Vorprogramm zum 11.11. auf dem Willy-Brandt-Platz zwangsläufig erstmal vor der (komplett leeren!) Bühne statt. Kommentar des verantwortlichen Veranstaltungstechnikers Ed Spronck: „Was sich das Bauordnungsamt gerade in Aachen leistet, ist wirklich die größte Lachnummer Deutschlands – die kriegen alles kaputt kontrolliert, obwohl hier natürlich alles seine Ordnung hat.“ Die Stadt hingegen erklärte am Abend, ihre Mitarbeiter seien penibel den Vorschriften gefolgt. Es habe Mängel gegeben, und kein Prüfbuch.

Mit Bravour als Frohnatur rettete Oberbürgermeister Marcel Philipp den bauordnungsrechtlich verordneten Schlamassel. Die „rheinische Lösung“: Erst betrat er selbst – quasi verbotswidrig – die Bühne, die seine eigenen Mitarbeiter zuvor aus dem Verkehr ziehen wollten. Dann kündigte er „aus Sicherheitsgründen“ an: „Ich schlage vor, wir machen jetzt eine offizielle Begehung der Bühne.“ Der Schachzug hätte einen Tusch verdient.

Der schepperte dann zigfach ab 11.11 Uhr mit Prinzen, Hofstaat, dem Elferrat des Aachener Karnevalsvereins (AKV) und einigen Dutzend pratschjecken Karnevalisten über den Platz – sehr zur Freude von knapp 1000 leider meist unkostümierten Narren. Wer mehr bunte Kostüme sehen wollte, hätte am frühen Morgen vor dem Aachener Hauptbahnhof aufmarschieren müssen. Von dort zogen Clowns, Cowboys und Kölsch-Fans in Scharen Richtung Rhein-Metropole.

Dabei hatten sich der neue Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), Frank Prömpeler, und sein Vorstand viel einfallen lassen, um das noch von Vorgänger Wilm Lürken (jetzt AAK-Ehrenpräsident) verantwortete Programm erstmals angemessen in Szene zu setzen.

Dank OB durften Aachens designierter Prinz Michael II. Kratzenberg, Märchenprinz Paul III. Hahn, die Oecher Stadtmusikanten, Hans Montag, Dr. Kurt Christ und einige mehr tatsächlich auf der Bühne die schunkelnde Masse in Stimmung wiegen. Karnevalistische Größen wie die 4 Amigos blieben traditionell fern. Vielleicht nächstes Jahr...

Trotz der städtischen Bemühungen, das närrische Treiben im letzten Moment vorschriftsgemäß zu unterbinden, kann man den Karnevalsauftakt 2015 als Zäsur feiern. Der umformierte AAK und seine Mitgliedsvereine bringen frischen Schwung.

Dass die kürzeste Session seit Jeckengedenken bis Aschermittwoch am 10. Februar jede Menge Spaß verspricht, nimmt man Michael II. schon vor seiner Proklamation (8. Januar) ab: Getreu seinem Motto „Tierisch jeck, för der joue Zweck!“ lieferte er voller Elan einige Hörproben der neuen Prinzen-CD (www.oecherprinz.de).

Sogar die Polonaise verkraftete die Bühne unbeschadet. Wonach sich das Bauordnungsbühnenüberprüfungspersonal verdrückte – sang- und klanglos.

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