Wie die Römer würfelten

Von: chc
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Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eigentlich hätten die Römer an Frank Wiesenberg komplett vorbeigehen müssen. „Wenn ein Interesse da war, dann hat der Lateinunterricht in der Schule es im Keim erstickt”, sagt er zwischen den Vitrinen in Burg Frankenberg, in denen Exponate über „Die römischen Thermen von Aachen” informieren.

Aber mit einer neuen Liebe blühte auch Wiesenbergs Interesse an der Antike neu auf, oder besser gesagt: Es blüht zum ersten Mal auf.

Seine damalige Freundin hatte eine Leidenschaft für Archäologie, und die hat sich irgendwie auf ihn übertragen. Die Freundin ist Geschichte. „Aber das Hobby ist geblieben”, sagt Wiesenberg und grinst. Und deswegen steht er an diesem Tag in der Burg Frankenberg.

In Sachen Mütze

Wiesenberg steht nicht irgendwie da, sondern als Quintus Vetinius Verus, ein Bild von einem Römer. Seit gut 15 Jahren bereist Wiesenberg, 39, Museumsfeste in ganz Europa. Stets möchte er sein Publikum davon überzeugen, wie aufregend die Antike sein kann. Vielleicht ist das ja seinem schlechten Lateinunterricht zu verdanken.

In der Burg Frankenberg lädt Wiesenberg Kinder zu einer Partie Tris, so nannten die Römer das Mühlespiel, oder Ludus Latrunculorum, einem im römischen Reich beliebten Strategiespiel. Mühe, Mitspieler zu finden, hat Wiesenberg nicht. Denn Würfelspiele stehen bei Kindern nach wie vor hoch im Kurs.

Die Spielbretter sind aus Dachziegeln gefertigt, die Steine und Figuren aus durchsichtigem und bernsteinfarbenem Glas. Alles ist echten Fundstücken nachempfunden, nur von den Dachziegeln hätten sogar einige antike Römerhäuser bedeckt, sagt Wiesenberg.

Dem achtjährigen Daniel, der sich mit Kumpel Vito, 9, im Tris misst, ist das gerade ziemlich egal. „Da nicht! Das geht nicht”, sagt Daniel. „Aber ich habe doch schon einen weggenommen”, sagt Vito. Es ist schwer vorstellbar, dass die Dialoge der Antike sehr viel anders verliefen.

„Living History” nennt Wiesenberg sein Konzept, bei dem es darum geht, Geschichte zu begreifen. Dazu gehört auch, dass Wiesenberg hellbraune Ledersandalen im Stil der römischen Provinzen und eine beige Leinentunica trägt, deren blaue Streifen zeigen, dass er Inhaber des römischen Bürgerrechts ist. Der blonde Pferdeschwanz ragt unter einer blauen Filzmütze hervor. Überhaupt Mützen, das sei so ein Thema. „Es existieren keine Funde und auch keine schriftlichen Vermerke. Nur Abbildungen”, sagt Wiesenberg. In Sachen Mütze müsse er deswegen ein wenig spekulieren.

Bei aller Faszination: Wiesenberg ist froh, dass er nicht im antiken Rom geboren wurde. „Es gibt so einige Details, die die Moderne sehr angenehm machen”, sagt er und zeigt ein Stockschwämmchen, den Vorläufer des Toilettenpapiers.
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