Wie der Kirchenkreis sein Kreuz schultert

Von: Matthias Hinrichs
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Ein Gläschen auf den zehnjährigen Schulterschluss: Mit dem Vorstandsvertreter der rheinischen „Landesmutter”, Dr. Moritz Linzbach, zahlreichen Mitarbeitern und Freunden feierten Edgar Wasselowski, Hans-Peter Bruckhoff, Andreas Hinze und Hans Puchert vom Vorstand der Diakonie im Kirchenkreis Aachen (v.r.). Foto: Schmitter

Aachen. Auch in Bezug auf „kirchliche Kreise” ist der Begriff Fusion wahrlich nicht nur im positiven Sinn strapaziert worden. Dennoch: Vor zehn Jahren haben die Diakonien Aachen-Nord, Eifel und Aachen-Stadt den Schulterschluss im neuen, gemeinsamen Kirchenkreis Aachen gewagt - mit großem Erfolg, wie die Verantwortlichen bilanzieren.

Will sagen: Der Radius ist gewachsen - sein Mittelpunkt bleibt derselbe: „Dass der Mensch im Zentrum steht - diesen Anspruch erheben viele”, so formulierte es der erste Redner vor zahlreichen Gästen bei der Feierstunde im Haus der Diakonie an der Frère-Roger-Straße. „Aber wir erfüllen ihn mit Leben, weil unsere Arbeit auf den Werten christlicher Tradition beruht”, sagte Dr. Moritz Linzbach vom Vorstand des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Wie aber kann der Auftrag praktisch verstandener Nächstenliebe in den Hilfs-, Beratungs- und Pflegeeinrichtungen auch künftig effektiv umgesetzt werden, seit private Anbieter den Wettbewerb um „Kunden” und Mittel auf dem Pflegesektor massiv angeheizt haben? Kann die evangelische Kirche diesem Druck angesichts notorisch schwindsüchtiger Steuerkassen standhalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer lockeren Gesprächsrunde, zu der AZ-Redakteur Ralph Allgaier neben Superintendent Hans-Peter Bruckhoff die Bundestagsabgeordnete und Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, den stellvertretenden Städteregionsrat Dr. Thomas Griese und den Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram begrüßte.

Klarer Appell an die Politik

Bruckhoff beantwortete sie mit einem klaren Appell an die Politik: „Selbstverständlich akzeptieren wir die Vielfalt der Träger. Aber die Kontrolle lässt nach wie vor zu wünschen übrig, wenn es um die Qualität auch der Fürsorge, der menschlichen Zuwendung bei manchen privaten Anbietern geht.” Bruckhoffs Vorwurf, dass die Bundesregierung(en) die Wohlfahrtsverbände - anders als etwa die Energieriesen oder großen Banken - eben nicht an den „Runden Tisch” bitte, wies Schmidt indes zurück.

„Wir haben immer intensiv mit allen Beteiligten gesprochen, wenn es etwa um die Reform der Pflegeversicherung ging. Was wir nach wie vor brauchen, ist ein wirklich solidarisches und gerechtes Finanzierungssystem, das auch die privat Versicherten einbezieht.”

Der Befürchtung, dass die öffentlichen Hände die kirchlichen Verbände durch „Umverteilung” von Angeboten gleichsam abwatschen könnten, trat auch Griese entgegen. „Wir haben in der Städteregion durch Leistungsvereinbarungen Planungssicherheit gegeben. Wir verhandeln auf Augenhöhe mit den Wohlfahrtsverbänden. Wir betrachten sie als unersetzliche Partner - nicht nur im Dienstleistungsbereich.”

Aber: „Wie sollen wir weitere Garantien geben, wenn der Bund immer mehr soziale Kosten auf die Kommunen abwälzt, bei Beschäftigungsprogrammen kürzt?” Und: „Wir brauchen Mindestlöhne und bessere Überwachung der Standards in allen sozialen Bereichen.”

Allein: Dass es ohne die Wohlfahrtsverbände - nicht zuletzt als Organisatoren unverzichtbaren ehrenamtlichen Engagements - schlichtweg nicht geht, unterstrich auch Rudi Bertram. „Wir haben gesehen, dass die Regierung immense Summen zur Verfügung stellen kann”, sagte er in Anspielung auf die jüngste Bankenkrise.

„Bereit sein, mehr zu streiten”

„Bei uns klopfen die Leute an und wollen Antworten. Deshalb müssen wir auch bereit sein, wieder mehr zu streiten” - gerade, wenn es um den akut gefährdeten sozialen Frieden „vor Ort” gehe. Bertram: „Zurzeit bleibt mir schlicht nichts anderes übrig, als weitere städtische Kredite aufzunehmen, um ihn zu erhalten.”
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