Wie Aachener das Rad neu erfinden

Von: Robert Esser
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Jens Rohdenburg hat an der FH Aachen Produktdesign studiert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn zwei junge Menschen erzählen, sie hätten gerade das Rad neu erfunden, fragt man sich, ob die nicht eher eine Schraube locker haben. Bis man dieses Duo trifft. Sven Fischer und Jens Rohdenburg haben an der FH Aachen Produktdesign studiert. Jetzt hockt einer der beiden auf einem Fahrrad, das man so wohl wirklich noch nie gesehen hat: der „Shocker Chopper”.

„Es geht darum, dass bei deinen Freunden die Kinnlade fällt und deine Nachbarin nur den Kopf schüttelt”, sagt Fischer. „Das ist natürlich nichts für jedermann - und auch nichts für schwache Nerven: ein Fahrrad, so einzigartig wie eine Harley-Davidson”, fügt Rohdenburg hinzu. Das Design könnte kaum puristischer sein: hinten niedrig, vorne hoch; tiefe Sitzposition, kurzer Querlenker - und dazwischen ein Rahmen in Trapezform und einigen rechten Winkeln. Kein Schnickschnack, stattdessen eine eingeschweißte Stahlplatte - genau da, wo beim Motorrad der Tank thront.

Monatelang getüftelt

Monatelang tüftelten Fischer und Rohdenburg an dem Design, das nicht nur ungewöhnlich augenfällig, sondern auch funktional werden sollte. „Schließlich soll man mit dem Shocker Chopper auch radeln können”, betont Fischer. Deswegen gibt´s eine moderne Acht-Gang-Shimano-Nexus-Nabenschaltung, eine Doppelbrückengabel - und eine Rücktrittbremse. Eine Vorderradbremse fehlt, genauso wie Rücklicht und Schutzbleche. Nur vorne glüht eine wohlgeformt kleine Lampe.

„Man muss deutlich sagen, dass unser Chopper voll funktionstüchtig ist, aber nach der Straßenverkehrsordnung nicht zugelassen ist - und auch keinen TÜV hat”, erklärt Rohdenburg. Vom Fahren auf der Straße hält das erfahrungsgemäß die wenigsten ab. Für Geschwindigkeitsrekorde ist das Rad nicht konzipiert - auch wegen der wuchtigen Reifen auf der 80 Millimeter breiten Hinterradfelge. „Das Rad ist zum geschmeidigen Cruisen gedacht - und für den großen Auftritt.”

Ob das Rad die beiden FH-Absolventen zu mehrfachen Millionären wie den Gründer von http://www.fahrrad.de macht, darf bezweifelt werden. Trotzdem setzen die jungen Unternehmer mit ihrem Team Tentakulus - einem Büro für Produkt- und Raumgestaltung - und der eigens gegründeten Firma „Eleven Bikes” auf Direktvertrieb via Internet. Allerdings sind die Stückzahlen streng begrenzt.

„Sonst geht die Exklusivität verloren.” Nur 111 „Shocker Chopper” in Blaugrau lassen die Designer in einem Regensburger Betrieb in Handarbeit herstellen. Zubehörteile wie der handgenähte Brooks-Ledersattel kauft das Team auf dem internationalen Markt. „Jedes Bike ist ein absolutes Einzelstück - von Hand geschweißt und montiert”, sagt Fischer. „So schnell wird uns das europaweit keiner nachmachen können, die Technik ist komplex. Und wenn die Chinesen irgendwann ein Plagiat rausbringen, darf uns das herzlich egal sein”, lacht er.

Die Handarbeit hat es den kreativen Köpfen angetan. Beide absolvierten vor ihrem Studium eine Lehre als Tischler. Deswegen kreieren die Produktdesigner nicht nur Fahrräder: Ihr Erfindungsgeist brachte bereits Messestände, Lampen, Holzspielzeug und Sitzmöbel hervor. Experimentiert wird in einem Atelier im Kunst und Kulturzentrum (KuK) Monschau. Ihr Team Tentakulus und „Eleven-Bikes” sitzen in einer alten Poststation an der Vaalser Straße.

Dort wollen sie nun mindestens vier völlig unkonventionelle Design-Fahrräder pro Jahr entwickeln und in Kleinstserien auf den Markt bringen. Im Internet wurde ihr „Shocker Chopper” über Google bereits 12.000 mal verlinkt. Und vergangene Woche haben sich sogar Interessenten aus Korea bei den Aachenern gemeldet.
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