Aachen - Wie 900 Meter zu 600 Euro werden

Wie 900 Meter zu 600 Euro werden

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Ist der Meinung, dass am Kronenberg in die falsche Richtung geplant wird: Anwohner Jörg Borgard möchte weniger Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, weil die teuer und nutzlos seien. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Darf es ein bisschen mehr sein? Vom Metzger lässt sich Jörg Borgard diese Frage wohl gefallen. Vielleicht auch von der Stadtverwaltung. Gar kein Verständnis hat er allerdings dafür, wenn die Verwaltung nicht fragt, sondern einfach ein bisschen mehr macht.

Jörg Borgard ist am Kronenberg groß geworden. Und er könnte sicher stundenlang über die Vorzüge des Wohngebiets sprechen, die ihn dazu gebracht haben, wieder dorthin zu ziehen. Derzeit hat Jörg Borgard aber andere Sorgen. Auf 900 Metern, zwischen der Einmündung Am Friedrich und dem Amsterdamer Ring, soll die Straße Kronenberg saniert werden. Für die Notwendigkeit hat Borgard vollstes Verständnis, schließlich „ist der Belag marode”.

Mehrmals eingeengt

Borgards Kritik zielt vielmehr auf die begleitenden Maßnahmen der Bauarbeiten. Nach derzeitiger Planung soll die Haupterschließungsstraße Kronenberg an mehreren Stellen eingeengt werden.

Die Verwaltung argumentiert, dass ihre bisherige Breite von 7,50 Metern für „die Verkehrsbelastung des Kronenbergs überdimensioniert” sei. Genau das sieht Borgard anders, bezieht sich dabei aber nicht auf die Menge der Fahrzeuge, sondern deren Ausmaße. „Zwei Busse im Gegenverkehr kommen jetzt schon nicht aneinander vorbei”, sagt er. Apropos ÖPNV: Ebenfalls geplant ist, die Bushaltestellen in Richtung Fahrbahnmitte zu verlegen. Das soll der Verkehrsberuhigung dienen, genau wie der Bau zweier Mittelinseln nordöstlich der Einmündung Am Backes sowie im Bereich der Bushaltestelle Am Neuenhof.

Borgard bezweifelt die Notwendigkeit ebenso wie den Nutzen. Er sagt: „Die zehn Gestörten, die hier jetzt schon schnell fahren machen das auch nach dem Umbau.” Daneben sei es schlicht ein finanzielle Frage. Gut 1,1 Millionen Euro kostet der Umbau. Er wird nicht nur das Stadtsäckel, sondern auch die Portemonnaies der Anwohner belasten. Laut Kommunalabgabengesetz muss Borgard voraussichtlich rund 600 Euro zahlen. „Die schnitz´ ich mir ja nicht einfach aus den Rippen raus”, sagt er.

Nun ist es ja nicht so, dass die Anwohner keine Möglichkeit hatten, Anregungen in die Planung einzubringen. Es gab zwei Bürgerinformationen zum Thema, Borgard war bei beiden und er wundert sich nun, warum die Wünsche der Anwohner nicht in die Planung einflossen. Borgard: „Da haben die Bürger in der Mehrheit gesagt: Macht uns die Straße hier neu und ein paar Mittelinseln.” Mehr nicht.

Stadtsprecher Axel Costard sagte dagegen auf Anfrage, dass es bei den Bürgerversammlungen sehr unterschiedliche Meinungen gegeben habe: „Es gab auch Leute, die gesagt haben: Alles soll bleiben wie es ist.” Einer von ihnen war Jörg Borgard. Und er blickt den Baggern, die noch im Herbst mit den Bauarbeiten beginnen sollen, mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. „Es muss nicht immer das Teure sein”, sagt er.

So entschied die Bezirksvertretung Mitte

Die Beibehaltung der vorhandenen Mittelinsel am Amsterdamer Ring schlug die CDU in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte vor.

Der Vorschlag, der auf den Anregungen der Anwohner basierte, fand in der Sitzung des Gremiums keine Mehrheit.

Die Einengung der Straße Kronenberg im Bereich Lisztstraße wollte die CDU ebenfalls aus der Planung streichen lassen. Auch das ohne Erfolg.
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