Widra-Gelände mit Bauherrenpreis ausgezeichnet

Von: Thorsten Karbach
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Industriearchitektur hat (mehr als) einen neuen Anstrich erhalten: Aus dem Widra-Gelände wurde eine Wohnanlage mit Platz für Pflegebedürftige Menschen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit Fantasie haben Florian Schweitzer und Michael Rau die alten Fabrikhallen gefüllt. Als sie das erste Mal das brachliegende Widra-Gelände zwischen Ostfriedhof und Joseph-von-Görres-Straße betraten.

Mit ihrer Fantasie konnten die Architekten von „Kaiser Schweitzer” und „Glashaus” als Arge Eifelstraße dann Bauherrn und Projektentwickler gewinnen und nun ist das Leben neben die Fauna zurückgekehrt.

Die Fauna ist der Verein der freien Alten- und Nachbarschaftshilfe und war frühzeitig an der Planung für die Fabrikhallen beteiligt, denn unter den 25 Wohneinheiten sind zwei Wohngruppen für pflegebedürftige Menschen, insbesondere Demenzkranke, die von den Fauna-Mitarbeitern ambulant versorgt werden.

Dort, wo früher Industriewaagen produziert wurden, leben jetzt in zwei Wohngruppen jeweils acht Menschen. Es gibt acht Zimmer, acht Bäder, einen Gemeinschaftswohnraum mit Küche und eine 24-Stunden-Kraft, die beim Kochen oder Waschen hilft - wenn Hilfe gefragt ist. So viel wie möglich bleiben die Menschen selbstständig. „Wenn einem alles abgenommen wird, rostet man doch”, sagt Schweitzer.

Die Menschen zahlen wie normale Mieter ihre Miete, die Hilfe ist Teil der Warmmiete. Wenn man so will als menschliche Wärme. Die ambulante Pflege wird dagegen hinzuorganisiert. Es ist ein Modell, dass auch bei Menschen mit Behinderung oder in Form von Außenwohngruppen von Kinderheimen zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Die Menschen wollen ihr eigener Herr bleiben, entscheiden, wer neben ihnen wohnt und was sie essen”, erklärt Schweitzer - in einem Pflegeheim wäre das so nicht möglich.

Rau und Schweitzer haben das neue Heim entworfen. Projektentwickler ist die Schleiff Denkmalentwicklung aus Erkelenz, Bauherr Edelhardt Schmidt aus Mönchengladbach. 5,3 Millionen Euro wurden auf 3463 Quadratmetern Fläche investiert, 25 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 2330 Quadratmetern sind entstanden. An der Eifelstraße gibt es zudem einen Neubau. Doch zunächst haben die Architekten Licht ins Dunkle gebracht. Sie haben Teile der Hallen wegreißen lassen, das Scheddach des Mittelbaus entfernt, um Licht in die restlichen Gebäude zu bringen. Dort wo früher gearbeitet wurde, haben die Bewohner nun ihre Gärten - und jeder einen einzelnen Eingang.

Die umgebaute Waagenhalle wurde von der Jury des „Deutschen Bauherrenpreises Modernisierung” als preiswürdig gewichtet. Projektentwickler und Architekten wurden nun in Berlin für das Wohnprojekt ausgezeichnet. Davor hatte es schon einen Landespreis gegeben. An den alten Widra-Fabrikmauern - die ältesten sind von 1900 - hatten sich immer wieder Architekten die Zähne ausgebissen. Alle Ideen, etwa die eines Supermarktes, sind gescheitert. Am Ende dienten die alten Hallen nur noch als Lagerräume. „Dabei war es ein kleiner Schatz, den wir hier gefunden haben”, sagt Rau, der der Fraktionssprecher der Grünen im Rat ist. Erhalten haben die Architekten die rote Ziegelfassade Richtung Eifelstraße, sie war immer der markanteste Bauteil. Der Rest war immer schon unscheinbar und verschwindet nun förmlich hinter neuem Putz.

Die Hülle erneuert

Wer nicht weiß, dass hier einmal eine Waagenhalle stand, der wird vermuten, es wären neue Reihenhäuser gebaut worden. Doch das sind sie nicht. Vielmehr wurde in die Fabrik eine Zwischendecke gezogen und die „Hülle” erneuert. Dach und Tragwerk sind aus industriellen Tagen. Dazwischen liegen Wohnungen, Terrassen, Parkplätze - alles ist wie in einer normalen Wohnanlage. Um sich dies so vorzustellen, war in der Tat viel Fantasie nötig.
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