Wichtiges Stück Zeitgeschichte könnte bald zugänglich werden

Von: Anja Klingbeil
Letzte Aktualisierung:
karlspreisbild
Noch unter Verschluss: Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreis-Stiftung, bewahrt die Akten des Direktoriums auf. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bis jetzt sind sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Sondern sicher abgeheftet im Archiv-Raum der Karlspreis-Stiftung an der Theaterstraße: die Akten und Protokolle des Karlspreis-Direktoriums.

„Wir bewahren hier die Akten auf, die uns vom Direktorium zur Verfügung gestellt wurden”, erklärt Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreis-Stiftung. Das sind zwar bei weitem nicht alle Protokolle, aber mehrere hundert Ordner, unscheinbar schwarz, stehen in den Regalen. Ein echtes Stück Zeitgeschichte, in dem viel Interessantes zu erfahren wäre. Wie etwa die Debatte des Direktoriums 1955 genau verlief, als Winston Churchill zum Preisträger auserkoren wurde. Aber auch, wer auf der Liste stand, aber nicht ausgezeichnet wurde.

Das könnte bald möglich sein: Das Bürgerforum appelliert an die Karlspreis-Stiftung, die Akten sowie Protokolle des Karlspreis-Direktoriums, die älter als 30 Jahre sind, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, heißt es in einer Beschlussvorlage. Antragstellerin ist Meike Thüllen: „Das wäre eine ganz wunderbare Möglichkeit der Auseinandersetzung. Ich denke, ich renne damit offene Türen ein.” Und tatsächlich scheint sich eine Wende abzuzeichnen. „Wir werden das sehr zeitnah, in unseren nächsten Sitzungen, behandeln”, sagte Dr. Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums, am Dienstag auf AZ-Anfrage. Bisher seien die Meinungen aus Reihen der Direktoriumsmitglieder eher differenziert gewesen, wie Linden vorsichtig formulierte. Dabei stellen Bundesministerien einschließlich Auswärtiges Amt sowie Länder und Kommunen ihre Akten auch nach drei Jahrzehnten der Öffentlichkeit zur Verfügung.

„Aber die Zeit ist reif, darüber zu sprechen”, betont der ehemalige Oberbürgermeister. Er selbst könne sich vorstellen, die Akten bis 1989 freizugeben. Ebenso sei eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Protokolle in Zusammenarbeit mit der RWTH möglich. „Wir sprechen über einen Zeitraum, den wir für politisch angemessen halten”, sagt Linden. Die jüngere Vergangenheit sollte dann aber weiter unter Verschluss bleiben. Auch um politische Verwicklungen zu vermeiden und noch immer in der Öffentlichkeit stehende Personen nicht in Misskredit zu bringen.

Eine Veröffentlichung würde auch der RWTH-Historiker Dr. Matthias Pape begrüßen. Der Karlspreis lasse Rückschlüsse auf das Aachener Selbstverständnis vor dem Hintergrund europapolitischer Entwicklungen zu, die das Direktorium mit seinen Entscheidungen gewissermaßen kommentiere. „Am meisten würde mich die interne Diskussion um die Preisverleihung an Bill Clinton interessieren, den ich ausgesprochen schätze, aber dessen europapolitisches Engagement ich nicht erkennen kann. Vielleicht sagen die Akten mehr als das Direktorium 2000.” Aber noch sind sie sicher im Archiv-Raum der Karlspreisstiftung verstaut.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert