Wichtige Unterstützung für ein vom Krieg gebeuteltes Volk

Von: Birgit Broecheler
Letzte Aktualisierung:
4679987.jpg
Medikamenten-Hilfstransport nach Syrien: Bei der Spedition Hammer werden die Waren im Gegenwert von 23 000 Euro für den Abtransport vorbereitet. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Krieg, Zerstörung und Gewalt: Wenn von Syrien die Rede ist, tauchen seit Monaten immer die gleichen Bilder auf. Für die syrischen Mitbürger in Aachen ist das ein Albtraum. Sie fürchten um ihre Angehörigen und Freunde. Nun wollten sie nicht länger tatenlos zusehen und sammelten Medikamente für Krankenhäuser.

Denn: „Es fehlt dort einfach an allem, um den vielen Verletzten helfen zu können“, resümiert Ali Aljalloud, Herzchirurg am Aachener Klinikum und Initiator der Hilfsaktion.

Schmerzmittel und Antibiotika

Medikamente und Material im Wert von 23.000 Euro kamen seit September zusammen. Vor allem Schmerzmittel, Antibiotika und Verbandsmaterial, aber auch OP-Geräte, acht Rollstühle und drei Rollatoren werden bereits in den kommenden Tagen mit logistischer Unterstützung der Aachener Spedition Hammer Richtung Syrien geschickt. „Mitte Januar werden die Sachen dann vor Ort sein“, hofft Markus Reissen, Islam-Experte bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Aachen und Mitbegründer der Initiative.

Die Idee für die Hilfsaktion entstand im September in der KHG, wo mehrere Syrer und Unterstützer ihre Kräfte bündelten. „Unsere Teilhabe am Arabischen Frühling war null, weil wir nicht vor Ort sein konnten“, erklärt der Architekt Yamem Abou Oun. „Aber wir mussten unbedingt etwas tun.“

Dank eines Berichts in unserer Zeitung, Plakaten und Flyern spendeten Aachens Bürger 8000 Euro. Durch günstige Einkaufsmöglichkeiten wurden diese in Medikamente im Wert von 23.000 Euro investiert. „Die Aachener haben die Aktion wirklich sehr unterstützt – obwohl es derzeit so viele Spendenaufrufe gibt“, lobt Markus Reissen. Für die logistische Unterstützung war Tim Hammer, Geschäftsführer der Aachener Spedition Hammer, sofort zu haben. Es ist längst nicht die einzige Hilfslieferung, die er auf den Weg bringt. Aber – findet er – „wir leben hier sehr behütet. Die Unterstützung für Hilfsbedürftige ist wichtig.“

Ein Journalist wird den Hilfskonvoi begleiten und dokumentieren. Mediziner Aljalloud will die Medikamente zusammen mit seinem Vater, zwei Ärzten und Apothekern vor Ort in Empfang nehmen. Er hofft, dass dadurch Menschenleben gerettet werden können. Selbst verlor er vor vier Monaten seinen Bruder im Krieg.

Nur ein Krankenhaus

Von der Lage in Syrien weiß Architekt Abou Oun zu berichten. Vor knapp drei Monaten war er in Aleppo: „Dort gibt es nur noch ein Krankenhaus, in dem lediglich Notversorgungen gemacht werden. Stationäre Aufnahmen sind nicht möglich.“ Das Assad-Regime habe viele Ärzte töten lassen, Krankenhäuser seien zusammen mit Bäckereien Anschlagsziele Nummer eins. „Die Menschen versuchen, den Verwundeten zu Hause zu helfen, aber es gibt keine Arzneimittel“, resümiert Abou Oun.

Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt lobt die Hilfsaktion und hofft: „Das ist erst der Anfang einer langfristigen Geschichte zwischen den Menschen hier und dort.“ Auch über eine mögliche Partnerschaft mit Aleppo habe man schon nachgedacht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert