Wettbüros wollen trotz Verbot Chance nutzen

Von: Robert Esser
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Billig: Geschäftslokale am Adalbertsteinweg sind bei Sportwetten-Anbietern gefragt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Damit Wettbüros auf dem Adalbertsteinweg keine Chance haben, ändert die Stadt den Bebauungsplan. Zwischen Kaiserplatz und Ostfriedhof sind danach neben Sportwetten auch Spielhallen, Sexdarbietungen und bordellartige Etablissements tabu. Trotzdem feiert am Adalbertsteinweg ein Tipico-Wettbüro Neueröffnung – und nur einen Steinwurf entfernt haben Geschäftsleute bereits dutzende Flachbildfernseher fürs nächste Sportwetten-Lokal angeschleppt.

Offenbar versuchen findige Kaufleute noch in letzter Minute, mit Wetten auf Fußball, Pferderennen, Eishockey und Co. Kasse zu machen. Denn der Bebauungsplan Nummer 951 befindet sich in der sogenannten „Offenlage“. Will sagen: Bis zum 21. März darf jeder Bürger die von der Politik beschlossenen Planänderungen im Verwaltungsgebäude am Marschiertor einsehen und Stellungnahmen abgeben. Erst danach wird das Änderungsverfahren abgeschlossen. Wer vorher eines der preiswerten – weil reihenweise leer stehenden – Ladenlokale am Adalbertsteinweg mit seiner Geschäftsidee besetzt, genießt Bestandsschutz. Voraussetzung: Das Wettbüro kann einen offiziellen Vertrag mit einem Sportwetten-Anbieter vorweisen, der eine der 20 Konzessionen besitzt, die der Gesetzgeber mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag für diese Branche vorgesehen hat. In Aachen existieren nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit zehn Wettbüros – die meisten davon in der Elsassstraße.

Abgesehen von der Änderung des Bebauungplans kann die Kommune die Eröffnung eines Wettbüros nur unter ganz bestimmten Umständen verhindern. Paragraf 22 der Glücksspielverordnung NRW liefert die Handhabe. Darin heißt es: „Die Erlaubnis zum Vermitteln von Sportwetten in Wettvermittlungsstellen darf nur erteilt werden, wenn die Wettvermittlungsstelle einen Mindestabstand von 200 Metern Luftlinie zur nächstgelegenen Wettvermittlungsstelle und zu öffentlichen Schulen und öffentlichen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe nicht unterschreitet.“ Warum die Behörden gemäß dieser Vorschrift nicht die Ansiedlung unmittelbar benachbarter Wettbüros in der Elsassstraße unterbunden hat, ist unklar.

Der jüngste Neuansiedlungsversuch am Adalbertsteinweg 55/57 – direkt neben einem Verwaltungsgebäude, in dem die Stadt unter anderem Schülerpraktika vermittelt – dürfte aber wohl scheitern. „Der Betreiber des Wettbüros müsste einen Bauantrag stellen, weil es sich um eine Nutzungsänderung handelt“, erklärt Axel Costard vom Presseamt. Bislang liege kein entsprechender Antrag vor. Falls er eingereicht wird, stehen die Chancen für die Zocker schlecht: „Dieser Bauantrag würde mit Hinweis auf das laufende Bebauungsplanverfahren abgelehnt werden“, teilt Costard mit.

Dennoch würde gegenwärtig kaum ein Anwohner darauf wetten, dass die Stadt jetzt den „Trading-Down-Effekt“ – die Abwärtsspirale durch Leerstände, Billigläden und Verwahrlosung der Häuser – am Adalbertsteinweg stoppt. Aber die Chance steigt.

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