Aachen - „Weststadt statt Weltstadt“: Aachen von 1914 bis 1929

„Weststadt statt Weltstadt“: Aachen von 1914 bis 1929

Von: Carolin Kruff
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Collagenartig informiert die Ausstellung der AKV-Sammlung über Aachens Grenzerlebnisse 1914-1929. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Manche Träne wurde verdrückt… Es ist ein rührendes Bild, wenn der in den Krieg ziehende Vater sein Jüngstes noch einmal auf den Arm nimmt, ihm liebe Worte sagt, und es dann mit einem langen, tiefen Blick der Mutter stumm und gefaßt zurückreicht.“ Diese ergreifenden Worte wurden 1914 in der Tageszeitung „Echo der Gegenwart“ abgedruckt.

2014 sind sie Teil einer spannenden Ausstellung der AKV-Sammlung Crous: „Weststadt statt Weltstadt – Aachens Grenzerlebnisse 1914-1929“, die nun in der Sparkasse Aachen eröffnet wurde.

Ungewöhnliche Zeitspanne

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Auch in der Region hat er seine Spuren hinterlassen. Fast schon collagenartig informiert die Ausstellung auf verschiedenen Informationstafeln über die vielen Ereignisse aus dieser Zeit, wobei vor allem regionale Schwerpunkte gesetzt werden. Besatzungszeit, das Grenzland im Krieg, Mobilmachung oder Lazarett-Stadt Aachen – die 15-jährige Zeitspanne, der sich die Ausstellung widmet, bietet einen unermesslichen Fundus an Geschichten. „Im Gedenkjahr gab es ja bereits einige Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg.

Die Zeitspanne von 1914 bis 1929 dieser Ausstellung ist jedoch ein Alleinstellungsmerkmal. Die Sammlung Crous sieht ihre Aufgabe darin, das kulturelle Erbe zu bewahren und das historische Bewusstsein wach zu halten. Das gelingt mit dieser Ausstellung eindrucksvoll“, so Dieter Bischoff, Geschäftsführer der Sammlung Crous. Dabei setzt die Ausstellung auf Vielfalt und auch Gegensätze. So dokumentiert eine Schwarz-Weiß-Fotografie den Einzug der Besatzungstruppen in der Theaterstraße im Jahr 1918, während eine andere, 11 Jahre später, die nächtliche Feier vor dem Aachener Rathaus zum Ende der Besatzungszeit zeigt. Da stößt man zwischendurch auf ein Foto von Wilhelm II. auf der Aachener Rathaustreppe am 3. Mai 1918, während auf einer anderen Tafel ein Plakat abgebildet ist, welches die Neueröffnung des Palast-Hotels Aachener Quellenhof, als „Deutschlands vollkommenste Hotelanlage“ im Juni 1916 anpreist.

Der fast vergessene Grenzzaun und die Jahrtausendausstellung im Jahr 1925 werden ebenfalls thematisiert. Und auch der Blick über die Grenze hinweg darf nicht fehlen. „Die Geschichte des Ersten Weltkriegs und seiner Folgen in unserer Gegend kann nur grenzüberschreitend erzählt werden. Wir möchten dem Rechnung tragen, indem wir in der Ausstellung euregionale Aspekte stärker berücksichtigen“, erklärt Dr. Werner Pfeil, Beiratsvorsitzender der Sammlung Crous und AKV-Präsident.

Auch Hubert Herpers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung tief beeindruckt: „Vieles aus dieser Zeit kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Großeltern. Ich finde es gut, dass diese Ausstellung so umfassend über diese Zeit aufklärt.“

Nicht nur die Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen, sondern auch der Landschaftsverband Rheinland, der Zweckverband Region Aachen und der Aachener Anwaltverein haben das Projekt gefördert. Zu der Ausstellung ist unter demselben Namen ein Begleitband entstanden, in dem 20 Autoren auf 268 Seiten spannend beschreiben, wie die Menschen in der Region den Ersten Weltkrieg und die Folgezeit erlebt haben.

Weitere spannende Projekte

Die Ausstellungseröffnung wurde zudem von Vertretern der Sammlung Crous, Alfred Lecerf, Bürgermeister von Lontzen, und Linda Wings von der Talenacademie Nederland genutzt, um auf ein weiteres interessantes Projekt aufmerksam zu machen: Das dreisprachige Buchprojekt „Ares & Paul 1914-1918 – Eine Geschichte, drei Sprachen/ Une histoire, trois langues/ Een verhaal, drie talen“. Erstellt wurde das mehrsprachige Buch von Grundschülern der Gemeinden Lontzen, Blegny und Herstappe, welche auf persönliche Weise über den Ersten Weltkrieg schreiben.

Der von der Sammlung Crous initiierte Geschichtspreis wurde in diesem Jahr spontan in einen Anerkennungspreis umgewandelt, mit dem der Projektkurs Geschichte der Städtischen Gesamtschule Brand mit seinem Thema „Der 9. November – Deutscher Nationalfeiertag oder Gedenktag?“ ebenfalls bei der Ausstellungseröffnung bedacht wurde. Für diese Leistung erhielten die Schülerinnen und Schüler eine Spende für ihre Klassenkasse.

Und während die aktuelle Ausstellung gerade erst eröffnet wurde, hegt die Sammlung Crous schon neue Pläne: „Im nächsten Jahr werden wir eine Ausstellung und ein Buch über die Geschichte der Justiz in Aachen vom Mittelalter bis heute präsentieren. Ein sehr spannendes Thema“, so Dieter Bischoff.

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