Westspiel räumt das halbe Casino aus

Von: Robert Esser
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Umbau geplant: Der Spielbank-Betrieb soll schrumpfen und Platz für ein Varieté-Theater am Kurpark machen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Rien ne va plus“ – nichts geht mehr. Casino-Betreiber Westspiel hat auch langjährigen Mitarbeitern der Spielbank-Gastronomie in Aachen die Kündigung in die Hand gedrückt. Zum 31. Dezember ist Schluss. Entsprechende Informationen der Aachener Zeitung hat Westspiel-Sprecher Dieter Schnabel am Dienstag bestätigt.

Damit steht das Casino an der Monheimsallee, das 1976 im neuen Kurhaus mit Prunk und Promis eröffnete, endgültig am Scheideweg. Der Spielbetrieb an den Roulette- und Pokertischen soll im linken Flügel des Hauses zunächst noch weiterlaufen, während auf der anderen Seite die Küche kalt bleibt.

Über 1000 Quadratmeter Gastronomiefläche, die Brasserie „Rouge et Noir“, mehrere Salons und der gläserne Lenné-Pavillon am Kurpark werden dann zunächst leer stehen. Offen ist auch die Zukunft des „Gala“. In längst vergangenen Glanzjahren gab sich in dem seinerzeit legendären Zwei-Sterne-Restaurant unter der Leitung von Gerhard Gartner der Jetset die Klinke in die Hand. Das ist vorbei.

Der jahrelange Niedergang des gastronomischen Angebots hängt unmittelbar mit dramatisch gesunkenen Besucherzahlen und Umsatzeinbrüchen an den Spieltischen zusammen. 363.500 Gäste zählte der Glückstempel im Rekordjahr 1984, knapp 30 Jahre später sind es kaum noch 80.000. Von wegen „Die Bank gewinnt immer“: Hier schreibt man Verluste. Immer wieder war befürchtet worden, dass die Duisburger Westspiel-Zentrale Aachen komplett streicht – obwohl der Pachtvertrag für das städtische Gebäude angeblich erst am 30. Juni 2016 ausläuft.

Offiziell hat Westspiel Abwanderungspläne wiederholt dementiert, zuletzt in diesem Sommer, als Lothar Dunkel in die Geschäftsführung berufen wurde: „Die Veränderung in der Geschäftsführung stärkt Westspiel für die Herausforderungen in ihrem Heimatmarkt – insbesondere für die Etablierung des künftigen Standorts Köln“, hatte Michael Stölting, Vorsitzender des Beirats von Westspiel und Vorstand der Alleingesellschafterin NRW-Bank, betont. Gleichzeitig solle dies im Hinblick auf die „Traditionsstandorte“ Dortmund, Bad Oeynhausen und Aachen „stabilisierend“ wirken, so Stölting. „Mit Herrn Dunkel haben wir hierfür eine erfahrene Führungspersönlichkeit gefunden“, hieß es.

Für Aachen bedeutet „Stabilisierung“ offenbar vor allem „Verschlankung“. Casino-Direktor Hans-Jürgen Strunck, der zum Jahresende in den Ruhestand geht, hatte bereits im Oktober 2011 ein Umbaukonzept präsentiert, nach dem Roulette und Co. von derzeit 1900 Quadratmetern auf etwa 620 zusammenrücken würden. Dies würde einerseits die Betriebskosten für den Spielbank-Betreiber reduzieren und andererseits – zusätzlich zu den bald leerstehenden Gastronomie-Flächen – erheblichen Raum für neue Nutzer schaffen.

Oberbürgermeister Marcel Philipp hat den Ratsfraktionen hierzu jetzt konkrete Vorschläge unterbreitet. Demnach könnte das Kurhaus zur neuen Heimat eines GOP-Varieté-Theaters werden. Erklärtes Ziel der GOP-Gruppe an diversen deutschen Standorten ist es, „dem Publikum anspruchsvolles Live-Entertainment, hochwertige Gas-tronomie und erstklassigen Service zu bieten“.

Die beiden letztgenannten Punkte hatte in Aachen zuletzt das Eurogress an der Spielbank-Gastronomie bemängelt, die dort pro Jahr 190.000 Kongress- und Konzert-Besucher bei über 250 Veranstaltungen bewirten durfte – bis Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf die Verträge zum 1. August kündigte. Mit dem Verlust dieser Haupteinnahmequelle zeichnete sich der Untergang ab. Wulf ist übrigens selbst brennend an neuen Tagungsräumen in der Nachbarschaft interessiert.

Am Mittwoch, 18. September, soll der Stadtrat die neuen Nutzungspläne beraten.

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