Westspiel pokert um den Casino-Umbau

Von: Robert Esser
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Geld sprudelt kaum noch: Das Aachener Spielcasino ist nicht gerade flüssig – man pokert um Sanierungskosten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mit offenen Karten spielt hier keiner. Es geht um viele Millionen Euro. Hinter verschlossenen Türen pokert die Stadt mit dem Betreiber des Aachener Spielcasinos, der Westdeutschen Spielbanken GmbH & Co. KG, um die Kosten der überfälligen Generalsanierung.

 Weil das Tauziehen seit Jahren keinen Fortschritt bringt, rührt sich im Glückstempel immer weniger. Die Besucherzahlen stürzten seit 1984 ab –von über 363 000 auf 102000 Gäste 2012. Die Erlöse schrumpften noch extremer. Westspiel will seine Casinofläche im Kurhaus an der Monheimsallee von 1900 auf 600 Quadratmeter eindampfen – um Kosten am defizitären Standort Aachen abzubauen und politische Vorgaben zur Eröffnung des neuen, viel lukrativeren Casino-Standortes in Köln zu erfüllen.

Dem Vernehmen nach hat Westspiel jetzt den Druck auf die Stadt Aachen erhöht. Man will möglichst wenig aus der eigenen Tasche zahlen, setzt vielmehr darauf, dass die Stadt als Eigentümerin der betagten Immobilie im großen Stil Umbau- und Sanierungskosten stemmt. Oberbürgermeister Marcel Philipp stellte am Mittwoch auf AZ-Anfrage klar, dass man sich keinesfalls von Westspiel unter Druck setzen lasse.

„Unsere Fachleute des Gebäudemanagements analysieren sehr präzise, welche Kosten da insgesamt auf uns zukommen“, sagte er. „Klar ist, dass es einen Sanierungsstau gibt. Klar ist aber ebenso: Westspiel könnte das Verfahren erheblich beschleunigen, indem es einen höheren Eigenanteil an den Investitionskosten anbietet“, erklärte der OB. Um das angestaubte Kurhaus mit dem plüschigen Charme der 80er fit für die Zukunft zu machen, rechnen Experten mit Kosten zwischen 16 und 20 Millionen Euro. Neben der kleineren Spielfläche für Roulette und Co. soll Raum für die rund 125 Spielautomaten aus dem Kapuziner Karree geschaffen werden. Das Automatenspiel war 2002 ausgezogen – was den Besucherschwund im 1976 eröffneten Stammhaus am Kurpark verschärfte.

Konkrete Pläne gibt es zudem für ein neues Varieté-Theater am Aachener Standort. Die Stadt spricht diesbezüglich seit längerem mit der GOP-Gruppe, die sechs Theater – auch in Spielbanknähe – betreibt. „Vor 2015 wird sich da sehr wahrscheinlich nichts ergeben“, teilte GOP-Sprecherin Sabine Herget zuletzt mit. Und auch das Eurogress hat Raumbedarf angemeldet.

Der Aachener SPD-Landtagsabgeordnete Karl Schultheis erinnerte nun daran, dass die Sozialdemokraten bereits im Februar 2012 im Stadtrat mehr Engagement der Verwaltung in der Casino-Frage eingefordert haben: „Hierbei sind insbesondere die Ergebnisse der vier eingesetzten Arbeitsgruppen mit möglichen Handlungsalternativen und ein Gesamtkonzept zur Standortrevitalisierung und Einbindung des Aachener Casinos in das Stadtmarketing darzustellen“, hieß es damals. Ergebnisse lägen bis heute nicht vor, kritisierte Schultheis.

Westspiel will die Verhandlungen nicht kommentieren. Auf 7,4 Millionen Euro beziffert man das „Bruttospielergebnis 2012“ des Aachener Casinos (2009: 11,2 Millionen). Die Spielbankabgabe an die öffentliche Hand sinkt auf 2,8 Millionen, 1984 hatte der Glückstempel noch sagenhafte 14 Millionen überwiesen. Wie es weitergeht? „Wir rechnen noch“, sagte Westspiel-Sprecher David Schnabel am Mittwoch. Offenbar wird auf Zeit gespielt. Das neue Kölner Casino soll frühestens Ende 2014 öffnen.

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