Aachen - Westparkstreit: Knöllchen auf der Partymeile

Westparkstreit: Knöllchen auf der Partymeile

Von: Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
9299585.jpg
Der Morgen danach: Vor allem im Sommer sieht es im Westpark nach ausgiebigen Grillpartys bisweilen aus wie auf einer Müllkippe. Ein Anwohner hat jetzt die Stadt verklagt, weil zu wenig kontrolliert werde. Foto: Idries

Aachen. Leisere Töne und mehr Kontrollen – das könnte auf den Westpark im Sommer zukommen. Wenn sich die Stadt Aachen und ein Anwohner auf einen Vergleich einigen, der jetzt vom Oberverwaltungsgericht Münster angeregt wurde. Zwei Stunden und zehn Minuten war verhandelt worden, es könnte der letzte Termin in der Sache sein – Einigung vorausgesetzt.

Wenn nicht, muss das OVG einen Richterspruch fällen. Bis Montag haben beide Parteien Zeit, sich zu dem Kompromiss zu erklären.

„Körperverletzung“ durch Musik

Der Westpark im Sommer – traditionell für viele Menschen Partyterrain. Mit Grill und Musik bis in die Nacht. Die einen feiern, andere leiden. Wie Michael Müller (Name von der Redaktion geändert). Er spricht von „Körperverletzung“, wenn er an Musik im Park denkt. Er sei „hilflos einer immer wiederkehrenden Situation“ ausgeliefert.

Seine Versuche, die Politik ins Boot zu holen, seien gescheitert, berichtete Müller vor Kurzem. Also wählte er der Rechtsweg. Zunächst auch ohne Erfolg, denn das Verwaltungsgericht Aachen ließ seine Klage nicht zu. Die nächsthöhere Instanz in Münster lud die Parteien zumindest zur Anhörung.

Müllers Ziel ist klar: Die Stadt solle „ihrer Verpflichtung nachkommen“ und im Westpark deutlich mehr kontrollieren. Am liebsten wäre es Müller, wenn der Westpark zur Party-freien Zone erklärt würde. Da hat der gestresste Anwohner auch schon Alternativen parat. Am Campus Melaten gebe es jede Menge Grün und keine Anwohner. Der ideale Ort, meint zumindest Michael Müller.

„Nahezu täglich im Einsatz“

Die Stadt konterte vor einigen Tagen, man sei vor allem im Sommer „nahezu täglich im Einsatz“. An den Wochenenden sei die Erreichbarkeit des Ordnungsamtes sogar bis drei Uhr gewährleistet. Beschwerden der Bürger würden „im Rahmen der personellen Möglichkeiten schnellstmöglich bearbeitet“. Gegenüber der AZ betonte die Verwaltung Mitte Januar, dass es „grundsätzlich nicht Aufgabe eines Ordnungsamtes“ sei, „einzelne Örtlichkeiten im Stadtgebiet permanent zu überwachen“.

Dennoch könnte sich abzeichnen, dass die Stadt im Sommer ihre Präsenz im Westpark verstärken muss. Eine Dauerkontrolle, das haben die Münsteraner Richter durchblicken lasse, würde das Gericht nicht anordnen. Aber ein Zugehen auf die Anwohner sei sehr wohl denkbar. Das könnte bedeuten, dass man auf Seiten des Ordnungsamtes vom bisher eher smarten Kurs abgehen muss.

Im Klartext: Statt freundlicher Ermahnung gibt es – entsprechende Ordnungswidrigkeiten vorausgesetzt – flotter Knöllchen für die Partyfreunde. Fraglich bleibt aber vorerst, ob auch mehr Personal für den Westpark abgestellt werden muss. Alles eine Frage der Kapazitäten, lautet die Lesart der Stadt.

Kläger Müller jedenfalls sieht sich auf der Siegerstraße: „Das ist richtig gut gelaufen in Münster“, frohlockte er am Mittwoch. Das Gericht habe deutlich gemacht, dass es Verbesserungsbedarf in Sachen Anwohnerschutz sehe, interpretiert Müller die Argumentation der Kammer. So sei unter anderem auch angeregt worden, den runden Tisch zum Thema Westpark wieder zu reaktivieren. Die Probleme seien ja nicht neu. Miteinander reden könne viel Konfliktpotenzial binden.

Apropos gut gelaufen: Das kann man für die Klägerpartei nur eingeschränkt sagen. Michael Müllers Anwalt hatte auf dem Weg nach Münster eine Autopanne und verpasste den kompletten Erörterungstermin. Was die Verzögerung bis Montag erklärt: „Ich muss die ganze Sache ja erst einmal mit meinem Anwalt in Ruhe besprechen“, so der Kläger.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert