Westpark: Nach dem Grill brennt bengalisches Feuer

Von: Thorsten Karbach
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Das Maß ist voll – die Mülleimer sind es ohnehin: Am Westpark ist wieder Ärger um laute Grillpartys entbrannt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Allabendliches Grillen erhitzt rund um den Westpark die Gemüter. Weil alle Appelle, das Grillfest nicht mit alkoholisiertem Grölen zu begleiten, auf taube Ohren stoßen. Immer lauter werden nun die Beschwerden der Anwohner rund um den beliebten Park. Es gibt Beschwerden über laute Musik, liegen gebliebenen Müll, Schreie in der tiefen Nacht.

Und wieso die Sommerparty im Park bei Mitternacht von Silvesterknallern oder sogar Pyrotechnik – etwa bengalischen Feuern – begleitet wird, leuchtet keinem Nachbarn ein. Auch nicht dem Leiter des Aachener Ordnungsamtes, Detlev Fröhlke: „Probleme hat es im Westpark auch in den vergangenen Jahren gegeben. Aber es ist deutlich schlimmer geworden.“

Das empfinden auch die Nachbarn von der Vaalser Straße. Es gibt welche, die schlafen auch bei größter Hitze nur noch bei geschlossenem Fenster und mit Ohropax. Sie haben einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben, in dem sie über die Zustände klagen. Dort ist zu lesen, dass sich viele Anwohner belästigt fühlen, nicht zusehen wollen, wie der Westpark zur Partymeile verkommt. Das will das städtische Ordnungsamt auch nicht. „Wir nehmen den Westpark verschärft unter die Lupe“, sagt Fröhlke. Doch können seine Kräfte eben nicht permanent alle Aachener Parks im Auge haben. „Wir können einfach nicht dauerhaft vor Ort sein. Wir sind schon viel unterwegs, aber unsere Kapazitäten sind ausgereizt.“

Das bedeutet: Normalerweise sind an einem sonnigen Sommerabend auch am Wochenende drei Teams mit insgesamt sechs Leuten unterwegs. Mehr geht nicht. Denn auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben Sommerferien, insbesondere die mit schulpflichtigen Kindern wollen in Urlaub fahren. Die Teams können zwangsläufig nicht überall sein. Neun oder gar zehn Einsätze fallen an einem Sommerwochenende pro Stunde an. 50 Einsatzanforderungen kommen an einem normalen Abend zusammen. Auch mehr. Und die verteilen sich zwischen Horbach und Walheim auf das ganze Stadtgebiet. Der Westpark ist dabei nur ein Brennpunkt, auch im Kennedypark oder am Kaiserplatz wäre ständige Präsenz wünschenswert. Aber das sei nicht zu leisten.

Immerhin sind zu den 19 ausgebildeten Kräften am 1. August vier neue Mitarbeiter hinzu gekommen. „Damit sind wir einer unter Soll“, erklärt Fröhlke. Gearbeitet wird in zwei Schichten – und länger als anderswo in Nordrhein-Westfalen. Denn am Wochenende sind die städtischen Ordnungskräfte bis 3.15 Uhr im Einsatz. Sie müssen es sein. „Ab 22 Uhr geht die Post ab“, sagt Fröhlke. Und dabei erkennt er: „Der Egoismus nimmt zu, die Rücksichtnahme ab.“ Davon kann oder besser muss auch Ilse Rosa Stollenwerk, Leiterin der Abteilung Grünflächen im Stadtbetrieb, berichten. Ihre Mitarbeiter sind es, die am nächsten Tag die Spuren der Grillpartys beseitigen müssen. Und die gibt es reichlich. „Der Müll liegt einfach überall rum. Das ist nicht die schönste Aufgabe für unsere Gärtner. Müllsammeln in den Grünflächen bindet im Sommer bis zu 50 Prozent unser Kapazitäten“, erzählt sie. Und im Westpark sei die Situation am schlimmsten. Nach einem Wochenende wurden 1,5 Tonnen Müll gewogen.

Sechs Leute, vier Stunden

Dabei befinden sich rund um die ausgewiesene Grillfläche – außerhalb darf grundsätzlich nicht gegrillt werden – laut Stollenwerk ausreichend Abfalleimer. Doch die zählen für (zu) viele Grillfreunde nicht. Was so gar nicht nach dem Geschmack aller anderen Parkbesucher sein kann. Und Stollenwerks Mitarbeitern übel aufstößt. Im Sommer sind sie zwei, manchmal drei Mal pro Woche im Westpark aufräumen. Montagsmorgens sammeln bis zu sechs Leute bis zu vier Stunden den Müll auf. Den Aufschrei der Nachbarn ums Grillen und Grölen können sie sehr gut verstehen.

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