Westpark: Ermittlungen verlaufen im Sand

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Normalität ist eingekehrt: Im Westpark geht zwei Monate nach den Rohrreiniger-Attacken auf Spielplätze und Bänke alles seinen gewohnten Gang. Foto: Michael Jaspers/Polizei Aachen
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Die Ermittler tappen allerdings bei ihrer Suche nach dem Täter im Dunkeln, auch wenn es zumindest Hinweise auf ein Motiv gibt. Foto: Michael Jaspers/Polizei Aachen

Aachen. Im Westpark hat die Normalität längst wieder Einzug gehalten. Nichts deutet mehr darauf hin, dass jemand vor nicht allzu langer Zeit vorsätzlich versucht hat, insbesondere Kinder – aber auch andere Besucher des Parks – zu verletzten. Jedenfalls fast nichts.

Ein paar Sitzbänke, die seinerzeit abgebaut werden mussten, sind noch nicht ersetzt. Aber das war es auch schon. Auf den Spielplätzen an der Lochnerstraße und in der Grünfläche selber toben wieder jene, für die sie gebaut wurden: Kinder eben. Trotzdem ist ein mulmiges Gefühl geblieben: „Ich schaue zunächst immer mal nach, ob nicht doch irgendwo kleine Kügelchen herumliegen“, sagt eine Mutter, die dem Treiben ihres Nachwuchses von einer Bank aus zusieht.

Kleine Kügelchen waren es nämlich, die vor etwas mehr als zwei Monaten dafür sorgten, dass sich mehrere Kinder Verätzungen zuzogen und dass ein Großteil des Sitzmobiliars abgebaut und verschrottet werden musste. Handelsüblichen Rohrreiniger hatte ein Täter bei mehreren Attacken großflächig auf den Spielgeräten, in Sandkästen und auf Bänken verteilt.

Handelsüblich soll in diesem Zusammenhang jedoch nicht verharmlosend klingen. Hauptbestandteil von Rohrreinigern ist zumeist stark alkalisches Natriumhydroxid, auch „Ätznatron“ genannt. Insbesondere bei kleineren Kindern kann die Aufnahme größerer Mengen der Chemikalie durchaus lebensbedrohende Folgen haben.

Ein Grund, warum schließlich die Ermittlungsstufe sozusagen „erhöht“ wurde. Zunächst stand der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung im Raum, als die Kriminalpolizei ihre Arbeit aufnahm. Doch als sich die Attacken wiederholten und sich mehr und mehr Kinder verletzten, ging es schließlich um den Vorwurf der versuchten Tötung.

Die Staatsanwaltschaft übernahm wie bei Kapitaldelikten üblich die Federführung, es wurde sogar eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Doch bislang sind die intensiven Ermittlungen völlig im Sand verlaufen. Es gibt bislang keinen Hinweis auf einen oder mehrere Täter, wie Staatsanwalt Jost Schützeberg auf Nachfrage sagte.

Die Behörden hatten sogar eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise, die auf die Spur des Täters führen, ausgelobt. Doch auch dadurch wurden keine neuen Hinweise gewonnen. Dabei hatte sich eine der Taten, bei der sämtliche Bänke am Teich im Westpark verätzt worden waren, am helllichten Tag ereignet. Ungeklärt bleibt damit auch, ob es zu anderen Taten Zusammenhänge gibt.

In der Woche vor den Vorfällen im Westpark war bereits Rohrreiniger auf zwei Grillplätzen im Aachener Wald verteilt worden. Am Adamshäuschen hatten sich zwei Kleinkinder derart verätzt, dass sie ins Klinikum gebracht werden mussten. Und Monate vor den Rohrreinigerattacken hatte jemand wiederholt just die Spielgeräte und Bänke der beiden Spielplätze im Westpark großflächig mit Kot beschmiert. Die Ermittler gehen der Frage nach, ob es sich um den selben Täter handelt.

Die Stadt hat die Spielplätze auf Vordermann einmal mehr gebracht. Und hofft, dass die Normalität dort nicht nur von kurzer Dauer ist.

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