Westfriedhof: Besucher laufen und schleppen

Von: Stephan Mohne
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Blech an Blech: Am hinteren Eingang des Westfriedhofs in der Valkenburger Straße ist jeden Tag alles zugeparkt. Allerdings nicht durch Friedhofsbesucher, sondern Klinikumsmitarbeiter. Wer ein Grab pflegen will, muss längere Fußwege in Kauf nehmen. Foto: Andreas Herrmann
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Kann die starre Haltung der Stadt in dieser Sache nicht nachvollziehen: CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Schon morgens früh ist kein Parkplatz mehr frei. Denn schon zur Morgenstunde reiht sich in der unteren Valkenburger Straße im Aachener Westen Blech an Blech. Erst abends lichten sich die langen (Auto-)Reihen dort wieder. Was merkwürdig erscheint.

Denn im unteren Teil der Valkenburger Straße zum Pariser Ring hin gibt es gar keine Wohnbebauung, die findet man nur weiter oberhalb Richtung Halifaxstraße. Anwohner sind es also nicht, die dort ihre Fahrzeuge platzieren. CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck weiß allerdings, wer dort parkt: „Das sind Fahrzeuge von Mitarbeitern des Klinikums“, berichtet er.

Seit Ende 2013 muss man fürs Parken am Klinikum zahlen. „Parkraumbewirtschaftung“ nennt sich das, zuständig ist in diesem Fall die städtische Parkhausgesellschaft Apag. Zahlen müssen seitdem jedoch auch die Mitarbeiter des Großkrankenhauses, von denen es mehr als 5000 gibt. 15 Cent pro Stunde, maximal einen Euro pro Tag müssen sie berappen, wenn sie einen der offiziellen Parkplätze nutzen. Das ist manchem wohl zu viel.

Wer trotzdem nicht auf sein Auto verzichten und nicht auf den Bus oder andere Verkehrsmittel umsteigen will, der sucht sich offenbar andere – kostenlose – Stellplätze. Die Valkenburger Straße kommt da wie gerufen. Von dort aus ist man in wenigen Minuten zu Fuß am Klinikeingang. Beste Voraussetzungen also, um ohne Parkgebühr über die Runden zu kommen. Und das, obwohl das Klinikum laut seinem Sprecher Mathias Brandstädter ein Mobilitätskonzept hat, das man sich auch einiges kosten lässt. So gibt es das „UKA-Ticket“, ein persönliches Jahresabo der Aseag. Das Klinikum schießt 50 Prozent der Kosten zu, was mit steigender Tendenz schon 1014 Mitarbeiter gerne nutzen. Einige andere leider nicht. Auch am Mittwoch standen an der Valkenburger Straße mittags gut 50 Fahrzeuge.

Das hat einen unschönen Haken. Genau in diesem Bereich befindet sich der rückwärtige Eingang des Westfriedhofs. Viele Menschen, die auf diesem Teil des Friedhofs Gräber pflegen, nutzen den Zugang an der Valkenburger Straße. Weil aber alles zugeparkt ist, müssen sie meist eine längere Wegstrecke zu Fuß zurücklegen. Und so sieht man nicht selten vor allem ältere Menschen, die sich an Blumengebinden und anderen Dingen abmühen, obwohl sie eigentlich bis fast vors Tor fahren könnten. Man sieht gar Menschen, die einen kleinen Karren ziehen, damit sie die Grabutensilien nicht so weit schleppen müssen.

Hubert Bruynswyck, der auf der Hörn wohnt, kann angesichts dieser Situation nur den Kopf schütteln. Und so hat er einen mündlichen Vorstoß Richtung Verwaltung gewagt und angeregt, im Bereich des Eingangs doch bitte ein paar Kurzzeitparkplätze auszuschildern. „Das könnte man ja per Parkscheibe regeln“, nennt er eine denkbar einfache Lösung. Denkbar einfach ist das aber nur in der Theorie. „Man hat mir gesagt, dass das nicht kontrollierbar sei“, so Bruynswyck. Was er für Unsinn hält. Auch sonst werde doch kontrolliert.

Die AZ hat die Stadt ebenfalls mit dem Thema konfrontiert. Die Antwort fällt ebenfalls negativ für die Friedhofsbesucher aus. Die Begründung ist jedoch eine andere. Die Straßenverkehrsordnung lasse eine solche „Ausnahmeregelung“ nicht zu, sagt Rita Klösges vom Presseamt nach Rücksprache mit dem Fachbereich Verkehr. Weil nämlich dort genügend Parkplätze und kaum Wohnhäuser vorhanden seien. Weil also genügend Parkplätze da sind, kann man nicht drei oder vier davon zu Kurzzeitstellplätzen machen. Das erinnert an die Geschichte jenes persönlichen Behindertenparkplatzes für einen MS-Kranken in Eilendorf. Auch da hieß es zunächst, der Stellplatz könne nicht genehmigt werden, weil es rundherum viel Parkraum gebe.

In Sachen Valkenburger Straße heißt es bei der Stadt, die Straßenverkehrsordnung sei „privilegienfeindlich“, es könne hier keine Ausnahme von der Regel geben. Besagte Kurzzeitparkplätze einzurichten sei „faktisch nicht möglich“. Auch der Hinweis darauf, dass es derlei Ausnahmen ja auch anderswo im Stadtgebiet gebe, hilft nicht weiter. „Es müssen ganz bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen dafür erfüllt sein“, so Rita Klösges. Das sei hier nicht der Fall. Einzig über Behindertenparkplätze könne man nachdenken. Aber das helfe ja auch nicht wirklich weiter. Schließlich hätten nur die wenigsten Friedhofsbesucher Behindertenparkausweise. Also bleibt weiterhin alles, wie es ist.

Eine gute Nachricht für jene Klinikumsmitarbeiter, die an der Valkenburger Straße ihr Blech abstellen. Für sie geht keine einzige von Dutzenden kostenlosen Abstellmöglichkeiten verloren. Eine schlechte Nachricht hingegen für die Friedhofsbesucher. Sie müssen weiterhin schleppen.

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