Aachen - Westbahnhof: Der steinige Weg zum Abbau der letzten Gleise

Westbahnhof: Der steinige Weg zum Abbau der letzten Gleise

Von: Thorsten Karbach
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Bald Geschichte: Der Rückbau der Gleise auf dem Gelände des Westbahnhofes ist bald abgeschlossen. Dann ist Platz für das Campus-Projekt der RWTH. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stillstand? 95.000 Tonnen Altschotter wurden bereits entsorgt, zehn Kilometer alte Gleise und 70 Weichen zurückgebaut. Gleichzeitig wurden 7,2 Kilometer neue Gleise und 22 Weichen verlegt. Zahlen, die den Fortschritt auf dem Gelände des Aachener Westbahnhofes dokumentieren.

Allerdings herrscht seit Juni auf der Großbaustelle, auf der der Boden für das Campus-Projekt West der RWTH bereitet wird, vielerorts tatsächlich Stillstand, und der Zeitplan ist über den (Gleisschotter-)Haufen geworfen worden.

Statt Ende des Jahres wird die Deutsche Bahn das 215.000 Qua-dratmeter große Bahnhofsgelände für den Campus dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) erst sechs Monate später übergeben. Schon jetzt haben sich zwei Monate Verzögerung angesammelt. Bislang kommentierte die Bahn dies überaus zurückhaltend. Jetzt wird Klartext gesprochen: Die maßgeblich beauftragten Baufirmen, ein deutsches und ein österreichisches Unternehmen, die in einer Arbeitsgemeinschaft auftreten, stecken im Insolvenzverfahren. Deswegen musste sich die Bahn, so Projektmanager Norbert Paprotny, von dieser AG trennen – und die ausstehenden Abbrucharbeiten neu ausschreiben.

Kurzfristig konnten zwar wichtige Arbeiten neu vergeben werden, um vier neue Gleise binnen drei Wochen in Betrieb und andere am 15. Juli termingerecht außer Betrieb nehmen zu können. „Das war ein wichtiger Schritt“, berichtet Paprotny. Doch andere konnten nicht folgen, die wesentlichen Arbeiten müssen neu ausgeschrieben werden. Noch steht beispielsweise der Abriss der Laderampe samt Gebäuden an, müssen weitere Gleise demontiert und Boden und Altschotter müssen an einigen Stellen noch abgetragen werden – vereinbart sind 70 Zentimeter ab Gleisoberkante.

300.000 Tonnen Boden

Am Ende werden es rund 300.000 Tonnen Boden (samt Schotter), die abgebaggert werden müssen. Keine leichte Aufgabe. Gleichzeitig gilt es, bis Februar 2014 noch drei Stumpfgleise (also Gleise, die an einem Prellbock enden) und eine Weiche einzusetzen, denn der Bahnverkehr wird am Westbahnhof auch in Zukunft fortgeführt. „Wir können keine Gleise wegnehmen, bevor wir nicht anderswo neue geschaffen haben. Der Güterverkehr aus Montzen Richtung Köln und Düsseldorf wird weiter abgewickelt. Ziel ist es, 21 Hektar für den Käufer freizusetzen, aber den Bahnhof zu gleicher Leistungsfähigkeit umzubauen“, erklärt Paprotny.

Der Mann kennt sich bestens aus. Er ist Aachener, hat an der RWTH Bauingenieurwesen studiert. Die Bauingenieure sitzen an der Mies-van-der-Rohe-Straße, nur den berühmten Steinwurf vom Westbahnhof entfernt. Seit 2009 ist Paprotny der Projektmanager der Maßnahme. Im November 2011 begannen die eigentlichen Arbeiten auf dem viel frequentierten Güterbahnhof. „Wir leisten hier alles unter rollendem Rad“, erklärt er die hohen Ansprüche an die Bauleute – denn der Zugverkehr rollt weiter und weiter. Ein belgischer Güterzug fährt vor – 17 Waggons, meist Kesselwagen.

Im Norden des Geländes, dort, wo die Autos auf dem Pariser Ring unter den Gleisen fahren, sind bereits ein paar Hallen weg, Bäume und Sträucher wurden zurückgeschnitten. An die Stelle einiger Birken ist der Mastenwald aus Signalen und Beleuchtung (300 Beleuchtungsmasten) getreten. Der Ringlokschuppen mit der ausgedienten Drehscheibe steht – und das unter Denkmalschutz. Mit diesem Problem muss sich der BLB beschäftigen, die Bahn wird einen Bogen um das trutzige Bauwerk machen. Ein Gleis zur Drehscheibe wird sie zwar abbauen, es muss aber hinterher wieder montiert und in die Planung integriert werden. Auch wenn die ersten Clustergebäude am Westbahnhof aufs Gleis gesetzt werden.

Das EON Energy Research Center auf dem Campus Melaten ist vom Lokschuppen aus gut zu sehen. Die Zukunft ist nah. „Die Umbaumaßnahmen an den Bahnanlagen sind zwischenzeitlich zu 80 Prozent fertiggestellt“, betont Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Und auf den Flächen, die an den BLB gehen, seien der Rückbau der Gleise und Bodenarbeiten zur Hälfte abgeschlossen. Die andere Hälfte folgt – bald.

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