Wespen: Dauereinsatz gegen schwarz-gelbe Plage

Von: Stephan Mohne
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Staunende Blicke: Nils und Christel Ketelsen bewundern das Wespennest, das Schädlingsbekämpfer Axel Schreier gerade in ihrem Garten am Hangeweiher entfernt hat. Da hatte der gelernte Bauingenieur natürlich noch seine Schutzhaube auf, denn mit den schwarz-gelben Brummern ist nicht zu scherzen. Foto: Michael Jaspers (4), dpa

Aachen. Das Mobiltelefon von Axel Schreier steht nicht still. Auch nicht am Wochenende. Der Mann hat im Wortsinn alle Hände voll zu tun, fährt von Einsatz zu Einsatz. Wer ihn ruft, will meist nicht nur, dass er kommt. Sondern, dass er schnell kommt. Am besten sofort.

Also beginnt Axel Schreiers Arbeitstag – wie auch seiner Kollegen aus der Branche – im Moment am frühen Morgen so gegen sechs Uhr und endet oft erst am späten Abend. Denn es ist jetzt die Hochzeit einiger Zeitgenossen, die man lieber nicht daheim am Esstisch begrüßt, die sich aber genau dort derzeit besonders gerne tummeln – etwa wenn im Garten gegrillt wird, was die Holzkohle hergibt: Wespen.

Die sammeln kräftig Nahrhaftes. Zunächst Eiweiß zur Aufzucht der Brut, im späteren Sommer Zucker, um selber zu überleben. Was bisweilen zu einem wilden Wedeln wespengeplagter Menschen an besagtem Esstisch führt – oder wahlweise zu kollektiver Flucht aus Angst vor einem schmerzhaften oder gar allergieauslösenden Stich aus Reihen der schwarz-gelben Einsatztrupps.

Wegen ein paar Wespen am Tisch wird Axel Schreier natürlich nicht gerufen. Sondern dann, wenn jemand ein Wespennest in der eigenen Lebensumgebung entdeckt hat. Der „staatlich geprüfte Schädlingsbekämpfer“ und „Beauftragte für Lebensmittelhygiene“ kommt, sieht und entscheidet. Denn in seinem Ermessen liegt nun tatsächlich, ob von dem Nest eine konkrete Gefahr für Menschen ausgeht. Sonst darf es nicht ohne Weiteres entfernt werden. Bei einem Einsatz an diesem Nachmittag besteht da gar kein Zweifel. Denn ein fußballgroßes Wespennest hängt wie eine Deckenlampe unter dem Dach eines Kinder-Stelzenhauses. Für die jungen Nutzer dieses Hauses kann das ziemlich unvermittelt zu einer großen Gefahr werden. „Eine Erschütterung oder Berührung des Nestes kann gefährliche Folgen haben“, sagt Schreier, der studierter Bauingenieur ist und 2004 in die Schädlingsbekämpfungsbranche einstieg. Im vorliegenden Fall kann man also von Glück sagen, dass bisher nichts passiert ist, schließlich hat der Bau dieses Nestes bereits im frühen Frühjahr begonnen und ist bislang dennoch unentdeckt geblieben.

Axel Schreier hat es hier mit dem Nest einer „Mittleren Wespe“ zu tun, die man auch „Kleine Hornisse“ nennt, obwohl sie keine Hornisse ist. Aber sie ist ein ganz schön großer Brummer im Vergleich zur „Gemeinen Wespe“ oder auch zur „Deutschen Wespe“, mit denen es Gartengriller und auch Axel Schreier in den meisten Fällen zu tun haben (siehe Infokasten). Größer heißt allerdings nicht, dass diese eher seltenere Art auch aggressiver ist. Das Gegenteil ist laut Schreier der Fall. Dennoch: Wenn das Nest bedroht wird, kann es auch bei ihr gefährlich werden. Immerhin leben und arbeiten in dem Nest im Kinderhaus bis zu 1000 Tiere – weit weniger als bei genannten kleineren Arten, aber immer noch mehr als genug, wenn sie einmal in Aufruhr sind.

Axel Schreier macht es kurz und routiniert. Er streift seinen Schutzanzug inklusive Schutzhaube über, nimmt sich seinen Werkzeugkasten, sprüht das Nest ein und entfernt es aus dem Holzhaus. Wenig später gibt es ein Wespenvolk weniger. Klingt brutal. Aber auch im natürlichen Lauf der Dinge wären die Wespen bis auf die Königin bald alle gestorben. Nach getaner Arbeit zeigt Schreier das Nest und sein Innenleben dem staunenden Hausherren nebst Nachwuchs. Es ist ein echtes Meisterwerk der Baukunst, was da zu sehen ist. Papierdünne Schichten ergeben dennoch eine äußerst stabile Kon-struktion mit den Waben im Kern.

Bei dem, was Axel Schreier da gemacht hat, fragt man sich unwillkürlich, ob man das nicht auch selber hätte erledigen können. Schließlich sah alles recht leicht aus. Der Fachmann warnt davor jedoch – und zwar nicht nur aus eigenen wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Hat man ein Wespenvolk einmal in Alarmstimmung versetzt, kann es nämlich wirklich gefährlich werden. Was umso mehr für die aggressiveren Gemeinen und Deutschen Wespen gilt.

Die Kleinen sind die Aggressiveren

Die Kleinen sind in Sachen Wespen also die Angriffslustigeren – zumindest, wenn sie sich bedroht fühlen. Es sind jene, die Nester im Boden ebenso bauen wie im Dachstuhl. Die Mittlere Wespe findet man da eher nicht. Auch nicht die Hornissen, die größte Wespenart. Hornissen sind echte Kawenzmänner und rufen natürlich bei einer Begegnung auch die größten Ängste beim Menschen hervor. Dabei sind sie viel harmloser und gutmütiger als die kleineren Artgenossen. Auch Binsenweisheiten wie „sieben Hornissenstiche töten ein Pferd“ sind einfach nur Quatsch. Das Gift der Hornisse ist sogar weniger toxisch als das von anderen Wespen. Ihr Nest verteidigt sie im Notfall jedoch auch energisch. Entfernen darf man das indes nicht so einfach – nicht einmal im menschlichen Lebensumfeld. Dafür bedarf es einer behördlichen Sondergenehmigung, denn Hornissen stehen unter Artenschutz. Auch wenn sie bedrohlich wirken, sollte man sie sogar am Esstisch durchaus begrüßen: Sie fressen nämlich die hartnäckigen Gemeinen und Deutschen Wespen und auch lästige Fliegen quasi vom Tisch weg. Noch weniger aggressiv sind übrigens die zu den Bienenarten zählenden Hummeln, die zwar beißen und stechen können, dies aber nur tun, wenn sie gequetscht zu werden drohen. Ansonsten legen sie sich bei Bedrohung erst mal auf den Rücken und brummen.

Axel Schreier hat an diesem Einsatzort seine Arbeit erledigt. Der nächste wartet. „Dieses Jahr gibt es im Vergleich zum vergangenen Jahr sehr viele Wespen“, sagt er. Warme und trockene Winter bedingen dies. Dafür gibt es vergleichsweise wenige Fliegen, weil im Frühjahr weniger gedüngt werden konnte. Ameisen machen einen weiteren Teil der Arbeit Schreiers aus. Und Mäuse. „Davon gibt es dieses Jahr ebenfalls reichlich“, so Axel Schreier. Sein Mobiltelefon klingelt mal wieder: „Mache ich“, sagt er. Ein Wespennest wurde gemeldet, klar. Es soll weg. Schnell. Und so eilt der Fachmann zum nächsten Einsatz. Einem von mehr als einem Dutzend an diesem Tag.

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