Aachen - Werner Niepenberg: Arbeit des Bassisten klingt nun aus

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Werner Niepenberg: Arbeit des Bassisten klingt nun aus

Von: Thorsten Karbach
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Packt seine sieben Sachen: Werner Niepenberg geht als Direktor der Volkshochschule Aachen Anfang 2013 in den Ruhestand. Das Haus hat er 35 Jahre geprägt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Mann spielt Bass. Und hat – auch ohne Instrument – fast acht Jahre bei der Volkshochschule den Ton angegeben. Ende Januar ist vorgesehen, dass Aachens VHS-Direktor Werner Niepenberg in den Ruhestand geht. Am 1. Juni 2005 übernahm er die Verantwortung an der Peterstraße, wurde Nachfolger von Dr. Klaus Heisler. Nun geht der Hobbymusiker und mit ihm ein Stück VHS-Geschichte.

Denn Niepenberg hat mehr als 35 Jahre in der Erwachsenenbildung gewirkt. Am 1. August 1977 hatte er seinen ersten Arbeitstag bei der Volkshochschule Aachen. Seitdem haben sich Volkshochschule und Niepenberg gleichermaßen entwickelt.

Es gibt viel, was Niepenberg mit dieser Zeit verbindet. Das Wesentliche lässt sich an ein paar Schlagworten festmachen:

Kontinuität: „Ich nenne es ein großes Glück, immer bei einem Arbeitgeber geblieben zu sein. Es gab in 35 Jahren keinen Tag, an dem ich mit Widerwillen arbeiten gegangen bin“, sagt Niepenberg. Er begann als Fachbereichsleiter Englisch, wurde dann Fachbereichsleiter Fremdsprachen.

Sein Faible für Sprachen führt er auf seinen Realschullehrer Karl-Herrmann Kauls zurück. „Da sind bis heute Spuren geblieben“, erinnert sich Niepenberg. Später sollten ihn nicht minder Walter Schleyer vom RWTH-Lehrgebiet Deutsch als Fremdsprache, Georgia Lonnecker, Fachbereichsleiterin für Deutsch und Tanz an der VHS Aachen, und sein Vorvorgänger Dr. Josef Ruhrmann prägen.

Führungsstil: Als Direktor der Volkshochschule Aachen sei er irgendwie auch Bassist, vergleicht Niepenberg. „Der Bass ist kein bestimmendes, kein klassisches Soloinstrument. Aber wenn der Bass nicht spielt, dann merkt man das auch. Der Bass gibt der Musik mit dem Schlagzeug das Gerüst“, erklärt er.

Niepenberg sieht sich nicht als Einzelgänger, er sucht Harmonie in der Gruppe. „Wenn es gefragt ist, kann ich aber auch jederzeit nach vorne gehen“, sagt er. „Ein regelmäßiger Rhythmus bleibt mir wichtig“, sagt er außerdem. Das werde auch im Ruhestand nicht anders sein. „Ich werde weiterhin morgens aufstehen, duschen und frühstücken.“

Netzwerke: Bei seiner Antrittsrede 2005 hat Niepenberg den VHS-Direktor mit einem Außenminister verglichen. Beide haben nicht nur, aber eben auch repräsentative Aufgaben. „Es ist wichtig, eine Einrichtung dieser Größe bekannt zu machen. Ein guter Ruf zählt viel“, erklärt er. Auch deswegen wirkte er unter anderem im Landesverband Arbeit und Leben (einer Kooperation von Gewerkschaften und Volkshochschulen) und ist Teil einer belgischen Kommission, die den Preis „Label européen des langues“ für didaktische Ansätze in der Fremdsprachenentwicklung vergibt.

„Mir ist dabei nicht wichtig, dass Werner Niepenberg dabei ist, sondern dass die VHS Aachen auf der Teilnehmerliste steht“, sagt der Direktor. Netzwerke habe er immer weiterknüpfen wollen – erfolgreich. Wenn nun das neue Semesterprogramm der VHS Aachen erscheint, ist ein Drittel des Engagements der Einrichtung quasi unsichtbar. Denn diesen Umfang zählt mittlerweile die (Mit-)Arbeit in Projekten wie – ganz neu – EMMI (Erwerbsperspektive für Mütter mit Migrationshintergrund).

Fortschritt: Für Werner Niepenberg ist Besitzstandswahrung ein Fortschritt. „Wir müssen uns vom Wachsen des Wachstums wegen verabschieden“, findet er. Als städtischer Beamter, der dennoch weitgehend autark agieren kann, vertraut er auf das „Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns“ und gibt zufrieden zu Protokoll: „Am Ende des Jahres werden wir wohl wieder eine schwarze Null schreiben.“

Dabei hilft auch die rege Projektbeteiligung, die in der Regel mit Fördermitteln verbunden ist. Rücklagen der VHS, die 2005 noch da waren, sind dagegen aufgebraucht. „Wir brauchen den Projektmarkt“, sagt Niepenberg. Landesmittel sind rückläufig. Andererseits darf Niepenberg aber auch sagen: „Die Stadt Aachen steht zu ihrer Verpflichtung VHS, dafür kann ich nur danken.“

Bedarf: Niepenberg fordert von seinen Mitarbeitern immer, bedarfsdeckend zu arbeiten. „Wir müssen als kommunale Erwachsenenbildungseinrichtung immer wieder auf die sich verändernden Bedarfe hören“, betont er. Gleichzeitig gelte es aber auch, Bedarfe zu wecken. „Wir müssen auch das Ohr auf den Schienen des gesellschaftlichen Bedarfs haben. Und das haben wir“, sagt Niepenberg.

Und so hatte die VHS eine Vorreiterrolle in der Alphabetisierung der 1980er, führte wenig später zigtausend Erwachsene in die digitale Welt. „Ich beanspruche für die Volkshochschulen in Deutschland, dass sie das Grundgerüst vermittelt haben.“ Tonangebend war die Aachener VHS, so auch in Sachen Schulabschlüsse. Anfang der 80er wurden dafür in Aachen erstmals in NRW hauptberufliche Lehrer angestellt. Schon Ende der 70er gab es Englisch-Prüfungen auf dem weltweit anerkannten Niveau der Universität Cambridge.

Nachfolge: „Es ist gut so, dass ich gehe“, sagt Niepenberg. Er wurde gefragt, ob er ein paar Monate länger wirken wolle, und lehnte ab. Während die Nachfolge seiner Stellvertreterin Annemarie Henrichs geklärt ist – Henrichs geht am 31. Dezember, es übernimmt Winfried Casteel –, läuft die Suche nach dem neuen Direktor noch. Eine erste Ausschreibung blieb mangels geeigneter Kandidaten ohne Ergebnis.

Seinem Nachfolger wünscht Niepenberg die Renovierung des Hauses an der Peterstraße – möglicherweise mit Ausbreitung in den 1400 Quadratmeter umfassenden Turm – und einen guten Start am neuen Standort in Burtscheid.

Dort bezieht die VHS die erste Etage des Seminargebäudes Malmedyer Straße. Zudem wünscht er ihm, das soziale Profil der Volkshochschule – neben dem Standardprogramm – zu bewahren, stabile finanzielle Rahmenbedingungen und eine gelungene Steuerung des demografischen Wandels. Viele Dozenten gehen mit dem Chef in den Ruhestand.

Abschied: Nun ist es die Familie, die im Leben des leidenschaftlichen Bassisten Niepenberg den Ton angibt. Er wird Großvater. Und irgendwie passt dies perfekt zu seiner Geschichte: 18 Tage nach seinem Dienstantritt 1977 wurde er Vater. Berufliche wie familiäre Höhepunkte gehören bei dem Mann wohl ganz harmonisch zusammen.

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