Aachen - Werbeaktion des Ludwig Forums: Kaum einer merkt‘s

Werbeaktion des Ludwig Forums: Kaum einer merkt‘s

Von: Oliver Schmetz
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Zur falschen Zeit am falschen Ort: Dr. Brigitte Franzen, die Direktorin des Ludwig Forums, machte Mittwochvormittag auf dem Münsterplatz per Megafon Werbung für ihr Museum. Doch es hörte kaum jemand zu – weil kaum jemand da war. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit dem kunstvollen Zusammenspiel von richtigem Ort und passendem Zeitpunkt ist es bei außergewöhnlichen Aktionen bisweilen so eine Sache – selbst wenn die Akteure zweifellos kunstbeflissene Menschen sind.

Unter anderem diese Erfahrung machten Mittwochvormittag die Verantwortlichen des Ludwig Forums auf dem Münsterplatz: Forums-Direktorin Dr. Brigitte Franzen und die für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums zuständige Dr. Jutta Göricke hatten sich unter dem Motto „Rein in die Stadt“ aufgemacht, um dort für den etwas außerhalb gelegenen Kunsttempel zu werben.

Ein „relativ stiller Ort“

Im Schatten des Doms stand so also eine große Plakatwand, auf der ein Abbild der berühmten Supermarket Lady zu sehen war, welche just dort – nämlich im Schatten des Doms – ihren nicht minder berühmten Einkaufswagen übers Altstadtpflaster schob. Und vor dieser Szenerie stand die Museumschefin mit einem Megafon und erzählte die Geschichte, dass das große Kunstwerk von Duane Hanson doch glatt ausgebüxt sei aus dem Museum, man sich schon Sorgen gemacht habe und nun erleichtert sei, dass die Lady einfach nur mal wieder Shoppen gehen wollte im Städtchen... – alles ganz nett, bloß: Kaum einer hörte zu.

Das wiederum lag nun nicht daran, dass die Öcher allesamt Kulturbanausen sind, sondern zumindest zu diesem Zeitpunkt (fast) allesamt woanders waren. Man habe vorher schon festgestellt, dass dies in der Woche vormittags ein „relativ stiller Ort“ sei, räumte Göricke ein. Lieber wäre man ja auch samstags „rein in die Stadt“ gegangen, doch habe dies „aus terminlichen Gründen“ nicht geklappt. Dass es nun mittwochs bei den Empfängern der Werbebotschaft augenscheinlich aus terminlichen Gründen auch nicht klappte, trug die Direktorin derweil mit Fassung. Zumal ja doch ein paar Leute stehen blieben und die Postkarten und Steckbriefe einsteckten, die die Museumsmenschen verteilten. „Die Leute reagieren ganz positiv“, berichtete Franzen von den Gesprächen. Und in der Tat gelobte so mancher Passant, künftig wieder einmal vorbeizuschauen im Haus an der Jülicher Straße. Dass an der Kulturbotschaft durchaus noch gefeilt werden kann, bewies indes die Reaktion eines auswärtigen Touristenpaars: Sehr schön sei das, kommentierte es die Aktion, aber bei ihnen daheim lägen die Supermärkte am Rande der Stadt...

Dass der Kunsthort mit einem Konsumtempel verwechselt wird, kann aber auf den nächsten Stationen der Werbetour kaum passieren. Am 16. April zieht man mit dem monumentalen Werk „Medici“ von Franz Gertsch vors Super C – das Semester hat dann gerade begonnen. Und am 9. Mai sollen die „schnüffelnden Hunde“ von Hans-Peter Feldmann in den Elisengarten ausbüxen. Dann könnten Zeit und Ort besser zusammenpassen. Im gleich nebenan liegenden Elisengarten war jedenfalls schon Mittwoch jede Menge los.

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