Wer trifft den Ton im Krach um die Kneipen? AZ lädt zur Debatte

Von: Oliver Schmetz
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Brennpunkt Partyszene: Der Spagat in der Auseinandersetzung zwischen Spaßfaktor und Lärmbelästigung wird immer schwieriger. Die AZ lädt am 17. Februar zur Diskussion im Verlagshaus an der Dresdener Straße.

Aachen. Oft sind es nackte Zahlen, die einem Veränderungen in einer Stadt drastisch vor Augen führen. So gibt es aktuell 258 sogenannte „erlaubnisfreie Gaststätten“ in Aachen, zu denen auch Imbisse und Kioske ohne Alkoholausschank, aber mit Alkoholstraßenverkauf gehören. Vor elf Jahren lautete diese Zahl exakt: 0. Damals wurde in 17 Tanzbars und Diskotheken geschwoft, heute sind es nur noch zehn.

Und die Zahl der „Schankwirtschaften“, zu denen auch Clubs wie das Aoxomoxoa und das Café Madrid gehören, ist seit Ende 2002 von 102 auf 87 gesunken.

Vom „Clubsterben“ ist deshalb seit geraumer Zeit die Rede. Das Ende prominenter Locations wie Malteserkeller, Jakobshof, Aoxomoxoa, Fiftyfive, Königskeller oder Stairs, die dichtgemacht haben oder es in Kürze tun, hat eine Katerstimmung in Aachens Konzert-, Kneipen- und Partyszene ausgelöst, die immer mehr Menschen übel aufstößt. Über 15.000 Unterstützer hat eine Online-Initiative gegen den Kahlschlag in der Musikszene binnen kurzer Zeit mobilisiert, am 24. Mai, dem Tag vor der Kommunalwahl, wollen mehr als 2000 von ihnen in der Innenstadt demonstrieren. „Macht mal Lärm in dieser Stadt“, heißt die Aktion.

Gleichzeitig gibt es viele Aachener, die gerade darauf verzichten können. An einem normalen Abend melden sich beim Ordnungsamt sechs bis acht Anrufer, die sich über Ruhestörungen beschweren. Am Wochenende steht das Telefon nicht still: 60 bis 80 Einsätze wegen Lärms werden dann gefahren. Und nicht selten regen sich Anwohner über grölende Besucher von Partymeilen, laute Gäste von Szenekneipen und wummernde Partybässe auf.

Wohin das führen kann, zeigt das jüngste Beispiel des Musikbunkers drastisch. Weil eine Anwohnerin aus der Rehmannstraße gegen den nächtlichen Lärm klagt, den vor allem die Besucher der großen Partys vor ihrer Haustüre veranstalten, hat das Verwaltungsgericht der beliebten Veranstaltungsstätte weitgehend den Ton abgedreht. Ein Beispiel, das auch anderswo in Aachen Schule macht? Drohen nun auch Klagen und Sanktionen an Hof, Markt oder in der Pontstraße? Müssen dann bald überall um zehn Uhr abends die Bürgersteige hochgeklappt werden? Oder gibt es Auswege, lassen sich Kompromisse finden?

Fragen über Fragen, auf die die AZ-Lokalredaktion mit ihrem Forum „Clubs und Kneipen zwischen Krach und Kunst“ am Montag, 17. Februar, ab 18 Uhr (siehe Infobox) Antworten suchen will. Die Diskussion mit Kneipenbetreibern sowie Party- und Konzertveranstaltern, aber auch lärmgeplagten Anwohnern verspricht einiges an Zündstoff. Rede und Antwort stehen auch Oberbürgermeister Marcel Philipp und der Chef des Ordnungsamts, Detlev Fröhlke.

Letzterem wird oft vorgeworfen, seine Behörde trage zum Clubsterben durch strenge Kontrollen und hohe Auflagen bei, was er bestreitet: „Wir sorgen dafür, dass die Spielregeln eingehalten werden, versuchen aber, in diesem Rahmen das Beste zu ermöglichen.“

Doch Fröhlke sieht auch einen Trend zum „Überdehnen“ der Konzessionen bei manchen Betreibern und generell einen Schwund von Toleranz und Rücksichtnahme. Soll heißen: Die Leute beschweren sich einerseits schneller als früher, die Lärmbelästigungen nehmen andererseits aber auch zu. „Für uns ist das ein hoher Kommunikationsaufwand“, sagt Fröhlke, „aber wir wollen jede Klage vermeiden.“ In Sachen Musikbunker, wo dies misslang, will die Stadt versuchen, sich noch mit der Klägerin zu einigen.

Auch darüber sprach der OB am Freitag mit Lars Templin, dem Geschäftsführer des Musikbunkers. Dessen Mitarbeiter wollen derweil am Wochenende ein Zeichen setzen. Bei den Partys soll der deutlich reduzierten Besucherschar mit Kerzen der Weg durch den Park gewiesen werden – möglichst weit an den geplagten Anwohnern vorbei und als Symbol für einen Ausweg.

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