Aachen - Wer schluckt das Ex-Kaiserbrunnen-Gelände?

Wer schluckt das Ex-Kaiserbrunnen-Gelände?

Von: Stephan Mohne
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Seit Jahren verwaist: Seit dem Aus für die „Kaiserbrunnen AG“ sind die Produktionshallen und das Verwaltungsgebäude an der Jülicher Straße ungenutzt. Die AG verkaufte das 16 000 Quadratmeter große Areal damals an einen Investor, jetzt wird es zwangsversteigert. Foto: Michael Jaspers
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Seit Jahren verwaist: Seit dem Aus für die „Kaiserbrunnen AG“ sind die Produktionshallen und das Verwaltungsgebäude an der Jülicher Straße ungenutzt. Die AG verkaufte das 16 000 Quadratmeter große Areal damals an einen Investor, jetzt wird es zwangsversteigert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das bittere Aus kam vor knapp sieben Jahren. Es war der 30. Dezember 2009, als an der Jülicher Straße/Ecke Lombardenstraße die letzten Flaschen mit „Öcher Sprudel“ befüllt wurden. Die Anteilseigner der „Kaiserbrunnen AG“ – rund ein Dutzend Aktionäre aus dem gesamten Bundesgebiet – hatten zuvor beschlossen, den Betrieb nicht weiterzuführen.

Zu groß schien damals die wirtschaftliche Übermacht der Discounter, bei denen es Mineralwasser zu Dumping-Preisen gab. Da konnte das Aachener Traditionsunternehmen nicht mithalten, die Prognosen für die Zukunft waren damals eher düster. Und eine Pleite wollte man nicht hinlegen nach sagenhaften 125 Jahren tadelloser Firmengeschichte. Gegründet worden war das Unternehmen 1884 von einem Reeder aus Bremen, der im Jahr 1900 den Sitz der Gesellschaft nach Aachen verlegte, wo fortan Wasser aus der Kaiserquelle mit einem enorm hohen Mineraliengehalt abgefüllt wurde.

Das Getränk wurde in aller Herren Länder auf verschiedenen Kontinenten ebenso verkauft, wie es auf Kreuzfahrtschiffen bei Hapag und Lloyd zum „Einsatz“ kam. Später gesellten sich zum „Kaiserbrunnen“ weitere Marken wie etwa „Granus“ oder die „Zisina“-Limonade. Das Ende der Firmentradition verlief absolut geregelt. Die Markennamen wurden bis auf „Kaiserbrunnen“, das ja nur in Aachen hätte abgefüllt werden können, an die „Victoria Heil- und Mineralbrunnen“ aus Lahnstein verkauft. „Granus“ und Co. kann man heute immer noch kaufen. Das Firmenareal wurde an einen Investor verkauft, der damals bekundete, sich auch etwas in Sachen Kaiserquelle überlegen zu wollen.

Das war gestern, heute sieht es anders aus. Der Name „Kaiserbrunnen“ prangt immer noch an den Produktionshallen, hier und da finden sich auf dem Areal noch die Original-Embleme der Firma. Etwa jenes mit dem dunkelhäutigen Mann, der Kaiserbrunnen serviert und wegen dem man sich einst Rassismus-Vorwürfe einhandelte.

Was völliger Quatsch war, denn jener Bremer Reeder hatte das Signet im Gegenteil als Würdigung eines äußerst beliebten Stewards auf einer Kreuzfahrt-Linie entwerfen lassen. Doch aus den Plänen der Käufer von damals ist offenbar nichts geworden. Seit 2010 tut sich auf dem Areal rein gar nichts. Im Gegenteil, die Hallen und Gebäude dümpeln vor sich hin, und ihr Zustand wird dabei alles andere als besser.

Jetzt beschäftigt das ehemalige „Kaiserbrunnen“-Gelände auch das Amtsgericht. Denn dort kommt am kommenden Donnerstag alles unter den Hammer. Auf Betreiben der Sparkasse Aachen wird das Areal samt sämlicher Aufbauten zwangsversteigert.

Es geht dabei um rund 16.000 Quadratmeter Fläche. Ein umfangreiches Gutachten des Expertenbüros Bonenkamp aus Herzogenrath kommt in seiner Bewertung unter dem Strich auf einen Verkehrswert von rund 2,1 Millionen Euro. Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Grundstücke schon 2013 bewertet worden waren, aber zwei Jahre können am allgemeinen Zustand einiges verändern. Und so wurde nun noch einmal gerechnet. Die Gebäude stammen aus verschiedenen Jahrzehnten seit den 1950er Jahren. Noch 1992 wurde eine neue Halle gebaut.

Ebenfalls im Gutachten thematisiert ist ein Plan, den es im Jahr 2014 für das Grundstück gab. Damals hatte ein Investor Interesse daran, dort ein Hotel zu bauen. Es gab diesbezüglich sogar schon eine durch die Stadtverwaltung positiv beschiedene Bauvoranfrage, Eröffnung sollte 2016 sein. Doch dann hörte man von dem Projekt nichts mehr. Die jetzige Zwangsversteigerung mag ein Indiz dafür sein, dass aus diesen Plänen nichts wurde. Für den Fall eines Abrisses der bestehenden Gebäude und einer neuen Nutzung geht der Gutachter übrigens von Kosten in Höhe von knapp 400.000 Euro aus.

Termin am Donnerstag

Wer schluckt nun also das Ex-Kaiserbrunnen-Gelände? Der Termin am Donnerstag vor dem Amtsgericht dürfte sicher einen spannenden Charakter haben. Denn es handelt sich von der Lage her um ein Filetstück. Das sieht auch Hans-Günter Radermacher so. Bei ihm kommt angesichts der Zwangsversteigerung einmal mehr Wehmut auf. Kein Wunder. Fast 50 Jahre lang hat er die Geschicke der „Kaiserbrunnen AG“ intensiv mitgestaltet, ab 1984 als Geschäftsführer. „Seiner“ Firma, die zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, trauert er auch heute noch nach.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass qualitativ hochwertige regionale Produkte heutzutage wieder absolut auf dem Vormarsch sind. Das Areal an der Jülicher Straße müsste, so glaubt Radermacher, auf einiges Interesse stoßen. Schon wegen seiner Lage nahe der Innenstadt einerseits – so nahe an der City gibt es sonst gar keine Industrieflächen – und andererseits wegen der verkehrlichen Anbindung unter anderem an die Autobahn. Wer also schluckt das frühere „Kaiserbrunnen“-Areal? Vielleicht weiß man am Donnerstag nach der ersten Runde im Zwangsversteigerungsverfahren schon mehr. Sie beginnt um 9 Uhr im Raum A 3.017 im Aachener Justizzentrum am Adalbersteinweg.

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